24 Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatorinms. — 59. Band. Nr. 10.
500 mb-Fläche von 522 dyn. Dekametern im Südteil der Kaltluft ergeben. Die Differenz von rund 40 Deka
metern in der relativen Höhenlage der 500 mb-Druekfläche von Warmluft und Kaltluft entspricht dem oben
erwähnten Temperaturgegensatz von 20° in der unteren Troposphären hälfte.
Hierzu können wir zwei Belege für die Frontparallelität des Höhenwindes und damit für
die Deltaströmung bringen:
Eine Höhenwindmessung von D. „Hansa“, am 26. November, 19 h MGZ, auf 42.6 c NBr„ 49.8° WLg. am
Südostrande des Neuschottland-Hochs — angestellt, ergab vom Boden bis 300 m Höhe Wind aus NNW von 30
bis 35 km/h, in 2100 bis 2700 m Höhe bereits WSW-Wind von 70 bis 80 km/h, also scharfes Riickdrehen
des Windes mit der Höhe — das in 2100 m Höhe schon beendet erscheint — unter gleichzeitiger starker Ge
schwindigkeitszunahme. Ein Vergleich mit Abbildung 20 (S. 21) läßt erkennen, wie sehr bereits der 2 km-
Höhenwind nördlich der atlantischen Front dem Frontverlauf angeglichen ist.
Nahe dieser selben Front liegt Bermuda (32° 23 N Br., 64 41 W Lg.), von wo eine Höhenwindmessung
vom 27. November, 12 !l MGZ, und eine gleichzeitige Cirrenzugbestimmung zur Verfügung steht (50). Am
Boden herrscht hier SSO-Wind von 32 km/h, in 4 km Flöhe S W - W i n d von 54 km/h, übrigens der stärkste
4 km-Höhenwind des ganzen Monats (Mittel aus 10 Fällen nur 25 km/h). Die Cirren ziehen zum gleichen
Termin aus West. Der Vergleich mit Abbildung 22 zeigt auch hier die Frontparallelität des Höhenwindes,
nur ergibt sie sich hier durch starke Rechtdrehung, wie es der Warmluftzufuhr — im Gegen satj zur Kaltluft
zufuhr oben bei D. „Hansa“ —• entspricht und sich im Frontcharakter ausprägt.
Die Druckwellenbahn an der amerikanischen Ostkiiste vom 25. bis 27. November (Abb. 21) verrät süd
westlichen Höhenwind, der mit dem Vorstoß frischer Kaltluft nach den Südoststaaten weiter riickdrehen
muß. Höhenwind aus SSW bei Kap Halteras, aus WSW bei Bermuda: damit wäre das Divergieren aus der
Florida-Frontalzone heraus gegeben, das mittelbar durch die Frontengabel angezeigt wird.
b) Die Sturmtiefbildung vom 13. bis 14. Januar 1938
Diese Zyklogenese ist bereits an anderer Stelle (51) ausführlich dargestellt und auch im Hinblick auf die
Nautik (meteorologische Navigation) beschrieben worden (52). Es seien aber noch einmal die Luftdruckkarten
vom 13. und 14. Januar 1938, 0 h (l 1 * Land) MGZ, mit der westatlantischen Frontenanordnung gebracht
(Tafel 3 n. 4, Abb. 25 u. 26).
Man sieht in der ersten Abbildung wieder eine starke nordatlantische Zyklone südöstlich Grönland,
deren polare Rückseitenluft auf der Linie Azoren — südlich Bermuda an die Tropikluft grenzt. Im Raume
zwischen Bermuda und der amerikanischen Ostkiiste altert die Polarluft durch antizyklonales Absinken und
Wärmeaufnahme vom Meer. Gegen diese „neutrale Luft“ stößt nun vom amerikanischen Festlande frische
Kaltluft aus Nordwest vor, auf der Rückseite des Tiefs bei den Großen Seen, das wir schon im vorigen Bei
spiel ebenso fanden wie hier das Neuschottland-Hoch und das Texas-Hoch. Die beiden warmen Hochdruck
gebiete, das atlantische Subtropenhoch und das Great Basin-Hoch, sind weniger stark ausgeprägt, doch werden
wir gleich in den Druckwellenbahnen ihre Wirksamkeit erkennen.
Das Dreimasseneck südlich Kap Hatteras bringt in diesem Falle innerhalb kürzester Frist ein Orkantief
von seltenem Ausmaß hervor, da das Druckfallgebiet nicht erst ein Hoch von 1035 mb, sondern nur ein
solches von 1015 mb abzubauen hat. Die am Dreimasseueck entstehende Zyklone vertieft sich im Verlaufe
von 24 Stunden um mehr als 50 mb im Zentrum, von 1008 auf 955 mb. An der Stelle, die das Orkanzentrum
zu Beginn des 14. Januar innehat, beträgt der Luftdruckfall etwa 5 3 mb in 12 Stunden! In dem
riesigen Sturmfeld, das sich in Tagesfrist aus dem Schwachwindbereich zwischen Bermuda und Neuschottland
entwickelt, werden verbreitet Orkanstärken erreicht. Auf der Nordseite des Wirbelzentrums herrscht am
14. Januar früh südlich Sable Island (43 56' N Br., 60 2' W Lg.) ein Druckgefälle, nach dem hier ein 0 r k a n
von mindestens 5 0 m/sec geherrscht haben muß. Der Gradientwind dort errechnet sich zu 110 m/sec
(für geradlinige Isobaren).
Man bemerkt, daß sich auch an der atlantischen Polarfront aus der am 13. Januar früh auf 35° N Br..
45 u WLg. gelegenen Frontalstörung ein Sturmtief nordöstlich der Azoren entwickelt, aber der Vertiefungs
prozeß geht doch an der reinen „Zweimassengrenze“ kaum halb so rasch vor sich wie an dem Dreimasseneck.