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Volltext: 59, 1939

Martin Rodewald: Das Dreimasseneck als zyklogenetischer Ort. 
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Tropikluft, die 516 Dekameter-Linie als Südgrenze der „arktischen“ — nicht in der Westdrift modifizierten — 
Polarluft vorstellen. Zwischen den beiden wäre ein Gefälle von 40 dyn. Dekametern — rund 2 0° C Gefälle 
der troposphärischen Mitteltemperatur. 
Dieser Temperaturgegensatj kommt frontalzonenmäßig und zyklogenetisch zur Auswirkung, wenn ein 
geeignetes Deformationsfeld dafür sorgt, daß die wärmere Südluft und die kältere Nordluft enger anein 
ander geführt werden. Dies ist am 16. Januar zweifellos der Fall. 
Nach den relativen Topographien, die wir uns auf Grund fiktiver Aufstiege — mit Ausnahme von Fargo 
und Billings — für den 16. Januar früh gebildet haben, ergeben sich die in Abbildung 45 eingezeichneten 
Abweichungen vom Normalwert des Monats. Diese nachträglich gebildeten Abweichungen erscheinen 
im ganzen so plausibel, daß die ohne ihre Kenntnis und ohne Kenntnis der normalen Topographien ent 
worfene Karte der relativen und absoluten Topographie vom 16. Januar, 0 bis l h , an keiner Stelle mehr 
geändert wurde. Vielleicht ist der pazifische Westen etwas zu warm angenommen worden, aber dies berührt 
die Gesamtlage kaum. 
Auf Einzelheiten kann hier nicht weiter eingegangen werden, es sei nur erwähnt: Wie schon die Tabelle 
zeigt, sind in dem ganzen Zeitraum die Vereinigten Staaten östlich des Felsengebirges tropospliärisch 
zu kalt (am 14. bis 15. Januar Nashville 5°, Omaha 7 bis 8° Abweichung). Das mittelwestliche Kältegebiet 
vom 14. bis 15. Januar finden wir am 16. in der negativen Abweichung vor der Ostküste wieder (Abb. 45). 
Wie in der Tabelle Fargo und Cheyenne am 15. Januar zeigen, tritt dort an diesem Tage erneut kräftigere 
Abkühlung ein; dieser entspricht in Abbildung 45 das negative Abweieliungsgebiet über der Mitte des 
Kontinents. Beide Gebiete negativer Abweichung sind südlich Kap Hatteras verbunden, da das Huronsee- 
Tief vom 16. Januar nur geringe Warmluftadvektion von Süden mit sich bringt. 
Abbildung 46, Tafel 21, stellt die absolute Topographie der 5 0 0 m b - F 1 ä c h e am 16. Januar, 
0 bis l i; MGZ, dar. Die Bodenisobaren sind (als dünne Linien) gleichfalls wiedergegeben, um den Gegensatz 
zwischen unterem und oberem Ströinungsfeld anschaulich zu machen. Einige Höhenwinde vom Vormittag 
MGZ, allerdings nur für die Höhe von 4300 geometr. m, fügen sich dem Strömungsverlauf recht gut ein 
(K Fiederchen = 10 km/h). 
Über alle Bodendruckgebilde, Hoch und Tief, hinweg geht in der Höhe der mächtige Fluß der West 
winde, nur verläuft er nicht gleichmäßig, sondern in Biegungen, Verstärkungen und Abschwächungen. Eine 
Zone besonders stürmischer Höhenwinde deutet sich im nordöstlichen Golf von 
Mexiko an, dort, wo am Boden der neutrale Punkt des Druckfeldes liegt. Nach Ostnordost hin divergieren 
von hier aus die Isohypsen des Höhendruckes stark; dort liegt das Delta der Golf kiisten-Fron 
talzone, in dem der Luftdruck innerhalb der nächsten 12 Stunden um maximal etwa 17 mb fällt (an der 
markierten Stelle südöstlich Kap Hatteras). 
Das die Zyklogenese anfänglich Auslösende wäre in diesem Falle also der festländische Kaltluftvorstoß 
aus Nordwest nach dem Mexikogolf. Aber indem die frische Kaltluft nun nach Florida vordringt, die Tropik 
luft dagegen über die Bahamas nach Norden und Nordosten —• beides beschleunigt durch das Fallen des 
Luftdrucks nordöstlich Florida! —, greift auch die Tropikluft aktiv in den zyklogenetischen Prozeß ein. 
Dann, spätestens wenn sich das Dreimasseneck gebildet hat, bilden Tropikluft und frische 
Polarluft gemeinsam die Frontalzone, d. h. eine verschärfte Frontalzone. 
Abbildung 47, Tafel 22, das Höhendruckfeld am 16. Januar mittags MGZ darstellend — auf Extra 
polation gemäß der vorigen Karte sich gründend und mittels graphischer Addition gewonnen —, mag einen 
Eindruck von den Verhältnissen bei entstandenem Dreimasseneck geben. Die schärfste Frontalzone 
liegt jetjt zwischen Florida und den Gewässern südöstlich Kap Hatteras; hier herrscht nach der Karte ein 
Höhenorkan von gradientmäßig etwa 250 km/h, der sich östlich von dem eben entstandenen 
Ilatteras-Tief nach Norden bis Osten fächert und schwächer wird. Hier nimmt nun der Druckfall taifunmäßige 
Form an; 12 Stunden später liegt das Orkanzentrum von 975 mb auf dem in Abbildung 47 bei 36° N Br., 
69° W Lg. markierten Punkt. Man sicht, wie genau das Tiefzentrum der Höhenströmung folgt —- nur 
wandert es erstaunlich viel langsamer. Es wandert nämlich bloß mit etwa 40 km/h vom Ort, während 
die dirigierende Höhenströmung etwa 240 km/h, also das Sechsfache beträgt. Selbst wenn die Höhen 
darstellung hier um einiges übertrieben wäre, bliebe die Tatsache bestehen, daß die Höhenwindgeschwindig 
keit ein Vielfaches der Zuggeschwindigkeit des Tiefs ausmacht.
	        
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