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Volltext : 58, 1938

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Dr.  Heinz  Wichmann:  Über  die  Bedeutung  des  Blitjes  im  elektrischen  Mechanismus  des  Gewitters.

Ist  die  Gleichgewichtsstörung  sehr  schnell  und  stark,  so  kann  der  Vorgang  auch  sehr  kompliziert  werden
und  der  Ausgleich  möglicherweise  nach  mehreren  Richtungen,  zugleich  als  Wolken-  und  Erdblitj  erfolgen;  Registrierungen ­
  wie  E.  20  und  E.  30  (Abb.  8)  machen  dies  wahrscheinlichinteressant ­
  in  diesem  Zusammenhang  ist  ebenfalls  die  während  der  Registrierung  eines  Gewitters  oft
gemachte  Beobachtung,  daß  wenige  Sekunden,  bevor  eine  neue  Feldstörung  registriert  wird,  die  Registrierkapillare ­
  unruhig  wird.  Ein  Beispiel  gibt  hier  die  sdion  erwähnte  Registrierung  B.  53  (Abb.  8).  Es  werden
dauernd  Versuche  zu  einer  Aufladung  unternommen,  die  aber  zuerst  erfolglos  bleiben,  bis  sie  endlich,  wenn
auch  nur  langsam,  nach  einer  etwas  stärkeren  Aufladungsschwankung  in  mehreren  Etappen  zustande  kommt.
Die  Hauptentladungen  können  erst  ziemlich  zum  Schluß  einsetjcn  und  das  Gleichgewicht  wiederherstellen.
Dieser  Vorgang  würde  dadurch  zu  erklären  sein,  daß  die  den  störenden  Faktoren  zur  Verfügung  stehenden
Energien  abgenommen  haben,  wie  dies  schon  unter  C  III  erwähnt  wurde.  In  diesem  Fall  kann  das  Gleichgewicht ­
  nicht  mehr  schlagartig  gestört  werden,  und  selbst  eine  größere  Aufladungsschwankung,  wie  der  weitere
Verlauf  der  Registrierung  B.  53  zeigt,  braucht  jetjt  keine  endgültige  Störung  des  Ladungsgleichgewichts  mehr
zur  Folge  zu  haben.
Diese  Darstellung  gibt  meines  Erachtens  eine  brauchbare  Erklärung  für  das  nach  den  bisherigen  Feldmessungen ­
  ziemlich  unmotivierte,  plötjliche  Einsetjen  einer  Blitjentladung,  indem  gezeigt  wird,  daß  der  erste
Ausschlag  mit  dem  eigentlichen  Blitj  noch  gar  nichts  zu  tun  hat  und  möglicherweise  sogar  ohne  Blitj  existieren
kann,  der  Blitj  somit  nicht  eine  Störung  des  Gleichgewichts,  sondern  entgegen  den  bisherigen  Annahmen  der
Hauptfaktor  in  der  Wiederherstellung  desselben  ist.  Der  Blitj  spielt  somit  im  elektrischen  Mechanismus  des
Gewitters  die  Rolle  eines  das  Gleichgewicht  wiederherstellenden  Vorgangs,  indem  er  plötjlich  einsetjende  Aufladungsvorgänge, ­
  deren  Entstehung  noch  nicht  endgültig  geklärt  werden  konnte,  ausgleicht  und  damit  einen
mittleren  Ladungszustand,  das  sogenannte  Ladungsgleichgewicht,  erhält.
Ein  Vergleich  dieser  vom  Verfasser  ausgeführten  Messungen  mit  solchen  durch  Kathodenstrahloszillographen ­
  gleichzeitig  aufgenommen,  unter  langsamer  Vergrößerung  der  Zeitskala,  wird  sicher  weitere  Fortschritte ­
  in  diesen  Fragen  bringen  und  gleichzeitig  die  Lücke  schließen,  die  sich  zwischen  den  Messungen  von
C.  T.  R.  Wilson  [1]  und  den  von  M.  H.  Norinder  [26]  bei  Gewittern  erhaltenen,  nur  sehr  kurze  Zeiträume
umfassenden  frequenzabhängigen  Kathodenstrahloszillogrammen  aufgetan  hat.

Zum  Schluß  bleibt  mir  die  angenehme  Pflicht,  Herrn  Professor  Dr.  P.  Raethjen  (Meteorolog.  Institut,
Hamburg)  für  seine  Anregungen  und  das  meinen  Arbeiten  entgegengebrachte  Interesse  zu  danken.
Desgleichen  spreche  ich  den  Herren  Prof.  Dr.  B.  Walter  (Physikalisches  Staatsinstitut,  Hamburg)  und
Dr.  C.  Kuhlmann  (Technische  Staatslehranstalten,  Hamburg)  für  ihre  wohlwollende  Unterstütjung  meinen
Dank  aus.
            
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