Reiseberichte S. M. S. „Sophie“.
Untiefen frei zu kommen, und um gegen die hier sehr wechselnde Strömung sich
sicherzustellen,
Das Feuer von Kap Three Points, dessen Thurm nach See hin ganz frei
steht, wurde bei dem ersten Passiren fortwährend deutlich gesehen; das Wetter
war ziemlich klar. Auf der Rückreise kam das Feuer in Sicht, beim Näher-
kommen verschwand es jedoch plötzlich und kam erst nach ca '!/2 Stunde wieder
in Sicht, zugleich auch in der Nähe ein von Nord kommender Dampfer, Diese
Erscheinung spricht dafür, dafs die Feuer durch plötzlich an der Küste auf-
steigende Dunstmassen unsichtig werden.
Der Strom wurde bei diesem ersten Passiren zu ca 0,5 Sm, auf der
Rückreise zu 0,7 Sm nach NE gemessen.
Von Prince bis vor Elmina bietet die Küste wieder keinerlei Anhalt zur
sicheren Ortsbestimmung; erst die Spitze Eimina und später Kap Coast Castle sind
wieder unverkennbar gute Anhaltspunkte. Die Küste selbst bietet in 1—1,5 Sm
Abstand, bei gutem Gebrauch des Handloths, keinerlei Gefahr. Auf dem sehr
gut sichtbaren Leuchtthurm von Coast Castle (Lchtf,-Verz., 1880, VI: 312)
befindet sich eine Signalstation, welche bis jetzt noch keine Aufnahme ge-
funden hat.
Wie schon Eingangs gesagt, ist die Küste von Three Points bis Accra
(Akrah) immer noch der mit guten Landmarken versehene bessere Theil, und
sind die einzelnen Orte Eimina, Apam, Winnebah nach den von S.M.S. „Elisabeth“
aufgenommenen Vertonungen leicht zu erkennen gewesen; ganz anders stellt
sich dieses an dem folgenden Theil der Küste. Von Bagdad und Baybeach bis
Lagos ist die Küste meistens flach und ohne besondere Merkmale; kommt man
von See und hat nicht noch kurz vorher ein gutes observirtes Besteck bekommen,
80 kann man sich mit Hülfe der vorhandenen alten Vertonungen durchaus nicht
zurecht finden, andererseits enthalten die Karten auch geradezu unrichtige An-
gaben in Bezug auf die Lage der Orte und den Verlauf des Küstenstrichs;
bei Great Popo z. B. wurde der Ankerplatz des Schiffes durch Kreuzpeilung
Great Popo— Abanaque Beach ixmmer als auf dem Strande. liegend gefunden,
während das Schiff sich thatsächlich 1,2 Sm von dem gefundenen Punkte befand.
Hierher gehört auch die unrichtig angegebene Lage des Lagunendurchbruchs
östlich von Great Popo (Brit. Adm. Karte 1860 — VI: 128); derselbe ist 2 Sm
Ost von Great Popo angegeben, während er in der That 4,5—5 Sm östlich von
diesem Ort entfernt liegt.
Die Küste zwischen Baybeach und Whydah ist von jeglichen Untiefen frei;
verläfst man Baybeach, so kann man von Ort zu Ort ohne jede Gefahr auf der 16 m-
(9 Fad.-) Linie entlang steuern, es ist dieses für die Navigirung am einfachsten,
da dann keine Verwechselungen der Landobjekte bei der Nähe des Landes statt-
finden können, Die Küste ist überhaupt in dieser Jahreszeit so wenig gefähr-
lich, dafs die Dampfer in Hörweite der Brandung auch während der Nacht
fahren. Wird es während des Tages plötzlich unsichtig, wie während des
hiesigen Aufenthalts häufig beobachtet werden konnte, so ist es am rathsamsten,
zu ankern, da selbst in dieser Nähe die Küste absolut unsichtbar wird; will man
dieses nicht, so mufßs man nach dem Loth gehen resp. von der Küste absteuern,
Der Ankergrund bei Baybeach, Little Popo, Great Popo und Whydah
ist allenthalben ein guter, feiner Sand resp. Sand mit Mud.
In den Segelhandbüchern ist angerathen, nicht die schwersten Anker zu
nehmen, da diese durch Einsinken beim Lichten zu viel Arbeit verursachen; die
diesseits gemachten Erfahrungen bestätigen dies jedoch nicht, vielleicht wegen
der Kürze des Aufenthalts. Die event. verursachte Arbeitsyermehrung beim
Lichten steht auch keineswegs im Verhältnifs zu dem sicheren Liegen vor einem
schweren Anker. .
In Baybeach, Little- und Great Popo, sowie auch, Whydah, wurde im
allgemeinen kein mefsbarer Strom vor Anker vorgefunden, an den Tagen jedoch,
wo der Harmattan stärker wehte, zeigte sich eine westliche Strömung bis zu der
Stärke von 1,2 Sm; das Nähere hierüber enthält die beigefügte Zusammenstellung.
Ein besonders bemerkenswerther Uebelstand machte sich an den vorgenannten
Orten noch bemerkbar, wenn des Nachts die Landbriese einsetzte und die ganzen
Ausdünstungen der Lagunen nach See hinübertrieb; es machte dieses den
Aufenthalt auf dem Oberdeck zu einem höchst unleidlichen.
195