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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und cles Marineobservatoriums. — 60. Band. Nr. 6/7.
liehe Kaltluftkissen überdeckt mitunter ganz Nordeuropa: dadurch werden über dem ganzen
Gebiet wechselnde, schwache Winde sowie Windstillen erzeugt.
Die Dauer und Häufigkeit dieses Typs von KL-Transport. über die die nachfolgenden Ta
bellen orientieren, ist sehr gering. Es bedeutet dies eine geringe Stabilität einer auf Skandi
navien allein beschränkt bleibenden Hochdrucklage; meist dehnt sich das Hoch stärker aus und
verursacht einen NO-KE, oder die KL wird reduziert zu einer Kaltluftachse innerhalb einer
vorherrschend westlichen Luftströmung.
Während clas Abfließen entlang clenx Westhang über clie norwegische Küste nicht nur bei
dieser Wetterlage vorhanden ist, sondern darüber hinaus gleichzeitig auch bei NO- und SO-KE
(in allen Fällen ist der tiefere Luftdruck über dem Skandik hierfür ausschlaggebend), voll
ziehen sich die Modifikationen dieses KE-Tvps hauptsächlich an zwei anderen Stellen:
am Nordrande nahe der Eismeerküste sowie entlang der „Kontinentalfront“ im Bereich Süd
finnland—Baltikum, in Nordlappland wird clie KL durch die mit den Westwinden zum Barents
meer vordringende Meeresluft, meist maritimpolaren Charakters, abgebaut und aufgezehrt.
Ein einfaches Zurückziehen und Südwärtsverlagern des gesamten Kaltluftgebilcles kann in
dieser Form aus dem Grunde nicht stattfinden, weil im südlichen Ostseegebiet über den
Wasserflächen clie Voraussetzungen für eine intensive Kaltluftbildung gar nicht gegeben sind.
Daher hält sidi die südliche Begrenzung des skandinavischen Kaltluftkissens recht konstant; durch
einen Abbau von Norden her verschwindet daher das ganze als selbständiges Kaltluftgebilde.
Ebenso oft vollzieht sich clie Modifikation aber auch in der anderen Richtung: die mit einer
Hochdrucklage über Skandinavien verbundenen NO-Winde im Baltikum gewinnen stärker an
Raum und entwickeln sich bei geeigneten Luftdruckverhältnissen zu einem selbständigen Kalt
luftvorstoß aus NO, der sehr rasch nach NW hin clie dort bisher lagernde KL einbezieht und
nur Reste der C-Zone als eine Wurzelzone des größeren KE bestehen läßt, oft auch diese
aufnimmt und dann unmittelbar vom Weißen Meer her bis nach der norwegischen Küste reicht.
Es ergibt sich somit, daß die selbständige skandinavische Kaltluft im Westen, Süden und
Norden nur unwesentliche Oszillationen auf weist, daß ihre östliche Begrenzung dagegen
oft schwer zu ziehen ist. Ihre Beständigkeit erleidet oft rasch Einbuße durch Abbau von
Norden her oder durch Einbeziehung in einen umfassenden NO-KE, der vom Baltikum oder
Südfinnland her einsetzt. Trotzdem gehören clie in ihr beobachteten Temperaturen zu den
tiefsten überhaupt. — Mitteleuropa wird von diesem KE-Tvp nicht direkt betroffen, ganz selten
dehnt sich die KL bis zur südlichen Ostsee aus.
Aus der folgenden tabellarischen Zusammenstellung und Fig. 15 entnehmen wir, daß nur
etwa 5% aller KE auf diesen Typ entfallen. Als reiner Strahlungstyp ist er auf clie
Wintermonate von Oktober bis März besdiränkt. In Anbetracht der geringen Zahl lassen sich
Einzelheiten des jährlichen Ganges nicht feststellen, da der Fehlerprozentsatz dabei zu hoch
wäre. Immerhin scheinen Januar und Februar dazu zu neigen, vielleicht auch der November.
Die durchschnittlidie Dauer beträgt nur 2—5 Tage. Hinsichtlich der Reichweite wurden 40 auf
Skandinavien beschränkte, 52 Finnland und 14 die südliche Ostsee mit umfassende gezählt.
Das Kerngebiet ist natürlich Skandinavien (ohne den südlichen Teil), d. h. also das Gebiet,
welches durch das Gebirge im Westen abgeschirmt ist.
Tabellarische Zusammenstellung' der Sk-KE nach Dauer und Zeit des Auftretens, dar gestellt nach Zahl
und
Tagessumme:
IX
X
XI
XII
I II
hi
IV
V
VI
Zusammen
1925/26 überhaupt
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1
1
i 1
i
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5
desgl. in Tagen
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3
2
6 2
2
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15
davon 1 tägige
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2 tägige
■
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i
— 1
i
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5
desgl. in Tagen
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2
2
2
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6
5 tägige
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t
desgl. in Tagen
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3
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3
4 tägige
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5—6 tägige
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i
desgl. in Tagen
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6 —
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