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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 59. Band, Nr. 2
6. Mai,
Die mittleren Monatstemperaturen steigen weiter an. Bei vielen Stationen ist die durchschnittliche Nieder
schlagshöhe geringer als im Vormonat April. Die relative Feuchtigkeit und der mittlere Bewölkungsgrad nehmen
bei allen Stationen zu.
Das Maximum im Norden der Mongolei ist derart abgeschwächt (lOjähriges Mittel 764 mm), daß seine
Wirkung auf die Wettergestaltung Koreas fast verschwindet. Umgekehrt kräftigt sich das Maximum des Ozeans mehr
und mehr. Die Isobare von 766 mm erscheint im Süden der Aleüten und die 762-mm-Isobare hat sich so weit nach
Westen verschoben, daß sie am Pazizfikrand Japans liegt und die Riukiu-Inseln umschließt. Dies ist das Zentrum,
welches im Sommer-Monsun-System den stärksten Einfluß haben wird. Das Minimum um das Beringmeer hat auch
seine Bedeutung verloren. Das Festlandstief ist im allgemeinen noch schwach (754 mm durchschnittlicher Druck)
und liegt nördlich des Amur. Infolgedessen kommt es noch nicht zum Sommer-Monsun-System, sondern wie in
den anderen Übergangsmonaten wandern recht häufig Zyklonen auf der Bahn a (durchschnittlich an 10,9 Tagen),
so daß diese Tage völlig Sommercharakter haben. Gelegentlich aber wirkt doch noch wieder das Festlandshoch
(natürlich nur schwach ausgeprägt, meist Mwc2, an durchschnittlich 2,3 Tagen), und Südkorea hat ein der Winter-
Monsunzeit ähnliches Wetter.
In kalten Jahren bildet sich auch wieder ein eigenes Hochdruckgebiet über Korea aus, z. B. vom 25. bis
30. März 1927. In einigen Jahren hat sich das Festlands tief aber schon so weit entwickelt, daß seine Wirkung auf
die Wettergestaltung Koreas maßgebend ist. Im warmen Mai 1928 ziehen in dauernder Folge Zyklonen auf der
Bahn a in den Pazifischen Ozean, am 21. liegt Korea noch einmal unter der Wirkung eines Mwc 2 -Typs, nach
diesem Zeitpunkt aber wird das Festlandstief stabil und der Sommermonsun beginnt. Ähnlich gestaltet sich immer
der Beginn des Sommermonsuns, wenn er auch meist später eintritt. 4,4 Tage fallen im Durchschnitt schon auf
Ms-Wetterlagen.
Im Mai 1928 ist über dem Festland der Luftdruck und der barometrische Gradient derartig gering und der
Bildung und Fortbewegung lokaler Tiefs förderlich, daß 18 Tage der Ta 2 -Wetter läge zugeordnet sind, d. h. in fast
ununterbrochener Folge ziehen Zyklonen etwa vom Baikalsee, dem Amur folgend, in den Pazifischen Ozean.
Herrschen wie im Mai 1929 nur diese sommerähnlichen Wetterlagen oder Sommerlagen vor, so ist der Mai
relativ trocken und warm. Infolge der starken Einstrahlung steigen dann die mittleren Monatstemperaturen um
1 bis 2 Grad über das 20jährige Mittel: Moppo 17,3° (Mittel 16,4), Husan 17,8° (Mittel 16,4), Zensyü 17,2°
(Mittel 16,7), Taikyü 19,4° (Mittel 17,3). Diese Werte sind meist die höchsten Mai-Durchschnittstemperaturen,
die im Laufe der Beobachtungszeit verzeichnet sind. Im allgemeinen liegen die Maitemperaturen eng um den
Mittelwert herum.
Ta 2 - und Ms-Wetterlagen bringen nur geringe Niederschläge, so daß der Maibetrag des Jahres 1929 weit
unter dem Durchschnitt liegt. Saisyü verzeichnete 15,3 mm (Mittelwert 71,3 mm), Moppo 30,1 mm (Mittel
95,2 mm), Husan 53,1 mm (Mittel 135,1), Zensyü 37,4 mm (Mittel 81,5) und Taikyü 48,3 mm (Mittel 75,6).
In feuchten Maimonaten liegen die Werte des Niederschlagsbetrages dann entsprechend weit über den
20jährigen Mittelwerten. So verzeichnete Saisyü 93,7 mm im Mai 1926 (Mittelwert 71,3), Moppo 282,5 mm
(Mittel 95,2), Husan 386,9 mm (Mittel 135,1), Zensyü 135,2 mm (Mittel 81,5) und Taikyü 158,6 mm (Mittel 75,6).
Für diesen mittelwarmen, recht feuchten Maimonat sei die Tabelle der Wetterlagenhäufigkeit angegeben:
Mwc 2 H Ta 2 Tb 2 Tc 2 Td 2 Te 2 Tf 2
32 16 01232
Bei einer der Te 2 -Wetterlagen fielen in Moppo 186,6 mm an einem Tage, davon 161,4 mm im Laufe von
8 Stunden. Dieser Tagesbetrag von 186,6 mm ist gleich der doppelten durchschnittlichen Monatsmenge und gleich
dem öfachen des Monatsbetrages 1929! Vergleicht man die 140,9 mm, die in Husan an einem Te 2 -Tage nieder
stürzten und die 73,3 mm in Taikyü, so sieht man, daß an einem Tage die gesamte Durchschnittsmenge des Monats
erreicht werden kann, oder in Husan sogar das 3fache des gesamten Monatsniederschlages im Jahre 1919!
Über die tägliche Temperaturdifferenz ist nichts zum Vormonat Unterschiedliches zu sagen.
Die in Tabelle VII verzeichneten absoluten Minima der Temperatur sind bei H-Wetterlagen gemessen, die
absoluten Temperatur-Maxima bei den echten Sommer-Monsunwetterlagen oder bei geringer Entfernung einer stark
ausgebildeten Ta 2 -Zyklone.