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Full text: 26, 1898

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1898. 
Weges verschiedentlich der Wind, wie zu erwarten, nordwestlich war, so kam 
er doch am meisten aus dem nordöstlichen Viertel, so dafs das Schiff für einige 
Zeit zu kreuzen genöthigt war. Die oft geringe Stärke des Windes trug mit 
dazu bei, dafs „Beethoven“ erst am 19. November, sieben Tage später, als der 
Parallel von 30° N-Br überschritten worden war, die Rhede von Yokohama er- 
reichte, Dauer der Fahrt von der Linie 30, von 80° O-Lge 63, von New York 
145 Tage. 
Eine ausnahmsweise günstige Gelegenheit auf dem allergröfsten Theile 
seines Weges traf das andere Schiff, der „D. H. Wätjen“, Kapt C. Wicke, das 
die Route östlich von Australien nahm. Dasselbe, ebenfalls ein in Bremen zu 
Hause gehöriges eisernes Vollschiff von 2079 Registertonnen, hatte, von Barry 
zekommen und nach Hiogo bestimmt, am 29. Juni 1897 Lundy Island passirt. 
Es erreichte nach einer Reise von 81 Tagen 80° O-Lg in 42,6° S-Br am 18. Sep- 
tember, einen Tag nach „Beethoven“, Mit frischen Winden aus dem westlichen 
Halbkreise gelangte „D. H. Wätjen“ in nur 14 Tagen nach 140° O-Lg in 
44,7° S-Br und bald darauf nach der Südseite Tasmaniens. Von hier nordost- 
wärts steuernd, wurde es durch ebenso günstigen anhaltenden nordwestlichen 
Wind zu der Route östlich von Norfolk - Insel, Neu - Caledonien und den Neu- 
Hebriden geführt. Nachdem man 30° S-Br in 170,4° O-Ly schon am 14. Oktober 
gekreuzt hatte, erhielt man in 29° S-Br den Südostpassat. Derselbe erwies sich 
zwischen 26° und 13° S-Br als eine recht frische Briese, war aber später flauer 
und neigte nach Nordost, so daß von der gutgemachten Ostlänge wieder zu- 
gesetzt werden mulfste. Die eingehaltenen Schnittpunkte waren: 20° S-Br in 
171,8° O-Lg am 19. Oktober, 10° S-Br in 169,7° O-Lg am 23, Oktober und 0° Breite 
in 166,1° O-Lg am 29. Oktober. Die Dauer der Fahrt von 80° O-Lg bis hier 
war 41 Tage, 8 Tage mehr als die des „Beethoven“ nach 0° Breite in der 
Jilolo-Strafse. 
Nördlich der Linie konnte „D. H. Wätjen“ den bisherigen Verlust an- 
fänglich noch theilweise wieder gutmachen, indem er vuach dem Südostpassat, der 
in 1° N-Br endete, und einiger Windstille, sehon in 6° N-Br den Nordostpassat 
erhielt, der mit befriedigender Stärke auftrat und aus einer so östlichen Richtung 
wehte, dafs er dem raumschots steuernden Schiffe eine gute Fahrgeschwindigkeit 
gab, Es erreichte 10° N-Br in 160,0° O-Lg am 7., 20° N-Br in 148° O-Lg am 
12. und 30° N-Br in 137,0° O-Lg am 18. November. Von 80° O-Lg bis 20° N-Br 
hatte „D, H. Wätjen“ demnach nur drei Tage mehr gebraucht als sein Mitsegler, 
da für ersteres Schiff der Passat aber schon in 27° N-Br aufhörte und weniger 
günstige Winde folgten, wuchs der Unterschied bis 30° N-Br wieder zu fünf 
Tagen an. Am meisten aber wurde „D. H. Wätjen“ durch die widrigen Ver- 
hältnisse auf der letzten Wegestrecke zurückgesetzt. Schon am 20. November 
kam man in die Nähe des Landes, hatte dann aber noch so viel Aufenthalt durch 
hartnäckige nördliche Gegenwinde, dafs man erst 14 Tage später, am 4. Dezember, 
nach Hiogo gelangte. „D. H. Wätjen“ machte die Reise von 0° Breite in 36, 
von 80° Ö-Lg in 77 und von Lundy Island in 158 Tagen. 
Der Unterschied in der Dauer der Reise von 80° O-Lg bezifferte sich 
demnach zu Gunsten der Fahrt durch die östlichen Passagen zu vollen 14 Tagen. 
Wie dargelegt wurde, entstand derselbe vornehmlich auf der allerletzten Strecke. 
Wenn man jedoch bedenkt, daß „D. H. Wätjen“ auf dem Wege rund Australien 
im Uebrigen eine aufsergewöhnlich günstige Gelegenheit antraf, jedenfalls eine 
noch günstigere, als sein Mitsegler hatte, und dennoch bis 10°, 20° und 30° N-Br 
gegen „Beethoven“ zurückblieb, so mul man bis auf Weiteres an der Meinung 
festhalten, dafs, ausgenommen zu Ende der Monsunzeit, der Weg durch die öst- 
lichen Passagen für Reisen nach Japan zur Zeit des Nordostmonsuns in Bezug 
auf Fahrtdauer die durchschnittlich günstigsten Resultate ergeben wird. — 
Das gröfste Vorwiegen — in der untenstehenden Tabelle durch fetten 
Druck der Zahlen hervorgehoben — der nordwestlichen Winde fällt demnach 
überall in den Februar, das der nordöstlichen Winde in den Oktober, nur zwischen 
35° und 30° N-Br, 135° und 140° O-Lg in den April. 
Als mittlere polare Grenze des Nordostpassatgebietes auf 135° O-Lg findet 
man nach den Angaben in den Journalen der Seewarte für Oktober 29°, No- 
gember 28°, Dezember 27°, Januar -25°, Februar 23,5°, März 24° und April 
25° N-Br.
	        
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