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Full text: 60, 1940

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums. - 60. Band. Nr. 6/7. 
Seherhag, 1939 [a]). Meist jedoch verläuft die vordere Front der vordringenclen KL in nord 
west-südöstlicher Richtung, derart, daß von Mitteleuropa zuerst Ostpreußen erreicht wird. 
Im Bereich der NO-Winde ist die Luft relativ trocken, Niederschläge sind daher selten. Der 
Himmel ist von einer gleichmäßigen Stratusclecke überzogen. Etwas anders verhält es sich aller 
dings, wenn sich vom Balkan her Warmluft in cler Höhe vorarbeitet. Der damit verbundene 
Wolkenschirm erreidit vielfach Polen, Mitteldeutschland und sogar die Ostsee, dort ergiebige 
Aufgleitschneefälle 22 ) mit Frostmilderung auslösend (z. B. 1939/40 [Bacso, 1940j und 1928/29 
[Douglas, 1939]). 
Durdi das Überwehen der Ostsee treffen clie NO-Winde an der deutschen Ostseeküste nicht 
mit sehr tiefen Temperaturen ein 23 ), während besonders Ostpreußen, Polen, Ostpommern und 
Schlesien sowie Böhmen bei NO-KE sehr tiefe advektive Temperaturwerte erreichen können. 
Wenn zu der Frostadvektion noch ungehinderte Ausstrahlung- tritt, kommt es dabei nicht selten 
zu den absoluten Minima des betreffenden Winters. An der Ostseeküste herrsdien jedodi, wie 
schon angedeutet, andere Verhältnisse, auf die noch im Abschnitt C 2 f zurückzukommen sein 
wird. 
Der Temperatursprung, der mit dem Eintreffen kontinentaler KL aus NO ver 
bunden ist, kann große Werte erreichen, die denen bei einem NW-KE sogar überlegen sein 
können. Für einen kurzen Zeitabschnitt von etwa einer Stunde trifft dies allerdings nicht zu; 
während einer so kurzen Zeitspanne vermag zwar bei NW-KE clie bekannte .,Verwerfung“ im 
Verlauf der Temperatur kurve einzutreten (Fig. 12), bei einem NO-KE werden jedodi während 
der gleichen Zeitspanne nur wenige Grade des Absinkens erfaßt, das allerdings länger anhält. 
Der Verlauf der Temperatursenkung ist daher entscheidender als cler absolute Änderungsbetrag. 
Sehr instruktiv ist auch in dieser Beziehung das Beispiel des NO-KE Mitte Dezember 1958, dessen Vorgeschichte 
und Ablauf wir kurz skizzieren wollen. Anfang Dezember stieg der Luftdruck über dem Kontinent stetig an. Am 
Rande des zur Ausbildung gelangenden russischen Hochs herrschten im größten Teile Europas südliche bis südöstlidie 
Luftströmungen; Tiefdruckkerne lagen bei Irland und Jan Mayen. Trotz des hohen kontinentalen Luftdrucks be 
stand allenthalben noch eine starke positive Temperaturanomalie. Das Fehlen einer Schneedecke Dis nach Rußland 
hin läßt keine wesentliche Strahlungskälte aufkommen. Temperaturen unter 0° traten am 10. Dezember erst in Inner 
rußland auf. Diese Wetterlage blieb im großen und ganzen bestehen, sie ist allmählich hervorgegangen aus einer im 
November stark entwickelten ITochdruekachse von Spanien über Mitteleuropa nach Osten hin. Süd-, West- und Nord 
europa wurden anhaltend von mild-feuchten Luftmassen überschwemmt; das Wetter ist trübe. (Zur Geschichte 
dieses NO-KE vgl. auch F. Naegler, 1959, S. 65/66.) 
Am 12. Dezember ist die 1000 mb-Isobare nach W verschoben, nur noch Irland aussehließend. Der Luftdruck 
anstieg dehnt sich langsam weiter nach Nordeuropa aus (15. Dezember) und baut am 14. Dezember in Nordrußland 
ein sehr kräftiges Hoch auf. Damit gelangt Eismeerkaltluft vom Petsdiorabecken (vgl. Scherhag, 1959 [a], S. 142) 
nach Rußland, verbunden mit Schneefälleu. Eine erste Kiutluftstaffel hat Ostpreußen erreicht. Das Wetter bleibt 
trübe, der Wind dreht langsam von SO auf O. Die Temperatur sinkt am 15. morgens in Pommern unter 0°, mittags 
bereits auf —5° (Greifswalder Beobachtungen). Die Trockenheit cler eint reffen den Luftmasse macht sich in einer 
rasdhen Abtrocknung des feuchten Bodens bemerkbar. Eine anderweitige Änderung des Landschaftsbildes ist nicht 
eingetreten. Mit weite-rem Druckanstieg frischt der Ostwind auf. Lediglich am Gebirgsrancle in Schlesien treten 
Schneefälle auf, sonst herrscht trübes, trockenes Frostwetter. Nach dieser ersten Staffel ist in Rußland eine zweite, 
um etwa 10° kältere erkennbar (in Nordrußland werden unter —50° gemessen), die nach Westen vorreckt und am 
16. abends Pommern erreicht. Inzwischen ist zunehmende Auflösung der lockeren Stratusclecke eingetreten, in der 
klaren Luft leuchten die Wolkenfetzen bei niedriger Wintersonne durchscheinend in gelben und blauen Farbentönen. 
In Ostpreußen werden bereits am 16. morgens ■— 17° gemessen (Ebenrode). Der Luftdruck hat inzwischen in Nord 
rußland Werte von über 790 mm erreidit. Dem Vorstoß können sidi daher über Mitteleuropa keine Hindernisse in 
den Weg legen. Ganz Deutschland ist am 16. von Frost betroffen, und zwar rein advektivem Frost ans NO. Die 
Staffelung bedingt ein in großen Stufen vor sich gehendes Absinken der Temperatur, verbunden mit zunehmender 
Aufheiterung. Am 16. abends werden in Greifswald — 8° beobachtet. Die Wetterlage bleibt seitdem konstant er 
halten. Feuchtere Ostseeluft bedingt spärliche Schneeflocken aus dünnen Stratuswolken; der vermutlich prinzipiell 
gleiche Effekt der Feuchteaufnahme durch clie Überweliung der noch eisfreien Ostsee macht sich in Inseldänemark 
(insbesondere Lolland—Falster) sog-ar durch örtlich redit ergiebige Schneefälle bemerkbar 24 ). Einige Tage später 
werden in Westpommern sogar — 15° erreicht bei immer noch anhaltender lockerer Stratusbewölkung. 
”) K n li n k e , 1959. 
23 ) Voigts (1955) spricht direkt von einem „PC Ostsee“-Luftkörper. 
M ) Von einer ähnlichen Labilisierung beim Überwehen cler Nor dsee durch kontinental-arktische Kaltluft spricht 
H. Müller (1959).
	        
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