Gert Hendrik Scheepers: Maisanbau und Klima im sogenannten Maisdreieck der Südafrikanischen Union 45
Die auf den Versuchsfeldern gemachten Erfahrungen werden durch die Tabelle, deren Werte sich auf ein
großes Gebiet beziehen, bestätigt. Während der Monate des hauptsächlichen Wachstums ist der Abflußprozent
satz sehr hoch. Es floß in dem Versuchsjahr im November sowie im Januar beinahe die Hälfte des Nieder
schlages ab. Während der ganzen Erntesaison des Maises gingen 38% der Niederschläge durch Abfluß verloren.
5. Andere den Abfluß beeinflussende Faktoren sind der Pflanzenwuchs, welcher die Einsickerung fördert und
damit den Abfluß verringert, ferner die Beschaffenheit des Bodens, dessen Wassergehaltsvermögen und
Durchdringlichkeit je nach seiner Art wechselt. Auch Bodenneigung und Bodengestaltung sind nicht un
wesentlich für den Abfluß.
Verlust durch Einsickerung.
Ein Teil des Regenwassers sickert ein. Dieses Sickerwasser geht für die Pflanzen an jenen Stellen verloren,
wo der Grundwasserspiegel tief liegt, obgleich es an anderer Stelle wieder als Quelle hervorkommen kann.
In der Versuchsstelle der Universität zu Pretoria wurden 1932 Einsickerungsversuche angestellt. Die Ein
sickerung auf dem Maisboden in einer Tiefe von nahezu 1% m wurde durch 5 Lysimeter, mit je einem Durch
messer von 2 m, gemessen 35 .
Während des Erntejahres 1932/33 betrug der Niederschlag von Oktober bis März 283 mm. Eine Einsicke
rung fand mit Rücksicht auf die Trockenheit des Jahres in diesem Zeitbschnitt nicht statt. Während des Ernte
jahres 1933/34 sickerten ca. 10% des Niederschlages, der 796 mm betrug, ein. Die ganze Durchsickerung be
schränkte sich auf die Monate November und Dezember, in denen ein reicher Niederschlag von mehr als 450 mm
fiel. Im Erntejahr 1934/35 waren gleichfalls Verluste durch Einsickerung nicht zu verzeichnen. Eine solche fand
offenbar nur während der kurzen Zeit des starken Regen falls statt.
Für das Maisdreieck im allgemeinen gilt, daß bei gleichmäßiger Verteilung der Niederschläge über das
ganze Erntejahr keine, bei reichen Niederschlägen in kurzen Zeitabständen geringe Sickerungsverluste vorhanden
sind. Bei einem genauen Vergleich von Niederschlags- und Ertragsmenge muß also die Verteilung der Nieder
schläge während des Erntejahres in Betracht gezogen werden, um festzustellen, ob Wasser durch Einsickerung
verloren gegangen sein kann.
Verluste durch Verdunstung.
Die Art der Bodenbearbeitung wie Vorbereitung des Saatbeetes, Düngung, geeignete Aussaatzeit, Furchen
abstand und Furchentiefe, hängt besonders bei den klimatischen Verhältnissen des Maisdreiecks von dem Grad der
Verdunstung ab. Das gleiche gilt für das Betreiben einer Wechselwirtschaft und für die Wahl der Kornsorten.
Die Verluste an Bodenfeuchtigkeit durch Verdunstung schwanken mit den verschiedenen Bodenarten. Sie
können nicht durch Instrumente gemessen und deshalb nicht schnell und genau festgestellt werden, vielmehr ist
man zur Feststellung auf den experimentellen Weg angewiesen. Indes kann auch die natürliche Verdunstung einer
Wasseroberfläche für die Verdunstungsverluste des Bodens als Maßstab herangezogen werden.
Aus den Aufzeichnungen verschiedener Stationen, die die Verdunstung an Wasseroberflächen im Maisdrei
eck und in dessen unmittelbarer Umgebung messen 36 , ist zu ersehen, daß östlich der östlichen Grenze des Mais
dreiecks die jährliche Verdunstung ca. 1300mm beträgt; westwärts bis zur Mitte des Maisgebietes nimmt sie bis
rund 1500 mm zu und steigert sich noch weiter westwärts und südwärts bis ungefähr 1900 mm über die westliche
Grenze hinaus. Nördlich der nördlichen Grenze nimmt die Verdunstung gleichfalls zu. Während des Erntejahres
von Oktober bis März ist gleichfalls eine Zunahme der Verdunstung von Osten nach Westen zu verzeichnen; die
Verdunstung beträgt 800 mm im Osten, ca. 800 bis 900 mm in der östlichen Hälfte des Maisdreiecks, über
900 mm in der westlichen Hälfte und sogar 1400 mm westlich der westlichen Grenze. Auch nordwärts zeigt sich
eine Verdunstungszunahme während des Erntejahres.
Die östlichen Distrikte verzeichnen zwischen 55 und 60% der jährlichen Verdunstung während der sechs
Monate des Erntejahres. Hingegen liegt der Prozentsatz über der westlichen Hälfte zwischen 60 und 65%, nimmt
aber nach Westen weiterhin zu, so daß er jenseits der westlichen Grenze sogar 70% beträgt. In der östlichen
Hälfte des Maisdreiecks ist die Verdunstung also mehr auf das ganze Kalenderjahr verteilt, und infolgedessen
weist die Erntesaison dort verhältnismäßig weniger Verluste auf.
35 Die Messungen sind mir von Herrn W. R. Thompson zur Verfügung gestellt.
86 Meteorologiese Kantoor, Pretoria.