Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee, 363
Aus der Tabelle dürfte im übrigen klar hervorgehen, daß die Gezeitenströme
in ihrem Bestreben, den Sand nordwärts zu verfrachten, am Winde
einen in gleicher Weise wirkenden Bundesgenossen haben.
Ein sehr günstiger Umstand für den Sandtransport nach Norden ist nicht
nur die zweckdienliche Richtung des Ebbestromes, sondern auch vor allen
Dingen die aus obiger Tabelle hervorgehende nicht unbeträchtliche Geschwindig-
keit, die beispielsweise beim Elbfeuerschiff I im Maximum für den Flutstrom 3.2,
für den Ebbestrom 83.8, beim Feuerschiff III 4,5 bzw. 5.5, beim Feuerschiff IV 4.0
bzw. 3.7, beim Feuerschiff V 3.8 bzw. 4.8 beträgt. Nun beziehen sich aber jene
angegebenen Werte nur auf das Oberflächenwasser, Für die Elbe stehen uns
bedauerlicherweise jedoch keine Beobachtungen über Tiefengeschwindigkeiten zur
Verfügung. Bringen wir einmal vergleichsweise die bei dem Leuchtschiff »Genius
Bank« in der Jade gefundenen Verlustwerte, die für den Ebbestrom in der Tiefe
rund 21 °%, für den Flutstrom rund 11 °%, betragen, bei den Berechnungen für
die Elbe in Ansatz und stellen die beim Elbe-Feuerschiff II gefundenen Mittel-
werte, die für den Flutstrom mit 1.53 Sm in der Stunde oder 79 cm in der
Sekunde und für den Ebbestrom mit 2.06 Sm bzw. 106 cm angegeben sind
(1 Sm = 1852 m) in Rechnung, so belaufen sich die Geschwindigkeiten in der
Elbe für die Flutströmung bei 11° % Verlust in der Tiefe auf 70 cm, für die Ebbe-
strömung mit 21%, Einbuße auf 84 cm, Also:
An der Oberfläche:
In der Jade, ....
Elbe...
111 em
”Q
Flut
Ebbe
117 cm
106
Fiut
ı Ebbe
In der Jade. ... 99 cm | 92 cm
» Elbe... | 70 » 84.»
Dieser Vergleich zeigt, wenn er überhaupt zulässig ist, daß das Verhältnis
bei der Elbe ein geradezu umgekehrtes ist: der Differenz von —7 cm in der
Jade steht hier eine von -+ 14 cm gegenüber, Was mag die Ursache dieser Er-
scheinung sein? Ist es der größere Wasserreichtum der Elbe, oder sind andere
komplizierte Verhältnisse maßgebend? Wir müssen die Frage leider offen lassen,
da die Grundbedingungen, die eine Lösung ermöglichen, noch nicht genügend
aufgeklärt sind. Vorbedingungen wären u. a. genaue Messungen an verschiedenen
Stellen und in den verschiedenen Stromphasen und zwar übers ganze Jahr
verteilt.
Wenn wir aber die bei der Genius Bank ermittelten Werte, die im Mittel für
den Flutstrom 2.2, für den Ebbestrom 2.3, im Maximum nur 2.7 bzw. 3.0 betragen,
mit denen der Elbe, die im Mittel auf 1.53 bzw. 2.06, im Maximum aber auf 3.9
bzw. 4.5 berechnet sind, in Parallele stellen, so dürfte obige Untersuchung
wenigstens zu der Annahme berechtigen, daß der Ebbestrom, den wir als den
Transporteur des Sandes in schräg rechtsseitiger Richtung kennen
lernten, in der Elbe wahrscheinlich sehr große Werte in der Tiefe
entfaltet und im Dienste der Sandverfrachtung nordwärts ein nicht
zu unterschätzender Faktor ist. —
Da nun sowohl der Wind, als auch beide Gezeitenströme bezüglich des
Sandtransports in nördlicher Richtung sich zur Seite stehen, so müssen sich
nordwärts der Elbemündung Sedimentansammlungen bemerkbar
machen, was auch die Seekarten bestätigen. Ein Blick auf die Karte genügt,
um uns davon zu überzeugen: eine lange Reihe ausgedehnter, aus Treibsand
bestehender Sandbänke?) breitet sich hier aus:
li. der Große Vogelsand. Er hat sich in den letzten Jahren sehr ver-
flacht;°) bei westlichen bis nördlichen Winden steht auf ihm sehr hohe Brandung,
“ Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 203 bis 205.
Serelhandbuch 1906, I, 3, 8. 190.