Martin Rodewald: Das Dreimasseneck als zyklogenetischer Ort.
ratursprung markiert, hat das Gebiet um Bermuda als Warmfront überschritten; die Kaltfront erreicht die
Bahamas. Die eingeschrumpfte „Mutterzyklone“ von 1020 mb im amerikanischen Seengebiet zeigt in ihrem
Südostsektor noch ein Stück der Front, die zum Dreimasseneck führte, im übrigen aber verwischt wird.
Bezüglich der Lage nach weiteren 12 Stunden vergleiche man die Zirkumpolarkarte im „Täglichen
Wetterbericht“ der Deutschen Seewarte vom 28. November 1938 (Nr. 332). Um diese Zeit hat sich die
Zyklone auf 990 mb im Zentrum vertieft (Halifax an der Südküste Neuschottlands 991 mb Druck — nicht
1025 mb der Wetterberichtstabelle).
Wir wollen statt dessen, mit Abbildung 23 (S. 22), gleich die 24 Stunden nach dem Termin von Abbildung 22
eingetretene Wetterlage geben. Jetjt, am 28. November mittags, liegt das Sturmtief mit einem Zentrum von
975 mb über Neufundland, Bild einer Idealzyklone mit scharf ausgeprägter Warmfront und Kaltfront. (Die
Zyklone über Nordlabrador ist mit der Vortags - Zyklone über der nordwestlichen Hudsonbay identisch.)
Vergleicht man Abbildung 22 und Abbildung 23, so sieht man, was es mit der Widerstandskraft so
„mächtiger Kaltluftblöcke“ auf sich hat, wie ihn das Neufundland-Hoch von 103 5 mb darstellt. 24 Stunden
später ist das starke Kaltlufthoch hier restlos beseitigt und durch das Sturmtief von 975 mb ersetzt worden
— Beispiel dafür, wie wenig „Hindernis-Charakter“ der Kaltluft innewohnt.
W as gehindert wird, ist in unserem Falle nur die übermäßige Vertiefung der Sturmzyklone, denn der
Druckfall hat vorerst auf seiner Bahn ein Hoch von 1035 mb zu vernichten. Unter solchen Umständen ist
i
die Auswirkung der im Druckfallgebiet zutage tretenden Energie natürlich nicht die gleiche. Wie
stark aber dies Druckfallgebiet am 28. November 1938 war, läßt die Abbildung 24 erkennen: Der Druck
fall über Neufundland erreicht den Betrag von etwa 5 0 mb in 12 Stunden!
Zwei Tage später haben Kaltfront und Sturmfeld dieses Tiefs die
Nordsee erreicht; der windige Regenahend, der den milden November
1938 in Hamburg abschloß, wurde also gewissermaßen 4 Tage früher
an der Ostkiiste Floridas vorbereitet. —•
Als Zeichen dafür, daß es für die subtropische Störungsentwick
lung auf den kräftigen Kaltluftvorstoß in die Subtropen allein nicht
ankommt, kann die Gestaltung der westatlantischen Wetterlage nach
dem 28. November 1938 genommen werden (siehe Zirkumpolarkarten
des „Täglichen Wetterberichts“).
Die in Abbildung 23 dargestellte atlantische Lage ähnelt
nämlich an sich sehr der vorhergehenden vom 26. November (Tägl.
Wetterbericht Nr. 330), wo auch die Kaltfront eines Neufund
land-Tiefs Bermuda überschritten hatte, was dann zu der Hatteras-
Neubildung führte. Aber am subtropischen Ende der Kaltfront vom
28. November (Abbildung 23) entwickelt sich in den Folgetagen nicht
abermals eine solche Störung wie am 27. November. Es konnte in
dem Falle an die atlantische Front keine Fremdfront vom Fest
land heranwandern, da sich inzwischen über Nordamerika eine andere Wetterlage ausgebildet hatte (Aus
bleiben neuer Polarluft-Austropfung und Antizyklone östlich vom Felsengebirge; statt dessen Erwärmung
und Stationärwerden des Siidstaaten-Hochs).
Der troposphärische Temperaturgegensat; an der die Hatteräs-Depression vom 27. November erzeugen
der Frontalzone betrug bei Florida schätzungsweise etwa 20°. Über die Temperatur der Tropikluft sind wo
durch einen Schiffs-Temperaturaufstieg unterrichtet, der am 27. November um 10 h MGZ auf 18.4° N Br.,
55.6° W Lg. angestellt wurde (vgl. Tägl. Wetterbericht Nr. 332 vom 28. November 1938). Er ergibt als
absolute Höhenlage der 500 mb-Druckfläclie 579 dyn. Dekameter, als relative Höhe (über 1000 mb) 565 dyn.
Dekameter. Bei gleicher Luftart und gleicher Bodentemperatur (25°) ist dieser Wert etwa auch für die
Tropikluft vor Siidflorida anzunehmen.
In der frischen Kaltluft nördlich Florida geht die bodennahe Temperatur rasch auf 0° zurück, und wenn
man hier — wegen der Bildung von Schrumpfungsinversionen in der Kaltluft — auch nur ein mittleres
Iroposphärisches Vertikalgefälle von 4° auf je 1000 in ansetzt, würde sich eine relative Topographie der
Abb. 24: 12stündigc Luftdruekänderuug
(in mb) am 28. November 1938, 0’ n (l' 1 )
bis 12h (13D MGZ