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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 6 (1878)

Ueber die Monsune und Orkane im Indischen Ocean, in der China- 
und Java-See und dem anliegenden Theil des Stillen Oceans. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
Von W, Wagner, Vorsteher der Abtheilung I der Deutschen Seewarte, 
(Mit 5 Tafeln.) 
Die Grenzen des Indischen Oceans sind ebenso, wie die des Atlantischen 
und Stillen Oceans theils natürliche, theils konventionelle. Die natürlichen 
Grenzen des Indischen Oceans bilden im Westen die Küsten Afrika’s und Arabiens, 
im Norden Persien und die Halbinsel Vorder-Indien, welche die zwei grossen fast 
symmetrischen Einbuchtungen des Bengalischen Meerbusens und des Arabischen 
Meeres von einander trennt. Im Osten bildet die Westküste von Hinter-Indien, 
die malat’ische Halbinsel, die Westküste von Sumatra, die Südküste von Java 
und die östlich davon gelegenen Inseln, sowie die Westküste Australiens von 
der Insel Melville im Norden, rund um den ganzen Kontinent, bis Wilson 
Promontory die Grenzen. Im Süden steht der Indische Ocean in freier offener 
Verbindung mit dem südlichen Polarmeer, er ist aber nach Uebereinkunft von 
diesem abgegrenzt durch den südlichen Polarkreis und die beiden bis zu diesem 
verlängerten Meridiane des Kap Agulhas und der Südspitze von Tasmanien, 
In der vorliegenden Arbeit soll nun vorzugsweise derjenige Theil des 
Indischen Oceans in Bezug auf seine Windverhältnisse besprochen werden, 
dessen charakteristische Winde die periodischen, halbjährlich wechselnden — 
die Monsune — sind. Dieser Theil liegt im Indischen Ocean nördlich von 
20° S-Br in den oben angegebenen Grenzen; da aber die Monsune, welche hier 
zur Betrachtung kommen, sowohl nördlich als südlich vom Aequator sich noch 
weiter nach Osten erstrecken, so wird es nöthig, auch die China- und Java-See, 
sowie einen Theil des westlichen Stillen Oceans mit in das zu behandelnde Feld 
aufzunehmen. 
Monsune findet man in jedem Ocean zwischen den Weondekreisen, aber 
in keinem Meere sind sie so ausgebildet und so regelmässig, als in denjenigen 
Theilen des Indischen und Stillen Oceans, von denen hier die Rede sein soll. 
Im Atlantischen und im Stillen Occan erstrecken sich die Kontinente in 
der Richtung von Norden nach Süden, die Meere sind nach Norden und Süden 
offen, die Cirkulation ist in Folge dessen eine ungehinderte, und man findet 
daher in den Tropen vorherrschend die regelmässigen Passate, welche nur an 
gewissen Stellen in der Nähe des Landes und zu gewissen Jahreszeiten durch 
Monsune unterbrochen werden. Der Indische Ocean dagegen ist nicht nur im 
Norden, sondern fast nach allen Seiten gänzlich von Land eingeschlossen, 
ausserdem werden aber auch die Luftmassen durch gewaltige Gebirgsketten 
und Hochebenen im Innern des Landes in ihrer freien Bewegung beschränkt. 
Diese eigenthümliche Anhäufung überwiegender Ländermassen rund um das 
Meer hat je nach der Jahreszeit eine vorschiedenartige Erwärmung derselben zur 
Folge, wodurch beständig wechselnde Temperatur- und Luftdruck - Unterschiede 
auf dem Lande und auf dem Meere hervorgebracht werden. Durch diese werden 
die regelmässigen Passate gestört, und es entstehen an ihrer Stelle periodische 
Winde und Jahreszeiten mit entgegengesetztem Charakter, nasse und trockene. 
Zur Veranschaulichung der, in dem in Frage stehenden Gebiete herrschen- 
den Temperatur- und Luftdruck- Verhältnisse sind in den beigefügten vier Karten 
Ann. d. Hydr.. 1878, Heft IX (September).
	        
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