32
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 59. Band Nr. 9
Demgegenüber gelangt Kuhlbrodt 8 zu der Feststellung, daß „die Periode der Lufttemperatur
in erster Linie von der Wassertemperatur bestimmt wird“. Zwar findet er in den Tageskurven der Luft
temperatur „gewisse Besonderheiten, die offensichtlich zu der von der Wassertemperatur bedingten
Periode zusätzlich hinzutreten“. Nach Kuhlbrodt bewirken „besondere Vorgänge in der Luft, daß
die Amplitude der Lufttemperatur im Mittel etwas größer ausfällt als die durch die Wassertemperatur
bedingte und daß dabei das tägliche Maximum der Lufttemperatur um mehrere Stunden früher eintritt
als bei der Wassertemperatur. Dies kann auf eigene Absorption der Strahlung und die eigene Wärme
ausstrahlung der Luft gegen den Himmel zurückzuführen sein.“ Unter Berücksichtigung der Effekte
des Niederschlages kommt Kuhlbrodt schließlich zu der Auffassung: „Für die die Tagesschwankung
der Lufttemperatur vergrößernde zusätzlidre Wirkung der Strahlungsvorgänge in der Luft selber dürfte
.. . nur noch ein äußerst geringer Spielraum übrig bleiben“.
Während also D e f a n t die tägliche Schwankung der Lufttemperatur über dem Meere als allein
durch den Strahlungsumsatz in den unteren Luftschichten verursacht deutet, mißt Kuhlbrodt den
Strahlungsvorgängen für das Zustandekommen der täglichen Periode der Lufttemperatur in den unteren
Schichten nur eine äußerst geringe Bedeutung bei. Nadi meiner Auffassung spielt jedoch die Strahlung
vor allem vormittags eine größere Rolle, als Kuhlbrodt ihr zuzuweisen geneigt ist. Das soll im
folgenden kurz erläutert werden.
Wir wollen hierbei davon ausgehen, daß im Mittel die Lufttemperatur in einigen Metern Höhe
über dem Meeresspiegel etwa 0,8° kälter ist als die Wassertemperatur. Es sind daher die unter 1. auf
S. 29 gewonnenen Erkenntnisse zugrunde zu legen. Danach herrscht vormittags in allen Schichten mit
Ausnahme der alleruntersten Luftschicht (0—0,5 m) ein abwärts gerichteter Austauschwärmestrom.
Infolgedessen kann die Änderung der Lufttemperatur über dem Meere nicht in erster Linie den Ein
flüssen der Unterlage, sondern muß im wesentlichen Strahlungsvorgängen zugeschrieben werden. Durch
den abwärts gerichteten Wärmetransport wird Wärme von den oberen Luftschichten an die aller
unterste, der Meeresoberfläche unmittelbar aufliegende Luftschicht abgegeben. Die dadurch verursachten
Temperaturänderungen in diesen geringen Flöhen — insonderheit die Verspätung des Temperatur
maximums gegenüber dem der Wassertemperatur — werden jedoch im allgemeinen nicht durch Messung
erfaßt. Gemessen wird vielmehr eine Verfrühung des Temperaturmaximums in einigen Metern See
höhe gegenüber dem in Wasser, die, wie gezeigt, durch die oben erläuterten Austauschvorgänge zu
erklären ist. Die Erscheinungen laufen dabei mit einer gewissen Trägheit ab. Zuerst erfolgt der
strahlungsbedingte, steile Anstieg der Lufttemperatur, bald setzt jedoch die Wärmeabgabe an die aller
untersten Luftschichten auf dem Wege des Austausches ein und verlangsamt die lemperaturzunahme.
Schließlich überwiegt der abwärts gerichtete Wärmetransport über die strahlungsbedingte Temperatur
zunahme. Es tritt daher ein Lufttemperatur a b f a 11 ein, obwohl die Wassertemperatur weiter
ansteigt. Dieser wesentliche und charakteristische Unterschied zwischen den Temperaturgängen
in Wasser und Luft kann nur durch eine stärkere Berücksichtigung der Strahlungseinflüsse, als durch
Kuhlbrodt geschehen, in befriedigender Weise erklärt werden. Zur Veranschaulichung des Dar
gelegten ist in Figur 17 der mittlere tägliche Temperaturgang in Luft und Wasser, wie ihn Kuhl
brodt 8 für die Subtropen abgeleitet hat, dargestellt. Der steile vormittägliche Anstieg der Luft-
Figur 17
Täglicher Tempera
turgang in Luft und
Wasser in den süd
lichen Subtropen
(nach Kuhlbrodt)
temperatur und ihr Abfall trotz weiterhin zunehmender Wassertemperatur tritt deutlich hervor. Vor
mittags ist also die tägliche Periode der Lufttemperatur in der üblichen Meßhöhe über dem Meere gemäß
D e f a n t weitgehend unabhängig vom Gang der Wassertemperatur.
Nachts bzw. bei überwiegender Austrahlung liegen dagegen die Verhältnisse anders. Zwar wirken
auch hier die Ausstrahlung und andere Faktoren (Regenhäufigkeit gemäß Kuhlbrodt). Außerdem