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Full text: 59, 1939

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 59. Band Nr. 9 
Ergebnissen von Sverdrup 16 , der bei stabiler Schichtung ebenfalls ein langsameres Ansteigen der 
Austauschwerte mit der Höhe erhielt, als es dem linearen Verlauf entsprechen würde. 
3. Über den Mechanismus des Wärmeaustausches zwischen Wasser und 
Luft und den Zusammenhang zwischen den täglichen T e m p e r a t u r g ä n g e n 
in beiden Medien. 
Nach dieser kurzen Orientierung über die Austauschverhältnisse in den unteren Luftschichten 
über dem Meere wollen wir zur Besprechung des täglichen Temperaturganges zurückkehren. 
Die auf Grund von Erfahrungen über den täglichen Temperaturgang an Land entwickelten An 
schauungen von W. Schmidt über die Natur der täglichen Temperaturschwingung und ihre Auf 
spaltung in zwei Anteile, Strahlungsglied und Leitungsglied, haben sich, wie oben gezeigt, auch bei 
der Deutung der Messungen über dem Meere im großen und ganzen bewährt. Eine quantitative Be 
stätigung der Theorie durch die Erfahrung konnte zwar infolge der nicht ausreichenden Beobachtungen 
bisher nicht in allen Fällen erzielt werden, sondern muß späteren Untersuchungen überlassen bleiben. 
Es erscheint jedoch zweckmäßig und berechtigt, bereits an die bisherigen Ergebnisse Überlegungen über 
den Wärmeaustausch zwischen Wasser und Luft anzuschließen. 
Unter der — wohl berechtigten — Voraussetzung, daß das sogenannte „Strahlungsglied“ auf dem 
Meere das gleiche ist wie über dem Festland in gleicher geographischer Breite, hat sich ergeben, daß das 
Leitungsglied über dem Meere ein gänzlich anderes Verhalten zeigt als über dem Land. Während über 
dem Festland die Phase des Leitungsgliedes in den unteren Schichten mit der des Strahlungsgliedes an 
nähernd gleichgerichtet ist, sind in den unteren Schichten über dem Meer die Phasen der beiden -Anteile 
der Temperaturschwingung nahezu entgegengesetzt. Folgende Beispiele mögen diese Feststellung ver 
deutlichen : 
Paris bei Helgoland 
S L S ä §s 
Boden 242,0° 224,1° 50,0° 224,1° 
120 m 194,7° 224,1° 28,3° 224,1° 
Die Erklärung dieser Erscheinung erfordert ein Eingehen auf die Bedeutung des Leitungsgliedes 
der täglichen Temperaturschwankung. Wir vermögen zunächst rein theoretisch zwei Typen des täglichen 
Wärmeaustausches zwischen den unteren Luftschichten und der Erdoberfläche zu unterscheiden: 
1. Der Umsatz der durch die Sonnenstrahlung zugeführten Wärmemenge an der Erdoberfläche erzeugt 
eine durch Austauschvorgänge in der Luft aufwärts wandernde Leitungswelle. (Entsprechend pflanzt 
sich eine Temperaturwelle abwärts fort, im Erdboden durch eigentliche Wärmeleitung, im Wasser 
ebenfalls durch Austausch.) Tagsüber werden die untersten Luftschichten von der Erdoberfläche 
Wärme empfangen, nachts an sie abgeben. Das Maximum der Leitungswelle in Luft muß in diesem 
Falle gegen Mittag eintreten. 
2. Der Strahlungsumsatz in der Luft selbst läßt eine durch Austauschvorgänge sich fortpflanzende 
Leitungswelle entstehen, die tagsüber eine Wärmeabgabe der unteren Luftschichten an die Erdober 
fläche bewirkt, nachts dagegen einen Wärmeübergang in umgekehrter Richtung zur Folge hait. 
Eine solche Leitungswelle wird ihren Höchstwert in den Nachtstunden annehmen. 
Um die Größenordnung der beiden soeben geschilderten Vorgänge gegeneinander abzuschätzen, 
gehen wir auf das Verhältnis der Wärmeumsätze an verschiedenen Unterlagen ein. Wird der Erdober 
fläche z. B. durch Strahlung Wärme zugeführt, so verteilt sie sich, wie die überschlägliche Berechnung 
der Wärmeumsätze unter Zugrundelegung mittlerer Verhältnisse zeigt, 
auf Luft und Erdboden etwa wie 1 : 2, 
auf Luft und Wasser jedoch wie 1 : 200. 
Daraus ergibt sich, daß der in 1. dargelegte Vorgang im Gegensatz zu den Verhältnissen an Land für 
den täglichen Wärmeaustausch zwischen Luft und Wasser nur von untergeordneter Bedeutung sein 
kann, da fast die gesamte der Meeresoberfläche durch Strahlung zugeführte Wärmemenge dem Meere 
selbst zugute kommt. Es kann daraus geschlossen werden, daß über dem Meere der unter 2. aufgeführte
	        
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