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Winde und Stürme beim Kap Horn.
aufmerksam gemacht hat. Die mittlere Windstärke folgt während der Jahres-
zeit der langen Tage den Veränderungen der Deklination der Sonne, sie nimmt
von September bis Januar regelmäfsig zu und verringert sich dann wieder bis
zum April, während sie in der Jahreszeit der kurzen Tage ziemlich unverändert
bleibt. Im Allgemeinen ist der Januar der stürmischste Monat; oft treten die
Stürme jeden zweiten Tag ein, und die mittlere Windstärke für den ganzen
Monat entspricht einer frischen Briese. Dagegen kommt dieselbe im Juni nur
einer leichten Briese gleich. Die Maximalstärke tritt durchschnittlich zwischen
| und 3 Uhr Nachmittags ein, worauf dieselbe bis zum Untergang der Sonne
allmählich abzunehmen pflegt, Die Stunden des Tages, in denen das Mittel der
Windstärke am besten dem Gesammtmittel entspricht, variiren mit der Jahres-
zeit, fallen jedoch stets zwischen 8" und 10* Vormittags und 7" und 8 Nach-
mittags; der mittleren jährlichen Stärke entspricht am besten 8" 45” Vormittags
und 7% 45” Nachmittags. Windstillen kommen weit häufiger vor, als man nach
der mittleren Stärke des Windes annehmen sollte; sie repräsentiren etwa 10 °%e
der sämmtlichen Beobachtungsstunden und treten meist nach oder vor den
Stürmen ein, Ihre Dauer ist ziemlich veränderlich; manchmal halten sie ganze
24 Stunden an, doch in solchen Fällen ist, wenn das Barometer nicht bei be-«
ständigem Regen aufgehört hat, zu fallen, in kurzer Zeit sehr schlechtes Wetter
zu erwarten. Die meisten Windstillen kamen im Monat April vor, die fast 20 %
der sämmtlichen Beobachtungsstunden ausfüllten, während die geringste Zahl,
5%, auf den Monat Januar entfiel. Die mittlere, durch das Anemometer
angezeigte Windrichtung ist westlich.
Während der in der Nähe des Kap Horn sehr häufigen Böen weht der
Wind gewöhnlich aus NW bis SSW; die Zahl und Stärke derselben nimmt vom
Sommer nach dem Winter zu ab. Auf jeden der Sommermonate fallen im Mittel
50 Stunden Sturm, dagegen auf den Wintermonat nur 23 Stunden. Im Großen
and Ganzen sind Januar, Februar und März die gefährlichsten Monate, dagegen
ist die Zeit vom 20. April bis zum Juni-Solstitium und selbst bis zum 15. Juli
die günstigste Periode. In der Bai von Nassau und in einem Umkreise von
40 oder 50 Sın von diesem äufsersten Punkte Amerikas kündigen die Stürme
sich gewöhnlich durch fallenden Barometerstand mit Windstille oder leichten
ınd veränderlichen Winden an, die gewöhnlich 4 oder 5, zuweilen auch 12 oder
15 Stunden vorher eintreten; die erste Böe setzt dann oft sehr plötzlich ein,
so dafs sehr häufßg ein schwerer Sturm der Todtenstille ohne Vebergang in
wenigen Minuten folgt — und darin besteht gerade ihre Gefahr. Als weitere
Warnungszeichen beim Heraunahen schlechten Wetters sind unregelmäfsiges
Steigen des Dunstdruckes, anhaltender Regen oder ein gleichmälßig grauer
Himmel zu betrachten, an welchem eine oder zwei Stunden vor dem Binsetzen
der ersten Böse kleine Wolkenballen rasch und niedrig vorüberziehen, Wo der
Schiffsort solche Beobachtungen gestattet, sollte man auf das Zusammenziehen
der Wolkenbänke achten, die anfänglich die Gipfel der Berge krönen, dann
regelmäfsig an den westlichen Abhängen der Berge herabsinken und über den
nach der Pacific-Seite offenen Schluchten und Thälern sich rasch nach Osten
bewegen.
5 Mit Böen, die vom westlichen und südwestlichen Horizont kommen,
brechen die Stürme los, während das Barometer meistens mit dem ersten Beginn
der Briese aus WNW oder WSW wieder ziemlich rasch zu steigen beginnt,
Das anhaltende Steigen und die regelmäfsige Bewegung des Barometers deutet
normale Verhältnisse des stürmischen Wetters an, d. h. eine oder zwei Stunden
nach dem Eintritt des Steigens des Barometers geht der WNW- oder W-Wind
nach WSW oder SW herum und nimmt an Stärke zu. Dann treten unter rasch
aufeinander folgenden Regen-, Hagel- und Schneeschauern schwere Windböen
sin, in denen der Wind noch weiter nach SSW und S dreht, der Himmel klart
auf, und die Temperatur nimmt ab, worauf die Böen seltener und schwächer
werden.
Im Winter geht die Drehung des Windes ziemlich rasch durch Süd nach
dem Nordost-Quadranten vor sich; manchmal folgen mehrere Tage schönen
Wetters, wenn nicht während neuen Steigens des Barometers starke Böen aus
NNE bis NNW bei verhältnifsmäfsig hoher Temperatur, aber sehr niedrigem
Stande des feuchten Thermometers eintreten. In letzterem Falle drehen die