accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 58, 1938

Dr. Heinz Wiclimann ■ Über die Bedeutung des Blitjes im elektrischen Medianismus des Gewitters. 
13 
Aufladung als auch die Entladung betrifft. Während bei fast allen Registrierungen der Aufladungsvorgang 
schlagartig einsegt, erfolgt er gegen Ende des Gewitters oft in mehreren Etappen, wie z. B. bei B. 54; 62. 
Oder aber die stärksten Einzelentladungen kommen erst ziemlich zum Schluß zustande, z. B. B. 55. Des 
gleichen wird die Dauer der Bligausbildung größer und die Verästelung stärker. Die Ausbildung der Blitje, 
die mit den Registrierungen B. 58; 60; 66 im Zusammenhang standen, konnte ohne Schwierigkeit mit dem 
Auge verfolgt werden, besonders was die Verästelung anbetraf. Außerdem waren alle drei rotgelb oder 
sogar rot. Die Ansicht von M. Toepler [10], daß rote Blige länger andauern, kann hierdurch nur bestätigt 
werden, wenngleich sich H. Heinze [9] dagegen ausspricht. Man sieht es an den wenig ausgeprägten Auf- 
ladungs- und Entladungsvorgängen, daß diesen Bligen sozusagen ihr Dasein nicht leicht geworden ist. Ein 
typisches Beispiel dieser Art ist B. 53, bei der 3 sec. vor bis 3 sec. nach dem eigentlichen Blig immer 
wieder Aufladungen einsegen, ohne zur vollen Entwicklung zu kommen. Es mag in diesem Zusammenhang 
erwähnt werden, daß die seltene Erscheinung eines Kugel- oder Perlschnurbliges fast ausschließlich auf das 
Ende des Gewitters beschränkt ist, daß es sich also bei ihnen gewissermaßen auch um Verfallserscheinungen 
handelt. Die genannten roten, sich langsam ausbildenden Blitje, leiten in der Art ihrer Registrierung geradezu 
zu den Wolkenbligen über, so daß sich beinahe die Meinung aufdrängen könnte, Wolkenblige wären aus 
Gründen mangelnder elektrischer Energien oder sonstiger ungünstiger Vorbedingungen nicht fertig gewordene 
Erdblige. Audi sie zeigen allgemein einen langsamen, mehrstufigen Aufladungsvorgang, wie dies eindeutig 
die Registrierungen E. 3 und E. 7 zeigen, die aus einem wenig ausgeprägten Gewitter stammen, das kein 
sogenanntes Aktivitätszentrum zeigte und bis auf wenige Ausnahmen nur aus Wolkenbligen bestand. 
Dies waren überhaupt die Merkmale der Gewitter der 2. Meßreihe, besonders audi derjenigen Ende 
April 1938, die nicht registriert worden sind, bei denen lediglidi Beobaditungen durch Auge und Ohr an 
gestellt worden sind, unterstügt durch die bekannten Geräusche, die die Feldschwankungen im Lautsprecher 
des Rundfunkgeräts hervorrufen, wobei letztere ausgezeichnete Dienste zur Bestimmung der Dauer der Blitje 
leisteten. Auf diese Weise konnte in einem Fall festgestellt werden, daß es sich bei ca. 95% aller Blitje 
um Wolkenblitje handelte, deren Dauer oft 2 oder sogar 3 sec. überschritt. Die lange Dauer der Auf- und 
Entladungserscheinungen scheint daher ein besonderes Merkmal dieser Art von Entladungen zu sein. 
Eine weitere bemerkenswerte Erscheinung bei Wolkenblitjen ist ein starker Wechsel des Potential 
gradienten nach der einen oder anderen Richtung, wie dies die Registrierungen E. 5, 32, 36, 38, 44 zeigen. 
Es müssen danach durch einen solchen Blitj sehr erhebliche Veränderungen der Ladungsanordnung in 
der Gewitterwolke eintreten, denn die Registrierung wird dabei meist vollständig aus dem Meßbereich 
herausgetragen. Nach einem solchen Blitj muß dann die Registrierung schnellstens durch Gitter 
vorspannungskorrektion wieder auf die Mitte des Meßbereiches eingestellt werden. Wäre dieses z. B. nach 
E. 5 nicht sofort erfolgt, so wäre die einige Augenblicke darauf folgende Registrierung des Bliges E. 6, die 
weiter unten besprochen wird, verzerrt und nicht auswertbar gewesen. 
Als Abschluß seien noch 4 Registrierungen der 2. Meßreihe mit den empfindlicher eingestellten Re 
gistrierinstrumenten wiedergegeben. E. 4 zeigt deutlich den Vorgang des abwechselnd mehr oder weniger 
starken sogenannten Nachfließens, dem schließlich noch drei außerordentlich starke Einzelentladungen folgen. 
Ähnlich zeigt den gleichen Vorgang E. 6, bei der die Aufladung mit Unterbrechung und verhältnismäßig 
langsam erfolgt. E. 9 stammt von einem sehr starken und nahen Blitj, so daß die Feldschwankungen im 
ersten Teil der Registrierung weit über den Meßbereich hinausreichen und daher hier nicht verfolgt werden 
können. Es sind nur drei starke Einzelentladungen festzustellen. E. 34 zeigt nach sehr schneller Aufladung 
5 starke Einzelentladungen, und zwar in der Stärke zunehmend bis zur dritten und dann wieder abnehmend, 
bis nach der fünften starkes Nachfließen erfolgt. 
Sehr schön kommt bei den meisten Registrierungen die im Mittel positive Aufladung der Wolke heraus, 
besonders bei E. 9 und E. 34, wo sie der gesteigerten Empfindlichkeit wegen noch nahezu 1 min. lang ver 
folgt werden kann, während dieses bei der 1. Meßreihe meist nur 5—10 sec. lang der Fall war. 
Trog der Mannigfaltigkeit und trog der Abweichungen der einzelnen Registrierungen voneinander, tritt 
doch immer wieder hervor, daß die einzelnen Bligen tladungen die Folge eines mehr oder weniger schnell 
einsegenden Aufladungsvorganges sind. Die Kräfte, die diese plögliche Aufladung eingeleitet haben, sind 
während des ganzen Bliges tätig, indem sie dauernd elektrische Energien frei machen und damit nach jeder 
Einzelentladung eine Neuaufladung bewirken. Diese immer wieder gemachte Feststellung drängt zu der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.