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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 59. Band Nr. 9
Diese Wärmeabgabe der Meeresoberfläche an die alleruntersten Luftschichten und der abwärts
gerichtete Wärmestrom in den unmittelbar darüberliegenden Schichten sind höchstwahrscheinlich für die
auffallende Verzögerung des Temperaturmaximums in 0,5 m gegenüber seinem Eintritt in Wasser
verantwortlich zu machen, wie sie in der Tabelle 3 zum Ausdruck kommt. Wir beobachten somit in diesen
alleruntersten Luftschichten infolge der höheren Wassertemperatur einen Zusammenhang der täglichen
Temperaturgänge in Luft und Unterlage, wie er für Landverhältnisse charakteristisch ist.
Oberhalb von 0,5 m bemerken wir in Figur 14 bei den Vormittagswerten (die durch Regenschauer
gestörten 1145-Uhr-Messungen ausgenommen) einen abwärts gerichteten Wärmestrom ganz im Sinne
unserer vorherigen Erörterungen. Am Nachmittag beginnt zunädrst oberhalb 5 m ein aufwärts gerich
teter Wärmestrom, der, nadidem die Lufttemperatur in 0,5 m Höhe weiter angestiegen ist, ab 1615 Uhr
bereits von der Meeresoberfläche seinen Ausgang nimmt und eine stark zunehmende Tendenz aufweist.
Aus den Austauschwerten und den Gradienten der potentiellen Temperatur sind für den 22.8.1936 die
Wärmeströme (5 in cal/cm 2 min gemäß der Formel
6 = — A c p
dz
berechnet worden. Figur 15 gibt einen Überblick über die Richtung und Stärke der Wärmeströme zu
den einzelnen Tageszeiten. Sie zeigt deutlich, daß der Wärmeaustausch in dem vorliegenden Falle
(Wasser wärmer als Luft) in gewisser Beziehung von dem vorher diskutierten Idealfall abweicht. Ab
gesehen von der dauernd vorhandenen Wärmeabgabe des Wassers an die alleruntersten Luftschichten,
ist auch in den höheren Schichten der abwärts gerichtete Wärmestrom nur vormittags ausgebildet.
Bereits am frühen Nachmittag setzt sich infolge der abnehmenden Einstrahlung der Einfluß des wär
meren Wassers durch und bewirkt einen aufwärts gerichteten Wärmestrom, der naturgemäß nachts seine
größte Stärke erreichen wird. (Maximaler Ausschlag des Leitungsgliedes.) Die Dauer der aufwärts
bzw. abwärts gerichteten Wärmestärke wird also nicht nur wie im Idealfall durch die Strahlungsbedin
gungen, sondern maßgebend durch die Größe des Temperaturuntersdiiedes Wasser—Luft beeinflußt.