Bruno Heß: Zyklonenauflösung an einer Frontalzone.
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Besonders die le^tere Formulierung bringt zum Ausdruck, daß die Entscheidung in erster
Linie von der Erhaltung der Großwetterlage abhängig ist. Dabei ist es nun offensichtlich
nicht angängig, lediglich aus der Existenz des stationären osteuropäischen Hochs auf dessen
weiteren Fortbestand zu schließen. Zwar ist liir die Antizyklone eine gewisse Erhaltungs
tendenz dadurch nahegelegt, daß sie sowohl jahreszeitlich, wie durch die Verteilung von Land
und Meer bedingt ist, somit also monsunartigen Charakter besitzt. Aber auch für das Nord
seetief läßt sich geltend machen, daß das begleitende, einem ungestörten planetarischen Gleich
gewichtszustand entsprechende nord-südliche Dichtegefälle ebenfalls eine gewisse Lebensdauer
nahelegt. Damit läßt sich die prognostische Fragestellung auch dahin verallgemeinern: Wird
sich in dem fraglichen Gebiet die monsunartige oder die planetarische Temperaturverteilung
behaupten?
Wie aber in obigem Abschnitt über die Großwetterlage angeführt wurde, ließen die
aerologischen Messungen aus dem Kerngebiet des Hochs und die zwar nur aus den Rand
gebieten des atlantischen Tiefs vorliegenden Aufstiege bereits seit dem 16. Januar eine zu
nehmende Verschärfung der troposphärischen Temperaturunterschiede erkennen und damit
auf eine Verstärkung der monsunartigen Vertikalzirkulation schließen. Damit war also nicht
nur der Fortbestand, sondern auch die Verstärkung der winterlichen Monsunlage rechtzeitig
zu erkennen.
2. Die Bedeutung der fehlenden Windzunahme mit der Höhe
an der Frontalzone.
Während nach diesen Feststellungen ein weiteres östliches Vordringen der Zyklone als
ausgeschlossen erkannt werden mußte, war auch deren rasche Auflösung an der arktischen
Frontalzone bereits aus den am 18. Januar, früh, vorliegenden Höhenwindmessungen zu
erkennen. So kündigten die Ballonaufstiege aus dem Bereich der Frontalzone, besonders
aber die bis in 15 km Höhe reichende Messung von Warnemünde, einheitlich eine mit der
Höhe abnehmende Ostströmung und in großer Höhe dann das Einsehen einer Westdrift an.
Die zyklolytische Wirkung einer solchen, durch eine Abnahme des Gradientwindes mit der
Höhe gekennzeichneten Frontalzone, wurde aber bereits im diagnostischen Teil dieser Arbeit
allgemein hergeleitet.
Damit ist also gezeigt, daß aus den vom 8-Uhr-Termin des 18. Januar vorliegenden
aerologischen Messungen die rasche Auffüllung der Zyklone prognostisch zu erkennen war.
3. Die stabilisierende Wirkung der Strömungsunterschiede
zwischen Unter- und Oberströmung.
Wie im diagnostischen Teil weiter dargelegt wurde, belegten die mitteleuropäischen
Aufstiege vom 18. Januar, morgens, eindeutig einen Übergang von einer monsunartigen
Temperaturverteilung in der unteren Troposphäre zu einer planetarischen in der mittleren