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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums. — 60. Band. Nr. 3/4.
Der jährliche Verlauf der relativen Feuchtigkeit weist ein Maximum zur Zeit der herbstlichen Regen
periode auf, nur die Plana de Vieh hat ihr Maximum im Dezember. Die Minima der relativen Feuchtigkeit
erscheinen einheitlich im Hochsommer.
Bei den mittleren Jahrestemperaturen läßt sich eine Zunahme in nordsüdlicher und westöstlicher Rich
tung erkennen. Sie liegen zwischen 8.1° und 17.4°. Das Minimum entfällt auf die Station S. Juan de Peña-
golosa, den höchsten Beobachtungsort im südwestlichen Randgebirge. Amposta im Ehrodelta zeichnet sich
durch das größte Jahresmittel aus. Die jährlichen Temperaturamplituden wachsen mit der Annäherung an
das Becken, und sie erreichen bei Juneda die extremste Schwankung von 21.6°. Die Linien gleicher thermi
scher Kontinentalität verlaufen parallel zur Küste und den Randgebirgen, im Becken aber folgen sie mehr
einer konzentrischen Anordnung um den größten Wert hei Juneda (35, 2).
Das Klima von Katalonien und Castellón wird in erster Linie von dem verschiedenen thermischen Ver
halten von Festland — Iberische Halbinsel — und umgebenden Meeren —- Mittelmeer und Atlantischer
Ozean — in den extremen Jahreszeiten bestimmt. Im Sommer und Winter gerät das untersuchte Gebiet
mehr oder weniger unter den Einfluß des stark erhitjten bzw. erkalteten Innern. Der mediterrane Saum
steht ebenso wie das Atlantische Küstengebiet im Sommer unter der Einwirkung des Azorenhochs, und die
nördlichen Winde w'erden dann an der mediterranen Küste durch das zentraliberische Tief in östliche bis
südliche Winde umgelenkt. Sie können dem heißen Land nur dort Niederschlag bringen, wo sie zu starkem
Aufsteigen gezwungen werden. Im Sommer reicht der Einfluß des zentraliberischen Tiefs bis in das Bereich
der inneren Gebiete, das Ebrohecken und die nordöstlichen Ebenen. Gewitter und nordatlantische Zyklonen
bringen die spärlichen Niederschläge.
Im September verursacht das Balearentief im ganzen Gebiet reichliche Niederschläge. Die Küstenstriche
empfangen dann ihr primäres Niederschlagsmaximum. Mit der Verschiebung des mediterranen Tiefs in die
Gegend von Corsica und Sardinien hört sein Einfluß in den inneren Ebenen allmählich auf; dort werden
die Niederschläge dann von nordatlantischen Zyklonen gebracht. Zuweilen wirken auch beide Aktionszentren
zu gleicher Zeit, und dann sind die Regenfälle überall sehr ergiebig.
Im Winter, besonders im Hochwinter, beeinflußt das zentraliberische Hoch das gesamte Gebiet. Nur
selten können sich atlantische oder mediterrane Tiefs entfalten. Im Februar ist die Stabilität des iberischen
Hochs schon erschüttert, und nun setjt wieder regelmäßig die Tätigkeit der Zyklonen ein. Es können nord
atlantische, mediterrane oder Gibraltarzyklonen sein. Im Gegensatj zum Herbst sind jetjt vorwiegend die
atlantischen Minima die Regenerzeuger, und zwar auch im mediterranen Küstenstreifen. Der Luftdruck ist
über dem Mittelmeer in stetigem Steigen begriffen, dagegen nimmt er auf der Iberischen Halbinsel immer
mehr ah. Im Mai ist der Gradient auf dem iberischen Festland sehr klein, und die dadurch verursachten
Gewitterregen bedingen das primäre Niederschlagsmaximum des Frühjahrs in den Binnenlandschaften.
Die Wirkung der nordatlantischen Zyklonen nimmt von Norden nach Süden ab, die der Gibraltar-
Zyklonen von Süden nach Norden. Beim Balearentief ergibt sich eine Verminderung der regenerzeugenden
Kraft in ostwestlicber Richtung. Die immerfeuchten Klimaprovinzen entstehen dadurch, daß sie sich meistens
noch in den randliehen Bereichen starker Wirkung der nordatlantischen Zyklonen befinden. Bei der östlichen
immerfeuchten Region verursachen die Mittelmeerwinde starke Steigungsregen. Die Sierra del Cadi zeichnet
sich besonders als Regenfänger aus.
Aus diesem Wechselspiel der Aktionszentren und dem Grad ihrer Entfaltung ergeben sich die in
dividuellen Verhältnisse des untersuchten Gebietes. Infolge der allgemein vorherrschenden Frühjahrs- und
Herbstregen können wir in Katalonien und der Provinz Castellón noch von einem gemäßigten Etesienklima
sprechen.