Ludwig Schnebel: Beitrag zur Zyklogenese.
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2. Kjeller — Hamburg — F rankfurt —-Nancy — Avignon.
Der N-S-Schnitt, welcher dem Zyklonenkern bei Köln am nächsten kommt, zeigt keinen
gleichmäßigen Übergang der Temperaturen von einem Ort zum andern.
Die nördlichste der Stationen läßt deutlich den Einfluß des Meeres auf die kalte Luft
erkennen. Oberhalb der bei 900 mb einsetzenden Inversion zeigt der Luftkörper einen ähn
lichen Aufbau wie über Königsberg. Hamburg zeigt zwischen 940 und 830 mb eine Inversion
von rund 12° C. Darin findet der Übergang von Kontinentalluft zu warmer Meeresluft, die
weit um den Tiefdruckkern herumgeholt wird, statt. Die Aufgleitvorgänge, die dort seit den
Morgenstunden anhalten, sind nicht sehr kräftig. Wir befinden uns an der nordöstlichen
Begrenzungszone des Niederschlagsgebietes. Die Temperaturwerte der freien Atmosphäre
sind daher höher als bei Köln oder gar Frankfurt, wo lebhafte Yertikalbewegungen für eine
Verstärkung der Gradienten sorgen. Frankfurt hat in Bodennähe noch die kontinentale, Köln
dagegen bereits maritime Luft über sich.
3. Mildenhall — Köln — F rankfurt — München.
Auf der SW-Seite der Zyklone verläuft der Schnitt etwa von NW nach SE und führt mitten
durch das zugehörige Drucksteiggebiet. Die Abweichungen voneinander sind gering. Ober
halb 800 mb zeigt Aldergrove die höchsten Temperaturen, dann Mildenhall. Am kühlsten ist
Frankfurt, wo die aufwärts gerichteten Bewegungen am längsten anhielten, ferner auch Köln,
wo aber einige Zeit vor dem Aufstieg die Heftigkeit der Vertikalbewegung schon nachgelassen
hat und sich ein Abgleiten durchzusetzen beginnt. Bei München ist der Einfluß des Alpen
föhns wirksam.
Die hohen Temperaturen bei Aldergrove rühren daher, daß dort die über den Ort hinweg
strömenden Luftmassen aus südlicheren Gegenden herangeführt werden, als die über den