Gerhard Schumacher: Das Klima Südkoreas auf Grund der japan. Wetterbeobachtg. der Jahre 1914 bis 1933 39
Im trocknen Juli 1929 herrschte vom 10. ab stabiles Monsunwetter, an keinem Tage gestört von Zyklonen.
Die vom 10. ab gemessenen Niederschläge sind: in Saisyü 0,5 mm, in Moppo 0,0 mm, in Husan 0,7 mm, in Zensyü
0,9 mm und in Taikyü 0,0 mm.
9. August.
Alle Stationen zeigen das Maximum der durchschnittlichen Monatstemperatur. In 71,9% aller betrachteten
einzelnen Jahresreihen war dieser Monat der heißeste. Dasselbe gilt für die mittleren täglichen Temperaturmaximal
werte, nur ist die Prozentzahl etwas geringer (68,7%). Zwei Drittel aller Stationen verzeichnen die absolut
höchsten Monatstemperaturen der Jahre 1914 bis 1933 im August. Im allgemeinen sind alle August-Temperatur-
werte wenig unterschiedlich gegenüber den Juliwerten. Ebenso sind die hohen sommerlichen Niederschläge dieses
Monats auch nur um wenige mm geringer als im Vormonat. 27,3% aller Jahresreihen zeigen in der Jahres
niederschlagskurve das Maximum im August.
Die Karten des durchschnittlichen Luftdrucks lehren, daß das pazifische Maximum dieselbe Lage wie im
Juli hat und daß seine Bedeutung dieselbe geblieben ist. Dasselbe gilt vom Festlandstief.
Nur in einer Hinsicht unterscheidet sich der August vom Juli. Die Taifunhäufigkeit ist beträchtlich größer.
Die Durchschnittszahl des August beträgt 6,4 Tage, d. h. mindestens ein Taifun sucht in diesem Monat Korea heim
und beeinflußt etwa 4 bis 5 Tage dessen Wettergestaltung. Ein Tag bringt meist nur die Unwetterkatastrophen, aber
es dauert 4 bis 5 Tage, bevor sich die normale Sommermonsun-Wetterlage wieder eingestellt hat. Tage mit maxi
maler Monatswindstärke oder maximalem Monatsniederschlagsbetrag sind jetzt fast ausnahmslos Taifuntage. Am
3. August 1933 z. B. liegt der Kern eines Taifuns der Zugstraße b über Quelpart. Die dort herrschende Kata
strophe sei durch folgende Zahlenangabe angedeutet: in Saisyü wurde ein Sturm aus NNE-Richtung der Stärke
36,1 m/Sek. gemessen, in 8 Stunden stürzten 122,0 mm Regen nieder, der gesamte Tagesbetrag war 162,2 mm.
Weitere Zahlenar.gaben für die in kurzer Zeit fallenden ungeheuren Wassermassen bei höchsten Sturm
geschwindigkeiten einer Txj-Wetterlage im August sind folgende:
Saisyü
. . . 281,7 mm
Niederschlag; SE-Sturm mit 30,9 m/Sek.
am
4. 8. 1927
Moppo
. . . 155,1 „
55
NNW-Sturm „ 24,5 „
17. 8. 1928
Husan .
. . . 138,9 „
5?
SSE-Sturm „ 15,3 „
îî
16. 8. 1930
Zensyü
. . . 112,5 „
55
SE-Sturm „ 9,9 „
55
4. 8.1932
Taikyü
. . . 105,9 „
55
SSE-Sturm „ 14,1 „
55
9. 8. 1927
Folgende knappe Beschreibung eines ostasiatischen Taifuns ist dem Buch von W. J. Milham (Lit. Nr. 28, 53)
entnommen und übersetzt: ,,Die ersten Anzeichen für die Annäherung des Sturmes finden wir im Verhalten des
Meeres und des Himmels. Der Himmel ist mit einem dünnen Zirrusschleier bedeckt; von diesem rührt der fahle
rötliche Sonnenuntergang und die Höfe oder Ringe um die Sonne bzw. um den Mond. Die Luft ist schwül, drückend
und mit Feuchtigkeit überladen. Das Barometer steigt auffallend hoch oder beharrt lange Zeit in seiner Lage,
besonders wenn das regelmäßige tägliche Sinken erwartet wird. Auf dem Wasser tritt völlige Windstille ein. Doch
bald beginnt das Barometer zu fallen. Eine Brise springt auf, aber die Luft bleibt immer noch schwül und
drückend. Der Zirrusschleier bildet sich zu richtigen Zirruswolken aus, die sich in der Regel in Bändern über
den Himmel ziehen und sich allgemein in Zirrostratus oder manchmal auch in Zirrokumulus verdichten. Das
Barometer fällt nun rascher, der Wind nimmt an Stärke zu, am Horizont aber ist eine dunkle Wolkenbank wie
ein drohender Schild aufgetaucht. Von jetzt an fällt das Barometer mit zunehmender Schnelligkeit, die blauschwarze
Regenwolke stürzt sich auf uns, der Regen fällt in Strömen, die Luft ist wenig abkühlend. Der Wind ist inzwischen zu
voller Orkanstärke angewachsen und braust mit enormer Geschwindigkeit. Die See ist zu furchtbarem Wüten auf
gepeitscht. Diese Lage mag mehrere Stunden anhalten, bis auf einmal der Wind abflaut, die Wolken sich ein wenig
lichten, die Temperatur steigt, während das Barometer seinen niedrigsten Stand erreicht; das ist die zentrale Kalme,
„das Auge“ des Sturmes. Doch dieses Aussetzen währt nur kurze Zeit, vielleicht 20 bis 30 Minuten. Danach
schlägt der Wind in die entgegengesetzte Richtung um und wächst so urplötzlich wieder zu voller Orkanstärke an,
wie er aufgehört hatte. Der Regen fällt wieder in Strömen, und alles ist wie vor der Kalme, nur daß das Baro
meter sich in steigender Bewegung befindet. Nach mehreren Stunden ist das Ende des Sturmes erreicht, der Wind
legt sich allmählich, der Regen hört auf, die Nimbuswolke lichtet sich und macht Zirren Platz, auch die Tempe
ratur steigt wieder etwas. Eine Zeit lang später verschwindet der Nimbus wie ein schwarzer Schild am Horizont,
die Zirren ziehen ihm nach, der Wind hat sich in eine angenehme Brise verwandelt, und das Barometer seine
regelmäßige Höhe wieder erreicht. Nur aus den angerichteten Verwüstungen und der bedrohlichen Dünung des
Meeres kann man merken, daß ein Sturm vorübergegangen ist.“