5tf Ans dem Archiv der Deutschen Seewarte und cles Marineobservatoriums. — 60. Band. Nr. 6/7.
Infolge ihrer Schneearmut bringen die NO-KE neben solchen aus SO die Gefahr der
Auswinterung der Saat mit sich, wenn nicht zuvor eine Schneedecke erhalten geblieben ist. Die
relativ große Lufttrockenheit bedingt ihrerseits eine stärkere "Verdunstung pflanzlicher Organe,
für die bei dem tief ins Erdreich, eindringenden Frost kein Ersatz geschaffen werden kann. Es
ist leicht zu beobachten, wie ungeheuer rasch sich der Wasserdampf etwa einer Lokomotive bei
solchen Wetterlagen verflüchtigt.
Beim Vorhandensein eines kräftigen Mittelmeertiefs setzt sich der KE über Deutschland
hinweg bis nach Südwestfrankreich und England fort, so daß sogar die gesamte Nord
see mit einbezogen ist (vgl. das zuvor zitierte Beispiel cles 15. Dezember 1938). Trotz der da
durch bedingten Erwärmung trifft die festländische KL sogar in Schottland immer noch mit
relativ niedriger Temperatur ein, allerdings infolge der Nähe atlantischer Wirbel als SO-Wind.
Ein derart weites Vordringen der Nordostluft bleibt jedoch nicht ohne bedeutsame Folgen für
die rückwärtige Verbindung cles KE.
Es wurde schon eingangs dieses Abschnitts betont, daß zusammenhängende NO-Strömungen
etwa von Nordrußland bis Mitteleuropa selten Vorkommen, erst recht nicht bis nach West
europa. In diesem Falle nun verlagert sich die mit hohem Druck verbundene Wurzelzone des
KE unter gleichzeitiger Abschwächung cles Advektivfrostes westwärts und kommt auf eine
Linie Südskandinavien—Polen—Karpathen zu liegen. Auf dem Ostabhang dieses Hochdruck-
rückens strömt maritimpolare, kontinental modifizierte KL (Nsk-KE) siid- und siidostwärts.
Diese Verlagerung des NO-KE bringt auch ein Überschreiten cler Alpen mit sich, so daß vor
zugsweise durch Gebirgsliicken (Bora) und die Rhonetalung- (Mistral) clas offene Mittelmeer
erreicht wird. Da jedoch der Kl/ in dieser Form mit seinem Ausgangsstadium über dem öst
lichen Mitteleuropa nicht mehr viele Züge cles Ersdieinungsbildes gemein hat, sondern viel
fach physiognomiseh einschneidende Abänderungen erfahren hat, ist es gerechtfertigt, ihn ge
sondert zu besprechen. (Kapitel C 2 e.)
Gerade in der letzten Zeit cles Winters werden die NO-KE durch die starke Insolation ab
geschwächt. am frühesten macht sich dies in den südlichsten Gegenden ihres Auftretens be
merkbar. Es steht dies in Zusammenhang mit einer Neigung zur Aufheiterung, clie in den
Monaten Februar/März am stärksten ausgeprägt ist und über Mitteleuropa zu Schönwetter
perioden mit großen täglichen Temperaturschwankungen und zuuehmencler Erwärmung führt.
Wir können hierbei auch von einer Degeneration cles NO-KE sprechen und w r erden im
Kapitel C4 noch darauf zurückkommen. Kräftiger Temperaturanstieg bei NO-KE ist allerdings
auch im Hochwinter nicht unbedingt ausgeschlossen, teils durch turbulente Mischung einer sehr
dünnen Boclenkaltlufthaut. teils durch absteigende Warmluft (Frisch. 1930).
Die beifolgende tabellarische Übersicht orientiert über die Häufigkeit und Aus
dehnung der NO-KE. Aus ihr geht hervor, daß sie insbesondere Mitteleuropa vorzugsweise
Mitte Dezember sowie nach cler Jahreswende erreichen und dann bis in den März hinein noch
auftreten. Während die Abschwächung der Zahl der KE in Nordeuropa während cles Januar
nur gering ist, macht sie sich in den mitteleuropäischen und dazu peripheren Bereichen recht
deutlich bemerkbar. Dort haben wir daher im Dezember und Februar je einen Gipfel. Daß
insbesondere der Dezember den Januar noch überwiegt, ist beachtlich deswegen, weil die dritte
Dezemberdekade in Mitteleuropa stark zyklonal beeinflußt ist mit Neigung zu milderen Vor
stößen, das zahlenmäßige NO-Maximum in Mitteleuropa also herabdrücken muß. Umgekehrt
vermag die Neigung der zweiten Januarhälfte zum Einsetzen von NO-KE bis nach Mitteleuropa
unter antizyklonalem Einfluß clie Erniedrigung cler Gesamtzahl nicht auszugleichen, sie ist also
allein schon auf Grund dieses Sachverhalts nicht sehr ausgesprochen. Aber ganz zweifellos wäre
die Einsenkung wesentlich krasser, wenn der Januar bereits mit der Wintersonnenwende be
ginnen und um den 20. Januar normalen Kalenders enden würde. — Das höhere Maximum cler
NO-Vorstöfie im März gegen den Februar hebt sich lediglich in Nordeuropa hervor, worin die
nördlichere Breite und clie beginnende Arktisluftzufuhr ihren Ausdruck findet: denn es ist eben
unmöglich, in der Übergangszeit zwischen noch bestehender Kaltluftbildung in Lappland durch
Strahlung und bereits einsetzender Zufuhr von kalter Arktisluft klar zwischen NO und Nsk zu