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Ulrich Roll: Zur Frage des täglichen Temperaturganges und des Wärmeaustausches
Höhe
vn
200
150
100
SO
Mittlere tägliche
, _ TemperahurschwanHung
Helgoland
45.-23.8 4936
5 - 10. 6 1937
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Figur 4
1.0
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Der in Figur 4 ebenfalls dargestellte vertikale Verlauf der Temperaturschwankung im Juni 1937
ähnelt bis 80 m f löhe der aus den Bordmessungen im August 1936 erhaltenen Kurve. Jedoch ist die
Zunahme stärker, sie beträgt nunmehr etwa 2,2°/100m. Oberhalb von 80 m ist die Schwankungsampli
tude im wesentlichen konstant. Auch dieses Verhalten entspricht qualitativ vollkommen den auf S. 5
angedeuteten Ergebnissen von W. Schmidt. Auffallend ist der verhältnismäßig große absolute
Betrag der Schwankung, der wahrscheinlich durch zufällige Erscheinungen (die Schwankung betrug
an einem Tage 7—9°) verursacht wird. Wenn auch der absolute Betrag der Schwankung in Figur 4, wie
bereits dargelegt, unsicher ist, so kann doch ihr charakteristischer vertikaler Verlauf als reell angesehen
werden.
Die in Figur 4 zum Ausdruck kommenden bezeichnenden Unterschiede in dem vertikalen Verlauf
der täglichen Temperaturschwankung zwischen den Messungen im August 1936 und im Juni 1937 lassen
eine anschauliche Deutung zu, die etwa folgendermaßen formuliert werden kann:
Der aus den Messungen im August 1936 ermittelte vertikale Verlauf wurde in vorwiegend ozea
nischen Luftmassen erhalten (mittlere Windrichtung in Helgoland während dieser Aufstiegsperiode
WzS, mittlere Windgeschwindigkeit 4,6 m/s). Diese turbulente Luftströmung verursacht eine Durch
mischung der Atmosphäre, die infolge der langen Strömungszeit über Meeresgebieten bis in beträcht
liche Höhen hinauf eine maritime Charakteristik der Temperaturschwankung, d. h. in den unteren
etwa 200 m hohen Schichten eine Zunahme der Schwankungsgröße mit der Höhe, aufweist.
Demgegenüber fiel der Zeitraum der Serienaufstiege im Juni 1937 in eine Witterungsperiode, die
vorwiegend unter dem Einfluß kontinentaler Luftmassen stand (mittlere Windrichtung in Helgoland
ESE, mittlere Windgeschwindigkeit 3,0 m/s). Erstens wird nunmehr die tägliche Temperaturschwankung
absolut größer sein als im August 1936, zum anderen aber wird sich der infolge des geringen Küsten
abstandes von Helgoland erst kurze Zeit wirksame maritime Einfluß und die hierfür kennzeichnende
Zunahme der Temperaturschwankung mit der Höhe in den unteren Luftschichten nur über einen ver
hältnismäßig kleinen Höhenbereich, in unserem Falle etwa bis 80 m, erstrecken. Da nunmehr die
Zunahme der Temperaturschwankung auf den Bereich 0—80 m beschränkt ist, geht sie naturgemäß
rascher vor sich als im ersten Falle.