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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Mariueobservatoriums.
59. Band. Nr. 10.
seliriebene Wirksamkeit von zwei bzw. drei Steuerungszentren aus: des atlantischen Rossbreiten-Hochs, des
Great Basin-Hoclis und des nordkanadischen Tiefs bzw. Höhentiefs. Demi die Zugbahnen der Druckgebilde
(und noch mehr der Drnckfall- und -steiggehiete) spiegeln in der Regel den Verlauf der Höhenströmung.
Der Satj etwa von Scheresehewsky und W ehrle (48, S. 1185): „C’est la topogmphie isobarique en
altitude qui commande les conrants de perturbcitions“, auf die Befunde von Hildebrandsson (1889)
zurückgehend, hat auch in Deutschland weitgehende Erhärtung und Anwendung erfahren, so z. B. durch
Sch er ha g (a. a. 0.) und die Frankfurter Arbeiten (49).
Man ersieht aus der Abbildung, daß das Texas-Hoch aus dem hohen Nordwesten Kanadas herab
gekommen ist, mit dem Tief gekoppelt, das in der gleichen Zeit vom Winnipeg-See südostwärts nach dem
Michigan-See zog. Zwischen dem Tief und dem stationären Great Basin-Idoch stößt die frische (arktische)
Polarluft südostwärts vor. Die Lage ihrer Front vom 25., 26. und 27. November, l h MGZ, ist in Ab
bildung 21 eingezeichnet.
Die Front ist in ihrem westlichen Abschnitt nicht genau festlegbar, da hier die Konvergenz der Boden
strömung verlorengeht. Über dem Golf von Mexiko z. B. läuft am 27. November die frische Kaltluft in die
dort vorhandene ältere Kaltluft ohne erkennbaren Übergang hinein. Die Frontendarstellung in Abbildung 20
enthält also insofern eine "V ereinfachung, als die vermutlich über dem Mexikogolf gelegene verwaschene Luft
massengrenze fortgelassen und die festländische Kaltfront statt dessen an die atlantische Front — zum Drei
massenpunkt — herangezogen wurde.
Nehmen wir aber ruhig an, daß dies Dreimasseneck iin strengen Sinne am 27. November früh noch nicht
hergestellt war, so zeigt doch die in Abbildung 21 gegebene Frontendarstellung um so deutlicher, wie am
27. November über Florida die Frontalzone zwischen echter Tropikluft im Südosten und frischer Polariuft
im Nordwesten ihre schärfste Ausprägung erfährt und wie sich nach Nordosten hin — mit den auseinander
klaffenden Fronten — die Frontalzone zum Delta öffnet. Der Druckfall im Frontalzonendelta wird alsbald
die südliche Warmluft und die westliche Kaltluft aspirieren, damit die Frontalzone weiter verschärfen, damit
wieder den Druckfall verstärken: M. a. W. der zyklogenetische Prozeß kann unter Selbstverstärkung laufen.
Nach Abbildung 20 (S. 21) sollte die südlich Kap Hatteras schon in Gang gekommene Tiefneubildung unter
raschem Energiegewinn Kurs auf die Gewässer südlich Neuschottland nehmen. Abbildung 22 zeigt — mit
der Wetterlage vom 27. November, 12 h bis 13 h MGZ — das Ergebnis 12 Stunden später.
Ab!). 22: Wetterlage am 27. November 1938,
12!' (13b) MGZ
Abb. 23: Wetterlage am 28. November 1938, 12b (13'') MGZ
Ein Tief von 1005 mb liegt auf dem vorgezeichneten Kurs. Südlich Nantueket ist der Luftdruck um
etwa 25 mb maximal in 12 Stunden gefallen. Um das südliche Neuschottland hat allgemein Schneefall bei
stark aufgefrischten Ostwinden, bei Nantueket schon Regensturm aus Nordost ein gesellt. Die Front der
Tropikluft, zwischen Neufundland-Hoch und Azoren-Hoch mit Windsprung von 180° und etwa 10° Tempe-