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Ludwig Schnebel: Beitrag zur Zyklogenese.
II. Juni-Zyklone.
a) Pulsation der Druckänderungsgebiete.
Der fast nur troposphärische Druckgang bei der Wetterlage лот 6. bis 9. Juni 1937 läßt
die tägliche Doppeloszillation des Druckes weit besser verfolgen als die Winterlage. An allen
Tagen überlagert sie sich der schwachgradientigen Druckanordnung ganz eindeutig. Die
Druckänderungskarten zeigen um 8 Uhr und 19 Uhr einen etwaigen Druckfall, der einige
Stunden zuvor beobachtet cvurde, nicht mehr so kräftig entwickelt, oder, cvenn er nur sckwadi
cvar, sogar überkompensiert. Das Entgegengesetzte gilt für ein etcva vorhandenes Steiggebiet,
welches um 2 Uhr und 14 Uhr bedeutend schlechter entwickelt ist als cvenige Stunden zuvor.
Sowohl das Druckfallgebiet, welches zunächst unsere Zyklone entstehen läßt und sie
dann begleitet, als auch der in gleicher Zugriditung wandernde Druckanstieg lassen die be
schriebene Verstärkung, Absdnvächung und Überkompensation erkennen. Daß sogar eine
Überkompensation durch die an sidi schwache tägliche Doppelwelle eintritt spricht dafür, daß
die Atmosphäre in ihrem gesamten Yertikalaufbau sehr stabil geschichtet ist. Es kommt vor
allem dadurch, daß sehr starke Temperaturamplituden den täglidien Druckgang maßgebend
beeinflussen. Dies traf bei der Januar-Zyklone nur für den südlichen Teil zu, dort, wo sie
hauptsädilich dynamisch bedingt ist.
b) Stabilität, Wolkenform und Niederschlag.
Die betrachtete zyklonale Störung vom Juni 1937 entwickelt sich in einer Luftmassen
anordnung, die in ihrem vertikalen Aufbau durch den mehrtägigen Einfluß eines über dem
Festland gelegenen Hochdruckgebietes bestimmt ist. Bei den niedrigen Feuchtewerten kommt
es daher trotz bedeutender Einstrahlung kaum zur Wolkenbildung. Erst nachdem die Abgleit
inversion durch Ercvärmung der untersten Luftmassen beseitigt und infolge der damit ver
bundenen Labilisierung den kühlen, im Westen anstehenden Luftmassen die Wanderung in
das Innere des Kontinents ermöglicht wird, tritt eine Änderung des Wolkenbildes ein.
Am 6. Juni beobachten wir über Westeuropa überwiegend Cu-Bewölkung. Daneben
sehen wir häufig Castellatus- und Lenticularisformen, die das Gegenspiel zwischen auf
kommender Labilisierung und dem Abgleitmechanismus des vorhandenen Hochdruckgebietes
vor Augen führen. Die starke Zunahme der Cirren in den Mittagsstunden, welche wir vor
allem in Südfrankreich feststellen, rührt dort im wesentlichen von Cuni her, deren Eisschirme
sidi weithin ausdehnen. Denn hier im Einzugsgebiet der kühlen Meeresluft kommt es zum
erstenmal zur GeAvitter- und Schauertätigkeit.
Trotz der minimalen Stabilitätswerte in dem Bereich des im Boclendruckfeld ausgeprägten
Tiefs herrscht dort am Morgen des 7. Juni die für Abgleitvorgänge charakteristische Lenti-
cularis-Bewölkung vor. Aber auch Türmchenwolken sind schon vorhanden. Hochreichende
Cumuluscvolken erfüllen vor allem gegen Mittag und am Nachmittag den west- und südwest
europäischen Raum. Gleichzeitig treten über dem ganzen nordwesteuropäischen Kontinent in
großer Zahl Gewitter, teilweise auch nur Schauer auf. Ihr Einfluß auf das Isallobarenfeld
macht sich verschiedentlich durch einen geringen, lokal begrenzten Druckanstieg bemerkbar.
Gegen Abend rückt das offene Niederschlagsgebiet langsam in die nur noch als Isobaren
ausbuchtung erkenntliche zyklonale Störung hinein, deren östlicher Teil jedoch noch wolken
los bleibt.
Im Laufe des 8. Juni fallen die Niederschläge über Deutschland in feuchter, rückseiten
artiger Kaltluft, infolge der verschiedenen Kondensationsvorgänge, in welche diese bereits
am Vortag über Frankreich einbezogen worden war. sind die Regenfälle im Innern des
Kontinents nicht mehr häufig und ergiebig. Sie treten hauptsächlich im Gebiet maximaler
Labilität auf und madien dessen Verlagerung nach Nordosten mit.