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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Schwafsmann;, A.: Der Stereocompaärator. 
einander zeichnet (Fig. 1), dafs ihr centraler Abstand gleich dem Augenabstand 
ist, So aber, dafß in dem rechts gelegenen Kreise das Kreuzchen etwas links von 
der Mitte steht und umgekehrt im linken Kreise etwas nach rechts verschoben 
liegt. Betrachtet man diese beiden Bilder so, dafs jedes Auge nur eins der- 
selben sehen kann, so wird die Verschmelzung der Bilder im Gehirn den Ein- 
druck hervorrufen, es sei nur ein Kreis vorhanden, und vor. demselben liege 
349 
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Da 
Fig.1 
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A 
das Kreuzchen. Je näher aneinander man die Kreuzchen zeichnet, desto näher 
scheint es dem Auge zu liegen. Damit ist das Wesen des stereoskopischen 
Sehens erklärt und zugleich auch die dadurch ermöglichte Mefsmethode an die 
Hand gegeben. Die Distanz der Kreuzchen ist nämlich direkt ein Mafs für die 
Entfernung. ; 
Wie einfach sich das Messungsprincip gestaltet, geht auch aus dem fol- 
genden sinnreichen Versuch des Herrn Dr. Pulfrich hervor. Er nahm zwei 
der Länge nach nebeneinander gelegte, fest miteinander verbundene Metallrohre 
von etwa 1m Länge und 55 mnın Durchmesser. Vor dem einen 
Endenpaar der Rohre befand sich eine Platte mit einem 2 mm 
breiten horizontalen Schlitz als Einblicköffnung für beide Augen. 
Das andere Endenpaar trug einen Kasten, in. welchen eigens 
hergestellte „Stereoskopbilder“ eingesteckt werden konnten, z. B. 
eine Metallplatte mit zwei kreisförmigen Durchblicköffnungen 
von 40 mm Durchmesser. Aufserhalb des Kastens befand sich 
vor jeder der beiden Rohröffnungen ein vertikal von oben bis 
zur Mitte des Rohres herabhängendes, unten in einer Pfeilspitze 
eandigendes Stäbchen, und zwar war das eine Stäbchen gegen 
das andere durch eine Mikrometerschraube verschiebbar, Durch 
die Oeffnungen der eingesteckten Metallplatte konnte man also 
in die Landschaft hineinblicken, und die Pfeilspitzen erschienen 
dabei in die Gegend hineinprojieirt. Je näher die Pfeilspitzen 
zusammengerückt wurden, desto näher am Beobachter schienen 
dieselben zu liegen, so dafs die ablesbare Verschiebung der Pfeil- 
spitze direkt ein Mafs für ihre scheinbare Entfernung. gab. 
Die beistehende Fig. 2 erläutert diesen Zusammenhang ohne 
Weiteres. 
Es seien 0, und O0, die Augenmittelpunkte des Beob- 
achters, P. ein in einer zu bestimmenden Entfernung E=— 0,P 
anvisirter Punkt. Die Augenaxen werden also durch O,P und 
0,P dargestellt. Die zwei Pfeilspitzen p, und p, seien nun so 
gestellt, dafs sie auf den fernen Punkt P projicirt erscheinen. 
Kennt man den Augenabstand 0,0, = A,, den Markenabstand 
PpıP2 = A, sowie die Rohrlänge O0,p, = e, so ist die gesuchte 
Entfernung direkt bekannt durch die Formel 
Az 
—_ Bei konstantem Augenabstand Ay und konstanter Rohr- 
länge e ist die Entfernung des anvisirten Punktes also direkt 
bestimmt durch die Distanz A der Pfeilspitzen, also ablesbar 
an der Trommel der Mikrometerschraube, mit welcher man 
die. eine Pfeilspitze bewegt. Verkleinert man A, so rückt der 
Punkt P näher; vergröfsert man A, so rückt er in die Ferne, bis er für A==A,, 
also für parallele Augenaxen, im Unendlichen zu liegen scheint (in der Figur
	        
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