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Full text: 59, 1939

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums. — 59. Band. Nr. 10. 
Die beiden Paare von Pfeillinien in Abbildung 15 veranschaulichen hiernach den orographisch-thermisch 
bedingten Zug der Höhenströmung am Ostrande Nordamerikas, und man sieht: Der Festlandumriß 
schreibt zwei Gebiete mit divergierender Höhenströmung vor, zwei Deltas von Fron 
talzonen, südlich Kap Hatte ras und südöstlich Neufundland. 
Wenden wir uns dem Meere zu und betrachten wir die Abbildung 16 (S. 17), welche die Isothermen des 
nordatlantischen Oberflächenwassers für den Monat Februar nach G. Schott (42, Tafel IX) angibt, Wir sehen: 
Der Ozean selbst weist im Winter zwei getrennte Gebiete divergierender Isothermen auf, südlich Kap 
Hatteras und südöstlich Neufundland. Da sich diese thermischen Verhältnisse durch Wärme 
übergang und Austausch der freien Atmosphäre mitzuteilen streben, können wir uns — wie in der Abbildung 
geschehen — den Höhenwind (über die Mitteltemperatur der unteren Troposphärenhälfte) wieder abhängig 
von der Wassertemperatur denken und gewinnen den Saty: Die Meerestemperatur Verteilung 
schreibt zwei Gebiete mit divergierender Höhen Strömung vor, zwei Deltas von Fron 
talzonen, südlich Kap Hatteras und südöstlich Neufundland. 
Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis. Wenn der winterliche Festlandsaum zur natürlich-geographischen 
Frontalzonenbildung neigt, so ergibt sich doch durch Küstenverlauf und Meerestemperaturverteilung (Golf 
strom, Labradorstrom) eine Differenzierung. Und zw r ar wird von beiden Seiten gleicherweise 
die Region südlich Kap Hatteras einerseits, die Region südöstlich Neufundland 
anderseits zum Delta solcher Frontalzone prädestiniert. 
Man hat nun gefunden — und jeder im Nordatlantik-Wetterdienst Erfahrene weiß darum —-, daß die 
Gegend östlich bis südöstlich Neufundland und südöstlich Kap Hatteras die beiden Herde der Neu 
bildung b z w. Vertiefung von Zyklonen im westlichen Nordatlantik sind. Am be 
kanntesten dafür ist die Gegend östlich Neufundland, und Scherhag (43, S. 134) hat diesbezüglich schon 
einmal auf das Divergieren auch der Luftisothermen daselbst hingewiesen [vgl. auch (44)]. Weniger bekannt 
ist die Hatteras-Gegend, und es sei deshalb erwähnt, daß M. Coyecque und P h. W e h r 1 é (45) sie schon 
früher — nach Beobachtungen an Bord des Forschungsschiffes Jacques-Cartier — als „zone privilégiée de 
naissance de perturbations atmosphériques“ bezeichnet haben und diese Störungen direkt mit dem Eigen 
namen „die Hatteras“ belegten. 
Natürlich kommen auch sonstwo an der Ostküste Nordamerikas — wie im übrigen Atlantik — Zyklonen 
neubildungen vor, und der Verfasser selbst bat mehrere Fälle von Sturmtiefbildung in der Zone Neuschott- 
land — Siidlabrador dargestellt und zu erklären versucht (46) (47). Aber dies berührt nicht die Tatsache 
der Vorzugsstätten, der Zyklonenheide, und es ist immerhin auffällig, daß diese mit der Anschauung 
„Frontalzone-Delta“ gerade dort zu lokalisieren sind, wo sie tatsächlich liegen. Zwar hat man sich nicht 
vorzustellen, daß die Höhenströmung im Mittel etwa so divergierend aussieht, wie dies die Abbildungen 15 
und 16 zeigen, aber man muß bedenken, daß die thermische Wirkung der Unterlage ein unterbreehungsloser 
Dauervorgang ist. Die „orographisehe“ Wirkung, durch die ganze Mannigfaltigkeit der Wetterlagen gehend, 
kommt den Fällen akzentuierend zugute, die ihr gemäß zu liegen kommen, und dämpft die Fälle, die ihr 
entgegen liegen. So vielleicht könnte man sich das Hervortreten der zwei Zyklonenherde am Ostrande Nord 
amerikas mit erklären. 
Ein anderes Moment liegt in den Besonderheiten der allgemeinen Zirkulation. 
2. Das frontogenetisehe Deformationsfeld südöstlich Kap Hatteras 
Am Schluß des Abschnittes C 1. wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Aufteilung der allgemeinen 
Zirkulation in horizontale „Zirkulationsräder“ von einiger Ortfestigkeit die Existenz beharrlicher Defor 
mationsfelder mit sich bringt und daß hierbei östlich Florida ein frontogenetisches Schrumpfungsfeld resultiert. 
Im Winter ergibt sich nach Bergeron (16, Abb. 6a) (40, Abb.130) etwa das Bild der Abbildung 17 (S.19). 
Zwischen dem maritimen Rossbreitenhoch und dem festländischen Hoch einerseits, dem karibischen und dem 
grönländisch-neufundländischen Tief anderseits befindet sich südöstlich Kap Hatteras ein neutraler Punkt, 
gegen den subtropische Luftmassen von Süden, polare von Norden geführt werden. Die sich ergebende 
Frontalzone Tropikluft-Polarluft verläuft vom Azorenraum nach dem südwestlichen Golf von Mexiko und 
sollte in der Gegend des neutralen Punktes südöstlich Kap Hatteras ihre schärfste Ausprägung erfahren.
	        
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