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Full text : 59, 1939

Ulrich  Roll:  Zur  Frage  des  täglichen  Temperaturganges  und  des  Wärmeaustausches

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Die  aus  den  Serienmessungen  vom  6.,  7.  und  10.6.37  errechneten  Mittelwerte  sind  in  Figur  3

dargestellt.  Es  wurden  hierbei  nur  solche  Serien  ausgewählt,  die  auf  benachbarten  Meßstellen  gewonnen
wurden  (vgl.  Figur  1).  Die  Erfahrungen  des  Vorjahres  haben  das  Bild  z.  T.  gewandelt.
Die  auf  dem  Prahm  erhaltenen  Meßwerte  ergeben  einen  glatten  Kurvenzug  und  entsprechen  daher
wohl  den  wahren  Verhältnisssen,  zumal  die  geringe  Größe  des  Prahms  grobe  Fälschungen  durch  Schiffseinfluß ­
  nicht  wahrscheinlich  macht.
Die  Mittelwerte  der  Messungen  auf  „Hecht"  —  sowohl  die  Ballonmessungen  als  auch  die
Aßmannmessungen  —  fallen  bis  60  m  Höhe  mit  den  entsprechenden  Werten  auf  dem  Prahm  innerhalb
der  Fehlergrenzen  zusammen.  Oberhalb  60  m  bestehen  Abweichungen  (bis  5 /io°  C),  die  im  Hinblick
auf  die  verhältnismäßig  geringe  Anzahl  der  Einzelwerte  (9)  wahrscheinlich  zufälliger  Natur  sind.
Die  aus  den  Ballonmessungen  auf  „Bremerhaven“  gewonnenen  Mittelwerte  sind  fast  durchweg
wärmer  als  die  Prahmwerte,  während  die  Aßmann-Messungen  auf  „Bremerhaven“  nahezu  mit  den
Prahm-  und  „Hecht“-Messungen  übereinstimmen.  Dieser  Tatbestand  läßt  sich  unter  Hinweis  auf  die
Lage  der  Meßorte  auf  „Bremerhaven“  erklären.  Aus  Platzmangel  mußten  hier  die  Ballonaufstiege
vom  Achterschiff  aus  vorgenommen  werden,  wo  die  Möglichkeit  der  Temperaturfälschung  durch  Schiffsluft ­
  in  starkem  Maße  gegeben  war.  Demgegenüber  erfolgten  die  Aßmannmessungen  auf  „Bremerhaven“
im  freien  Luftstrom.  Sie  werden  daher  den  wahren  Verhältnissen  näher  kommen  als  die  Ballonmessungen. ­

Diese  Erkenntnisse  über  den  Wert  der  einzelnen  Meßergebnisse  sind  grundlegend  für  unsere
späteren  Überlegungen.

C.  AUSWERTUNG  UND  ERGEBNISSE.
1.  Der  tägliche  T  e  m  p  e  r  a  t  u  r  g  a  n  g  über  dem  Meere.
Zur  Ableitung  des  täglichen  Ganges  eines  Witterungselementes  pflegt  man  gewöhnlich  Stundenmittelwerte ­
  zu  bilden  und  diese  dann  der  harmonischen  Analyse  zu  unterwerfen.  Dieses  Verfahren  ist
in  dem  vorliegenden  Falle  jedoch  nicht  anwendbar,  da
1.  Nachtbeobachtungen  vollständig  fehlen  und
2.  auch  die  Tagbeobachtungen  im  Hinblick  auf  die  häufigen  unperiodischen  Änderungen  in  unseren
Breiten  zu  wenig  zahlreich  und  die  einzelnen  Zeitpunkte  nicht  annähernd  gleichmäßig  belegt  sind.
Wir  sind  also  nicht  in  der  Lage,  den  mittleren  täglichen  Gang  der  Lufttemperatur  in  verschiedenen
Höhen  über  dem  Meere  zu  ermitteln.  Vielmehr  müssen  wir  solche  Einzelfälle  untersuchen,  die  möglichst
unbeeinflußt  von  störenden  Erscheinungen  auftreten.
            
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