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Full text : 60, 1940

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Joachim  B  Ui  tilgen:  Geographie  der  winterlichen  Kaltlufteinbrüche  in  Europa.

amerika,  daß  W.  mir  zwei  anstatt  vier  Hauptluftkörper  unterscheidet:  tropisch  und  polar.  Diese
vermögen  dafür  bei  der  Nähe  winterlich  kalter,  nach  Süden  geöffneter  Kontinentalffächen  und
äquatorial  warmer  Meeresteile  in  den  südlichen  Staaten  der  USA.  Temperaturstürze  von  großer
Schärfe  hervorzurufen  (bis  zu  40  C  in  24  Stunden  nach  Wilief  t  !).  War  schon  die  ältere  meteorologische ­
  Arbeitsrichtung  der  Amerikaner  in  stärkerem  Maße  dynamisch  eingestellt  (Looniis)
  —  die  C'olcl  Waves  -wurden  so  z.  B.  schon  frühzeitig  behandelt  —.  so  hat  sich  das  auch  bis
in  die  Jetztzeit  nicht  geändert.  Die  Ursache  dafür  ist  wohl  zum  Teil  darin  zu  suchen,  daß  Nordamerika ­
  einen  viel  großzügigeren,  einheitlicheren  Kliinaablauf  bietet  als  das  viel  gegliederte
Europa.  Kaltlufteinbrüche  sind  in  Nordamerika  viel  ausgeprägter  und  im  wesentlichen  gleichartig, ­
  während  wir  in  Europa,  wie  wir  sehen  werden,  mehrere  Typen  aussondern  können,  die
nur  selten  solche  Ausmaße  erreichen,  daß  ein  Vergleich  mit  den  Northers  angebradit  ist.
Die  Literatur  über  die  n  o  r  cl  a  in  erikanis  c  h  e  n  K  a  11.1  u  f  t  e  i  n  b  r  ti  che.  also  clie  Northers ­
  und  Blizzards,  ist  ziemlich  umfangreich  und  z.  T.  schon  älteren  Datums  (Cox,  Henry
u.  a.).  Wir  haben  es  hierbei  mit  einem  Vorgang  zu  tun,  der  sich  vom  äußersten  Norden  cles  Kontinents ­
  bis  in  die  äquatoriale  Zone  mit  fortschreitender  Veränderung  seines  Erscheinungsbildes
einstellen  kann.  Es  ist  daher  nicht  verwunderlich,  wenn  in  den  meisten  Arbeiten  darüber  eine
Begrenzung  des  Kaltlufteinbruches  durch  eine  bestimmte  Isotherme  nicht  gegeben  wird“),  vielmehr ­
  clie  Isallothermen  und  die  gesamte  Wetterwirksam  keif  (Windsprung,  Niederschläge)  zur
Kennzeichnung  herangezogen  werden.  Es  ist  methodisch  nicht  uninteressant,  daß  gerade  geographische ­
  Beiträge  zum  Problem  der  Northers  häufiger  sind.  In  A r erfolg  der  Studien  über  clie
Instabilitätsfaktoren,  die  aus  der  Schule  von  K.  S  appe  r  und  F.  Termer  stammen,  behandelte
O.  Link  (1934)  die  nordamerikanischen  Kältewellen.  Die  vornehmlich  kompilatorische  und  in
ihrer  Problemstellung  beziehungswissenschaftliche  Arbeit  vermittelt  durch  ihre  umfangreiche
Literaturzusammenstellung  einen  Begriff  von  der  großen  Zahl  der  Beiträge  zur  Frage  der
nordamerikanischen  Kältewellen.  In  jüngster  Zeit  hat  sie  L.  W  a  i  b  e  1  (1938)  erneut  behandelt,
und  von  rein  meteorologischer  Seite  ist  der  Beitrag  Externbrinks  zu  erwähnen  (1937).
Trotz  der  somit  vorhandenen  großen  Fülle  an  Arbeiten  über  diese  Kaltluftvorstöße  läßt  sich
aus  ihr  für  die  hier  zur  Diskussion  stehenden  europäischen  Verhältnisse  keine  geeignete
Methode  entnehmen.
Die  Vielfalt  der  europäischen  Kalt.luftströme  und  die  Gliederung  cles  Gebietes
haben  dazu  geführt  (Ekh  art,  1933.  S.  285).  daß  Kaltlufteinbrüche  nur  selten  aus  diesem  Bereich
behandelt  wurden,  und  wenn,  dann  nur  von  Meteorologen.  Von  diesen  verstreuten  Beiträgen
sind  die  von  Ekhart  (1933  [a],  1933  [b],  1938)  und  Reichel  )  (1930.  1931  |a],  1931  fbj)  zu  nennen.
An  Hand  eines  Nordwestlufteinbruches,  bei  dem  ganz  besondere  stratosphärische  Verhältnisse
mitsprachen,  konnte  ersterer  zeigen,  daß  auch  in  Europa  durchaus  Kaltlufteinbrüche  eines  Ausmaßes ­
  Vorkommen  können,  das  räumlich  gesehen  an  clie  amerikanischen  ebenso  wie  an  die  von
v.  F  i  c  k  e  r  behandelten  asiatischen  heranreicht.  Freilich  kommen  solche  Vorstöße,  clie  von  Island
bis  zum  Irak  zu  verfolgen  sind,  äußerst  selten  vor.  Bei  diesem  Beispiel  ist  bezeichnend,  daß
die  tatsächlichen  Temperaturen  überhaupt  nicht  zur  Sprache  kommen,  dagegen  Äquivalenttemperatur, ­
  Isallothermen  und  -baren  herangezogen  werden.
Wir  sehen,  daß  trotz  der  Anregung,  welche  clie  Bergen  er  Meteorologen  in  die  klimatologische
  Methodik  brachten,  eine  umfassende  Behandlung  komplexer,  einheitlicher  Vorgänge  im
Luftraum  Europas,  wie  z.  ß.  der  Kaltluftvorstöße,  noch  nicht  stattgefunden  hat.  Dagegen  müssen
wir  uns  noch  mit  klimatologischen  Darstellungsmethoden  befassen,  clie  sich  gewissermaßen
parallel  dazu  bewegen  und  ebenfalls  ein  komplexes  Erfassen  zum  Ziele  haben.  So  stellte  in
diesem  Sinne  K  u  znetzo  w  -  U  gamski  (1933.  S.  26  t)  fest:  „Especially  the  task  of  climatology
is  the  study  of  atmospheric  processes  developed  near  the  surface  of  the  earth-crust.  It  is  not  an
atmospheric  process  per  se,  but  a  very  peculiar  climatic  process  which  is  a  result  of  the  dyna-*)
  Mit  Ausnahme  von  H  e  n  r  y  (1906,  S.  35  ff.).  Nach  B  r  o  n  k  s  u.  S  c  hell  (1939)  wird  jetzt  z.  B.  in  Neu-Eng]and
eine  ..Gold  wave“  mit  einem  Temperaturfall  von  mind.  20°  F  in  24  Stunden  auf  mind.  10°  F  oder  darunter  definiert.
7 )  Reiche]  behandelt  allerdings  Kälte  p  e  r  i  o  d  e  n  ,  keine  -einbriiehe  in  unserem  Sinne,  und  seine  Untersuchungen ­
  über  Nord-  und  Mitteldeutschland  sind  eher  als  eine  statistische,  auf  ein  Element  bezogene  Mittelwertklimatologie ­
  aufzufassen,  gewissermaßen  eine  Statistik  des  Frostes.
            
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