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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3
kurze Eisperiode mit leichtem Eis einstellen kann, wie es z. B. 1930/31 der Fall war, sowie aucE 1924/25. Ver
mutlich handelt es sich um Eis, das herangedriftet ist und dann hier festlag, um zu zerfallen. Anders ist es mit
der Treibeisperiode vor Eisschluß im Winter 1928/29. Hier waren die Temperaturen nach dem Auftreten von
Treibeis noch zeitweilig niedrig genug, daß ein Zusammenfrieren, zumindest eine Stagnation des Schmelzprozesses,
anzunehmen ist.
24. Die Eisverhältnisse von Rauino <Bottnischer Meerbusen). Abb. 29.
Wenig südlich von Mäntyluoto folgt der Hafen Raumo. Der Ort liegt weniger vorgeschoben wie etwa
Mäntyluoto, sondern an einer Einbuchtung der Küste, die im übrigen wieder von Schären gesäumt ist. Die geo
graphische Lage ergibt sich zu 61°8' N und 21°3T E.
Der Beginn der Vereisung fällt durchschnittlich auf den 21. Dezember bei schematischer Berechnung aus
allen zehn Wintern; eliminieren wir jedoch die zwei milden Winter 1924/25 und 1929/30, ergibt sich als durch
schnittlicher Eisbeginn der übrigen acht Winter der 9. Dezember. Ähnlich stellen sich die Verhältnisse für den
Beginn der Hauptvereisung, die mit dem 16. Dezember bzw. mit dem 7. Januar beginnt. Der Unterschied ist hier
bei noch etwas größer, da der milde Winter 1924/25 noch eine Vorperiode aufzuweisen hatte.
Die Vereisung beginnt ausnahmslos mit leichtem Festeis. Im Winter 1923/24 sind die Eisverhältnisse zu
Beginn nicht klar ersichtlich, desgleichen ist vielleicht zu bezweifeln, ob die Meldung vom Winter 1922/23, wo
nach die Vereisung mit starkem Festeis begann, einwandfrei ist. Daß sich die Parallelität zwischen Eisverhält
nissen und Temperatur in Vasa nicht mehr vollauf zeigt, ist bei der räumlichen Entfernung von letztgenanntem
Beobachtungsort nicht verwunderlich.
Der Verlauf der Hauptvereisung ist nicht immer ungestört. Mehrfach tritt mitten im Hochwinter, wenn
bei den nördlicheren Stationen unveränderliches starkes Festeis herrscht, für wenige Tage leichteres Eis, oder
sogar Treibeis ein. So sind im Winter 1926/27 die zwei Perioden mit leichtem Festeis Anfang Januar und Mitte
Februar durch Wärmevorstöße bedingt. Der Winter 1929/30, der ziemlich mild verlief, zeigte keine nennenswerte
starke Festeisbildung. Das starke Festeis schließt sich klar an die zwei Hauptfrostperioden des Winters an, wie
sie aus der Kurve für Vasa hervorgehen. Man kann demnach in dieser Hauptvereisung bereits eine Gliederung in
einzelne Teilperioden erkennen. Wäre die Lage von Raumo exponierter, so bestände die Vereisung dieses Win
ters sicherlich aus zwei einzelnen Perioden, die sich mit leichtem Festeis an die genannten zwei Frostperioden an
schließen, wobei dann der Begriff der Hauptvereisung im üblichen Sinne nicht mehr gültig ist.
Es ist in allen Monaten möglich, daß die Eisbildung gestört wird, so daß es in den Diagrammen zum Aus
druck kommt. Nie eisfrei war in allen Wintern lediglich die Zeit von Anfang März bis Anfang April. Während
der übrigen Monate ist mindestens einmal das Wasser frei gewesen.
Der Eisgang ist mit wenigen Ausnahmen sehr kurz, indem in der Regel nur wenige Tage genügen, um das
starke Festeis zum Verschwinden zu bringen. Lediglich der Winter 1926/27, der zwar nicht der kürzeste war,
hatte einen langen Eisgang aufzuweisen. Die Umwandlung des starken Winterfesteises in leichtes Festeis geschah
bereits am 5. März, was, vom Winter 1929/30 abgesehen, der früheste Termin für das Auftreten von leichtem Fest
eis im Frühjahr ist. Dennoch verschwand das Eis erst am 25. April, wenige Tage vor dem Durchschnitt. Es sind
hier die gleichen Voraussetzungen gegeben wie bei den Eisverhältnissen von Mäntyuloto, so daß hier darauf ver
wiesen werden kann. Der durchschnittliche Termin für das Verschwinden des Eises ist der 2. Mai; die Schwan
kungen sind auch hier geringer als beim Beginn der Vereisung, selbst unter Einbeziehung der sehr milden Winter.
In der Regel kann man annehmen, daß das Eis etwa einen Monat nach dem Eintreten von Plus-Tempera
turen im Frühjahr verschwindet, sofern nicht folgende Einflüsse dies variieren; geringe Eisbildung im Hochwinter,
wie 1926/27, — kurzer Eiswinter, wie 1924/25 oder 1929/30, resultiert in der gleichen Wirkung: das Eis ver
schwindet bereits früher. Sehr starke Eisbildung wie 1923/24, häufigere Kälterückfälle im Frühjahr, wie 1928/29.
resultieren in einer Verzögerung des Verschwindens des Eises gegenüber dem Durchschnitt von einem Monat.
25. Die Eisverhältnisse von Mariehamn (Älandarchipel). Abb. 30.
Die Station Mariehamn ist an der Südseite von Äland gelegen, frei gegen das Älandsmeer und die eigent
liche Ostsee geöffnet. Die Eisverhältnisse sind nicht geeignet, eine Mittelbildung vorzunehmen.
Die Vereisung beginnt stets mit leichtem Festeis oder Eisbrei, nie mit Treibeis usw., so daß anzunehmen
ist, daß die vollmarinen Einflüsse mit den unruhigen Eisverhältnissen hier nicht zur Geltung kommen, daß aber
der Temperaturgang des Wassers von dem der Bottensee verschieden sein muß. Auffallend ist das häufige Vor
kommen kleiner Vorperioden und dann das gelegentliche Fehlen einer klaren Hauptvereisung, trotzdem öfters Eis
gemeldet wird. Sicherlich beruht dies auf der Tatsache, daß, wie auch in den finnischen Berichten wiederholt
festgestellt wird, der Abkühlungsvorgang des Meerwassers infolge der größeren gespeicherten Wärme und damit
zusamenhängend der größeren Wassermenge infolge größerer Tiefe erst spät das Stadium erreicht, das in den
finnischen Berichten als „Eisreife“ bezeichnet wird (also der Umschlagspunkt in der Konvektionsbewegung, wo
nach die Oberfläche sich abkühlt, ohne daß das Wasser tiefer sinkt und durch wärmeres ergänzt wird. Es fällt
dieser Punkt also zusammen mit der Abkühlung auf knapp +4°; dann ist die Konvektion unmöglich gemacht,
das weiter abgekühlte Wasser bleibt an der Oberfläche und kann frieren). Infolge der nach Süden offenen Lage wird