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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 59. Band Nr. 9
luft auf die Nordsee hinaus und bewirkte z. B. in Helgoland in den Nachmittagsstunden einen erheb
lichen Temperaturanstieg (über 7°) in den höheren der durch die Messungen erfaßten Schichten, während
die Temperaturerhöhung am Boden infolge der Einwirkung der im juni noch verhältnismäßig kalten
Meeresoberfläche nur gering war. Die Ergebnisse der Serienmessungen am 9. 6. 37 sind durch Isoplethen
der Temperatur in Figur 11 dargestellt. Die unteren Schichten der Landluft werden also beim Über
strömen der kalten Wasseroberfläche in wenigen Stunden erheblich abgekühlt. Über einen ähnlichen
Fall in der Ostsee hat Scherhag 1 * berichtet. Ferner hat Taylor 19 diesen Vorgang unter Benutzung
aerologischer Messungen an der Küste von Labrador behandelt. "Wir haben hier ein reines Austausch
problem vor uns. Der vorliegende Fall soll daher auf Grund der vorhandenen Messungen kurz unter
sucht werden. Wir gehen wiederum von der Grundgleichung (17) aus und beschränken uns auf hori
zontale Strömungen (w = 0). Dann gilt
(19)
d»
dt
ä d -0-
j- u
dt dx
A d 2 * 1 dA d#
Q dz 2 4>dzdz
Dichteänderungen wollen wir vernachlässigen. Die Landluft möge mit konstanter Geschwindigkeit u in
der x-Richtung auf das Meer hinausströmen. Dann bedeutet
d&
dt
die Temperaturänderung, die die
Luftmasse während des Überströmens erfährt. Durch Integration ergibt sich aus (19) für ein festes
t = t 0 entsprechend dem früheren Verfahren
(20)
A(z) -
d#
dz
d#
dt
dz
d 0
dz
ist wiederum an der Steile z zu nehmen. Für die Auswertung wird das Integral durch die ent
sprechende Summe angenähert. Hierbei wollen wir folgende Meßwerte zugrunde legen.
Wir betrachten einen Warmluftkörper, der das Landgebiet um die Elbemündung um 1300 Uhr
MEZ verläßt. Als repräsentativ für den thermischen Aufbau dieser Luftmasse sind die Hamburger
Messungen anzusehen. Cuxhaven steht am 9. 6. 37 bei um Ost schwankenden Winden unter Seewind
einfluß, die dortigen Messungen sind also nicht zu verwenden. Leider liegt am 9. 6. 37 von Hamburg
kein Mittagsaufstieg vor. Doch lassen sich aus den Morgen- und Abendmessungen desselben Tages
in Verbindung mit den Bodenwerten einigermaßen brauchbare Unterlagen gewinnen. Es wurde mit
einer Bodentemperatur von 24,0° und einem konstanten Gradienten von —0,97100 m in den unteren
200 m gerechnet. Diese Warmluftmasse bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 15km/Std. und
erreicht um 1700 Uhr — also nach 4 Stunden — Helgoland mit einer Bodentemperatur von 16,8° in
Figur 12