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Full text: 60, 1940

Joachim B 1 ti tilgen: Geographie der winterlichen Kaltlufteiiibi-üche in Europa. 41 
großen Teil davon. Abweichend davon verhält sich jedoch Kaltluft, die i n n e r h a 1 b Sk a n - 
clinaviens ein eigenes, selbständiges Kältezentrum besitzt. Sie Kat die Tendenz, nach allen 
Seiten, also radial, abzufließen. Je nach den Luftdruckverhältnissen im einzelnen ist dieses 
Divergieren verschieden weit verbreitet und auch schwankend in seiner Intensität. Im großen 
und ganzen sind clie Bewegungen aber geringfügig, und man kann daher, wie wir es hei der 
I'ypenaufStellung S. 27 f. getan haben, mit Redit von Oszillationen indifferenter skandinavischer 
Kaltluft sprechen. Es ist oft sehr schwer, bei der innerskandinavischen KL klar zu trennen 
zwischen dem durchaus selbständigen Aufbau eines Kaltluftkissens und zwischen einer Begleit 
erscheinung anderer KE, welche Skandinavien betreffen. Statistisch sind daher nur wenige, ent 
schieden selbständige Fälle erfaßt; tatsächlich vorhanden ist aber die Erscheinung in begleiten 
der Form ungleich viel öfter. Der Begriff des nordeuropäischen Kaltluftblocks wird daher 
später in der regionalen Behandlung das Kern p r o b 1 e m Nordeuropas überhaupt, das 
dem nordischen Winter das Gepräge gibt. Es handelt sich dabei also — um Mißverständnisse 
auszuschließen, sei dies betont — um eine sehr wesentliche Weiterfassung eines Vorganges, 
welcher in diesem Kapitel nur auf wenige Idealfälle beschränkt ist, die statistisch erfaßt wer 
den konnten. 
Wir greifen einige Beispiele heraus. Im Bereich eines von S über Skandinavien reichenden Hochdruckkeiles 
herrscht am 9. Dezember 1926 Divergenz mit Aufheiterung und anziehendem Frost (Stensele C 10°, Sarna C — 19° 
Nebel, Haparauda C — 6°). An der norwegischen Westküste herrschen mildere Südostwinde, nur Bröimöy hat Ad- 
vektion kühlerer Südostluft aus dem Innern Skandinaviens: SO 4 4- 1°. Die Warmluft des nordatlantisdien Tiefs hat 
sich also bereits bis in die an der Küste herrschende Luftströmung vorgearbeitet, östlich der C-Achse (d. h. der 
binnenländisehen Windstillenzone) dagegen herrschen leichte Westwinde mit mäßigem Frost (Bjuröklubb W 2 —* 7°, 
Stockholm NW 1 —5°). — Ganz ähnlich ist das Wetterprofil durch Skandinavien am 15. Dezember 1926: Brönnöy 0 2 
— 1° Schnee, Stensele C —21°, Vasa WNW 1 —5°. Über Innerskandinavien hat sich in diesem Falle ein eng um 
grenztes selbständiges Hoch ausgebildet, clas zwar nur 755 mm anzeigt, aller relativ zum tieferen Luftdruck der Nack- 
bargebiete seine wetterwirksame Bedeutung besitzt, d. h. die Kaltluftbilclung durch Divergenz über dem Inneren 
Nordskandinaviens begünstigt. 
Weitere Belege ähnlicher Art finden sich im Kapitel D 5. Alle Beispiele weisen jedoch 
noch auf eines hin, daß nämlich die Divergenz mit dem Abfließen aus dem Innern Skandi 
naviens nach Osten und Westen hin nicht mit besonders hohem Luftdruck verbunden ist. Oft 
handelt es sich überhaupt nur um eine schmale Zone zwischen zwei Tiefdruckgebieten östlich 
und westlich von Skandinavien. Dann nämlich, wenn ein kräftiges Hoch selbständig über Skan 
dinavien lagert, wandelt sich eine anfängliche Divergenzwetterlage obiger Art rasch in einen 
intensiven NO-KE um. 
Während bei den übrigen KE-Typen der eigentliche Kaltlufttransport im Vordergründe 
steht, die Wurzelzone dagegen meist nur eine unbedeutende Rolle spielt und auch nur selten 
im Untersuchungsbereich entwickelt ist, — zeichnet sich die skandinavische KL durch ihre 
stets ausgeprägte Windstillenzone aus, die in der Regel dem Gebirgsfuße folgt von 
Innerlappland bis in die südnorwegischen Hochgebirge (vgl. Fig. 84, 85). Die windstille Zentral 
zone ist verbunden mit kräftigen Strahlungsfrösten, clie liier zu den tiefen Minima führen, 
welche den nordischen Winter kennzeichnen. Gegenüber dieser C-Zone spielt das Abfließen der 
KL nur relativ lokal eine Rolle. Barometrisch haben wir es über Skandinavien mit einem 
Hochdruckkeil, Zwischenhoch oder auch selbständigen Hoch zu tun. Dementsprechend findet 
sich am Westhang der Kaltluftmasse, also entlang der norwegischen Westküste, Ost- bis Südost 
wind, föhniges Aufheitern mit advektivem und Straülungsfrost. Bei diesen Wetterlagen erhält 
die norwegische Westküste, vom äußersten Norden vielleicht abgesehen, kräftige negative 
Temperaturanomalien. 
Am Osthang der skandinavischen KL treten im idealfalle Westwinde auf, z. T. schon an 
der schwedischen Bottenküste, oft aber auch erst drüben in Finnland. Diese Westwinde sind 
jedoch weit weniger regelmäßig ausgebildet wie etwa die Ost- bis Südostwinde an der norwe 
gischen Küste. Sehr oft finden sich Nordwest-, ja sogar reine Nordwinde am Osthange vor 
herrschend. Diese letzteren leiten in der Regel eine erneute Arktisluftzufuhr ein, wodurch die 
Kaltluft ostwärts einen Anbau erhält. Andererseits ist mangels stärkeren Gradienten nach 
Finnland zu ein Westwind im Bottnikum nur sehr lokal vorherrschend, ja, das relativ unbeweg-
	        
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