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Aus dem Archiv der Deutschen Seewaite und des Marineobservatoriums. — 60. Band. Nr. 6/?.
Intensität gewinnt, zugleich aber an vertikaler Mächtigkeit eingebüßt bat. Dabei treten auch
liier leicht Nebel ein, die mit einer Inversionsschicht Zusammenhängen, wie Willett betont
(II b seiner bei Egersdorf er 1937 zitierten Klassifikation). Es ist daher nicht immer einfach,
zwischen erlahmender Advektion aus NO und Aufbau eines flachen, über Mitteleuropa diver
gierenden Kaltluftkissens klar zu unterscheiden. Gerade kräftige NO-KE pflanzen sich, wie
wir gesehen haben, mit großer Energie weiter südwestwärts fort, überqueren mühelos Alpen
und Pyrenäen und erreichen Mittelmeer und Meseta, unbeschadet, daß sie gleichzeitig im selben
Maße im Nordosten kräftig abgebaut werden. Die Fortpflanzung eines solchen Nordostluft
durchbruchs ist nur verständlich aus dem konstanten Wandern einer Hochdruckwelle von NO
nach SW. Dagegen eignet den Vorstößen mitteleuropäischer KL eine solche Intensität und Aus
breitungsgeschwindigkeit selten, denn entsprechend hoher Druck tritt über Mitteleuropa nur
selten ein, und wird dann ebensooft auch von Hochclruckwellen aufgebaut, die von SW heran
kommen. Wie Fig. 21 zeigt, kann der Druck über Süddeutschland dann respektable Werte
erklimmen. Aber der Prozeß der KL-Bilclung und KL-Ausbreitung geht doch immer viel lang
samer vonstatten als bei echten NO-KE.
Ein Beispiel eines von Mittelschweden bis zum Mittelmeer reichenden KE, dessen Zentrum in Mitteleuropa liegt,
gibt der 21. Dezember 1951 (Fig. 22). Sogar Südsardinien und Sevilla melden Frost, vielleicht dürfte auch der Frost
in Algerien auf ursprünglich von N zugeführte Luftmassen zurückzuführen sein. Ein mächtiges Hochdruckgebiet
(775 mm) reicht von Irland bis Polen, von Jämtland bis Süddeutsdiland. In Nordeuropa ist die starke Einbuchtung
der 0°-lsothermc nach O und SO kennzeichnend. Das Kältezentrum liegt in S-Deutschland.
Wir können schon aus diesem Beispiel entnehmen, daß Advektion kalter Luft ins Mittel
meer gebiet mit begleitenden Frösten oft einhergeht mit der Zufuhr milder Meeresluft über
Nordeuropa. Wie auch sdion bei anderer Gelegenheit festgestellt wurde (S. 47). so ist auch
hierin ein räumlicher Rhythmus angedcutet.
Fig. 22. Ausgedehnter C-KE vom 21. Dezember 1951 l ig. 25. Frequenz der mitteleuropäischen Kaltluftvorstöße
mit Frost am Mittelmeer, während Lappland z. T. (C-KE). (Summe der Jahre 1925/26 bis 1952/55.)
Tauwetter hat. (Nach Bad. Wetterber.)
Aus der Tatsache, daß autochthone .Kaltluftbildung durch Ausstrahlung für die Er
möglichung eines mitteleuropäischen KE nötig ist, ergibt sich bei Berücksichtigung der Breiten
lage das bevorzugte Auftreten dieses Typs im Hochwinter von Ende November bis Ende
Januar. Er verrät am ehesten von allen Wetterlagen die Möglichkeiten autochthoner Kaltluft
bildung im Winter über Mitteleuropa. Das Absinken der Temperatur vollzieht sich im Wurzel
gebiet nur langsam und allmählich, und zwar beim Vorhandensein einer Hochnebeldecke. Raub
reifvorkommen im Flachlancle beschränken sich sehr oft gerade auf solche Wetterlagen (z. B.
5. Januar 1940). Beim Vorhandensein einer Schneedecke, welche jedoch auf das vorangegangene