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Full text: 59, 1939

Ludwig Sclinebel: Beitrag zur Zyklogenese. 
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Besondere Bedeutung kommt der Aufklarzone mit weitverbreiteter, völliger Wolkenlosig- 
keit zu, wie wir sie z. B. am 26. Januar um 8 Uhr südwestlich des zyklonalen Kernes fest 
stellen. Bei ihr handelt es sich um ein Aufheiterungsgebiet, welches bei allen Rand 
zyklonen angetroffen wird, sofern diese nicht bereits okkludieren oder lediglich Ge 
wittertröge clarstellen. In Zugrichtung der Teilstörung gesehen, liegt es in der Divergenz der 
Bodeninsobaren, mit welcher meist eine starke Strömungsdivergenz vor allem in cler unteren 
Troposphäre und damit Abgleiten der Luftmassen verbunden ist. Höchstens Einflüsse der 
Orographie können diese Verhältnisse verändern und müssen daher berücksichtigt werden. 
Die behandelten Wetterlagen stellen zwei Fälle „schwacher Zyklogenese“ dar. Gerade 
weil es nicht zu einer lebhafteren Entwicklung kommt, schien eine Untersuchung lohnend, um 
die Ursachen ihrer „vorzeitigen Auflösung“ kennenzulernen. 
Als Erfahrungstatsache ist bekannt, daß ein lebensfähiges Drucksystem jeweils einen ganz 
charakteristischen thermodynamischen Aufbau besitzt. Geht dieser verloren, dann hat das 
Druckgebilde den Höhepunkt seiner Entwicklung überschritten. So gilt für eine Zyklone, daß 
sie einen insgesamt kühleren Luftkörper besitzt als die Antizyklone, daß in ihr die aufwärts 
gerichteten Bewegungen überwiegen, die größten vertikalen und horizontalen Temperatur 
gradienten herrschen, die Inversionen in der freien Atmosphäre selten sind und die ver 
schiedenen Arten der Feuchtlabilität zu ihrer eigentlichen Geltung kommt. 
Für die thermodynamische Betrachtungsweise bietet der Sandströmsche Zirku 
lationssatz die einfachste und wichtigste Stütze: Zur Ermöglichung einer Zirkulation muß 
die Erwärmung unter hohem, die Abkühlung unter tiefem Druck erfolgen. In der Atmosphäre 
findet die Erwärmung am Boden, die Abkühlung in der Höhe statt. Die Tiefdruckgebiete sind 
Gegenden, in welchen der größte vertikale Wärmetransport zugunsten der hohen Troposphäre 
vor sich geht. Ermöglicht wird dies durch die Kondensationsvorgänge. Nicht allein die 
aktuelle Temperatur und die bestehende Vertikalbewegung, sondern in starkem Maße auch 
die Feuchtigkeit von Luftmassen ist für den Grad der Zirkulation, für die Lebhaftigkeit der 
Wettererscheinungen ausschlaggebend. 
Zwischen Azorenhoch und Islandtief ist die „Hauptstörung“ der Winterlage entstanden. 
Sie findet die für eine günstige Entwicklung „normalen“ Bedingungen vor. Diese werden 
aber rasch ungünstiger, je mehr sie sich nach dem Kontinent verlagert. Denn im Winter wirkt 
das Festland in verstärktem Maße zyklolytisch: erstens sorgen die Strahlungsvorgänge dafür, 
daß aufwärts gerichtete Bewegungen unterbunden werden, zweitens fehlt über dem Kontinent 
die Wasserdampfzufuhr vom Untergrund her. Dadurch kommt die für Zyklogenese so wich 
tige „bedingte“ Feuchtlabilität in Wegfall. Die Zyklogenese ist daher nur noch durch die 
Änderung des Druck-Dichte-Solenoidalfeldes infolge der Druckänderungen gegeben, deren 
Wetterwirksamkeit beim Fehlen der Feuchtemengen jedoch nicht besonders groß ist. 
Der betrachteten Zyklone vom 25. bis 27. Januar 1957 stehen anfangs Luftmassen zur Ver 
fügung, wie wir sie bei jeder gut entwickelten Zyklone vorfinden. Dann werden jedoch mit 
dem Weiterrücken des Höhenkerns nach NE mehr und mehr trockene Kaltluftmassen in die 
bestehende zyklonale Zirkulation einbezogen. Diese Kaltluftmassen entstammen dem Ruß 
landhoch, sind in starkem Absinken begriffen, tragen zu einer Verstärkung der Zyklogenese 
daher nicht bei. Die aus Osten heranstürmenden Kaltluftmassen stellen eine „Kältequelle 
unter hohem Druck“ dar, welche der bestehenden zyklonalen Zirkulation entgegenwirken. 
Letztere wird immer mehr vom Boden abgehoben und ist unter dauernder Abschwächung 
gegen Ende nur noch in der Höhe vorhanden, wo der zyklonale Höhenkern vollkommen über 
der kalten Ostheft liegt. In dieser anormalen thermischen und dynamischen Anordnung der 
Zyklone liegt deren vorzeitige Auflösung begründet, gleichzeitig auch die Zerstörung des 
Rußlandhochs. 
Eine genetisch vollkommen andere Lage stellt die untersuchte Sommer-Zyklone dar. Sie 
ist nicht als Randstörung entstanden, sondern gliedert sich, nachdem sie den Höhepunkt ihrer
	        
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