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Full text: 59, 1939

Ludwig Schnebel: Beitrag zur Zyklogenese. 
17 
27. Januar vormittags: 
Kjeller — Hamburg — Frankfurt —Lyon. 
Dieser Schnitt gibt Aufschluß über den Aufbau der unteren Troposphäre in meridionaler 
Richtung, quer durch den Zyklonenkern. 
Aus dem skandinavischen Kältehoch mit dem Transport feuchtkalter Nordluftmassen über 
Kjeller, kommen wir bei Hamburg in den Bereich der kalten Ostluft in der Bodenschicht, 
darüber in abgekühlte Westluft (allerdings jetzt aus Osten herangeführt). Über Frankfurt 
wirkt in stärkstem Maße die niedertroposphärische Divergenz erwärmend und inversions 
bildend. Die französische Station wird ganz von warmer Meeresluft überströmt, die genetisch 
bereits der Nachstörung als „Vorderseite“ angehört. 
II. Die Zyklone vom 6. bis 9. Juni 1937.*) 
a) Großwetterlage und Hauptzyklone. 
Während des betrachteten Zeitraums baut sich über Osteuropa ein warmes Hochdruck 
gebiet auf, welches am 8. Juni den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht. Sein Einfluß auf 
das Wetter Europas reicht weit nach Westen, wo es zeitweise noch für Frankreich bestimmend 
bleibt. Im Süden steht diese Antizyklone in Zusammenhang mit einem Höhenhoch über dem 
Mittelmeer, das sich seinerseits dem Azorenhoch angliedert. 
Zwischen Grönland und Europa lagert die ganze Zeit über ein sehr flaches Tiefdruck 
gebiet. Wenn es auch nur schwach entwickelt ist, trägt es doch wesentlich zur Wettergestaltung 
über West- und Mitteleuropa bei. In der langsamen Strömung, die zwischen ihm und dem 
Azorenhoch besteht, finden nämlich feuchte Luftmassen den Weg nach dem Festland und 
werden neben der Einstrahlung für die dort einsetzende Gewittertätigkeit ausschlaggebend. 
In diesem Druckfeld mit seinen außerordentlich geringen Gradienten entstehen über 
Frankreich im Laufe des 6. Juni mehrere Hitzetiefs. Von ihnen bleibt nur eines bis zum 
nächsten Tag erhalten. Wir finden es morgens mit dem Zentrum etwa über Köln. Seine räum 
liche Ausdehnung ist nicht sehr groß., wenn sie auch tagsüber etwas zunimmt. Am Nachmittag 
verbindet es sich mit dem Isobarensystem der Islandzyklone, mit der es ursprünglich in 
keinerlei genetischem Zusammenhang stand. Als scheinbare Randzyklone wandert unsere 
Störung von jetzt ab langsam nordostwärts. Ihr Zentrum erreicht am Morgen des 8. Juni Däne 
mark. In den Mittagsstunden erfährt sie nochmals eine unbedeutende Vertiefung, um dann 
rasch abzuklingen. In der Frühe des 9. Juni macht sie sich nur noch in einer geringen Isobaren 
ausbuchtung über Südsehweden und der Ostsee kenntlich. 
Daß es sich hier nicht um eine eigentliche „dynamische“ Zyklone handelt, geht schon 
daraus hervor, daß ein kohärentes Isallobarengebilde, wie es jede gut entwickelte Zyklone 
immer aufweist, anfangs gar nicht vorhanden ist. Erst ganz allmählich entwickelt es sich, 
bleibt aber so schwach, daß zum Beispiel das Drucksteiggebiet am Mittag des 7. Juni von der 
täglichen Doppelwelle fast vollkommen überkompensiert wird. Mit dem Nachrücken der Meeres 
luft verstärkt sich der Druckanstieg über dem Nordwesten des Kontinents etwas, unterliegt 
aber auch weiterhin sehr stark den täglichen oszillatorischen Schwankungen. Insgesamt sind 
also die Druckänderungen vorwiegend troposphärisdi, und es tritt bei dieser sommerlichen 
Wetterlage zwar eine zyklonale Störung auf, die aber nur schwach zur Entwicklung kommt 
und gewissermaßen „vorzeitig“ abklingt. 
4 ) Vgl. Karte 25 bis 55 am Schluß der Abhandlung: Tafel 5—8.
	        
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