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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Winde und Stürme beim Kap Horn. 
aufmerksam gemacht hat. Die mittlere Windstärke folgt während der Jahres- 
zeit der langen Tage den Veränderungen der Deklination der Sonne, sie nimmt 
von September bis Januar regelmäfsig zu und verringert sich dann wieder bis 
zum April, während sie in der Jahreszeit der kurzen Tage ziemlich unverändert 
bleibt. Im Allgemeinen ist der Januar der stürmischste Monat; oft treten die 
Stürme jeden zweiten Tag ein, und die mittlere Windstärke für den ganzen 
Monat entspricht einer frischen Briese. Dagegen kommt dieselbe im Juni nur 
einer leichten Briese gleich. Die Maximalstärke tritt durchschnittlich zwischen 
| und 3 Uhr Nachmittags ein, worauf dieselbe bis zum Untergang der Sonne 
allmählich abzunehmen pflegt, Die Stunden des Tages, in denen das Mittel der 
Windstärke am besten dem Gesammtmittel entspricht, variiren mit der Jahres- 
zeit, fallen jedoch stets zwischen 8" und 10* Vormittags und 7" und 8 Nach- 
mittags; der mittleren jährlichen Stärke entspricht am besten 8" 45” Vormittags 
und 7% 45” Nachmittags. Windstillen kommen weit häufiger vor, als man nach 
der mittleren Stärke des Windes annehmen sollte; sie repräsentiren etwa 10 °%e 
der sämmtlichen Beobachtungsstunden und treten meist nach oder vor den 
Stürmen ein, Ihre Dauer ist ziemlich veränderlich; manchmal halten sie ganze 
24 Stunden an, doch in solchen Fällen ist, wenn das Barometer nicht bei be-« 
ständigem Regen aufgehört hat, zu fallen, in kurzer Zeit sehr schlechtes Wetter 
zu erwarten. Die meisten Windstillen kamen im Monat April vor, die fast 20 % 
der sämmtlichen Beobachtungsstunden ausfüllten, während die geringste Zahl, 
5%, auf den Monat Januar entfiel. Die mittlere, durch das Anemometer 
angezeigte Windrichtung ist westlich. 
Während der in der Nähe des Kap Horn sehr häufigen Böen weht der 
Wind gewöhnlich aus NW bis SSW; die Zahl und Stärke derselben nimmt vom 
Sommer nach dem Winter zu ab. Auf jeden der Sommermonate fallen im Mittel 
50 Stunden Sturm, dagegen auf den Wintermonat nur 23 Stunden. Im Großen 
and Ganzen sind Januar, Februar und März die gefährlichsten Monate, dagegen 
ist die Zeit vom 20. April bis zum Juni-Solstitium und selbst bis zum 15. Juli 
die günstigste Periode. In der Bai von Nassau und in einem Umkreise von 
40 oder 50 Sın von diesem äufsersten Punkte Amerikas kündigen die Stürme 
sich gewöhnlich durch fallenden Barometerstand mit Windstille oder leichten 
ınd veränderlichen Winden an, die gewöhnlich 4 oder 5, zuweilen auch 12 oder 
15 Stunden vorher eintreten; die erste Böe setzt dann oft sehr plötzlich ein, 
so dafs sehr häufßg ein schwerer Sturm der Todtenstille ohne Vebergang in 
wenigen Minuten folgt — und darin besteht gerade ihre Gefahr. Als weitere 
Warnungszeichen beim Heraunahen schlechten Wetters sind unregelmäfsiges 
Steigen des Dunstdruckes, anhaltender Regen oder ein gleichmälßig grauer 
Himmel zu betrachten, an welchem eine oder zwei Stunden vor dem Binsetzen 
der ersten Böse kleine Wolkenballen rasch und niedrig vorüberziehen, Wo der 
Schiffsort solche Beobachtungen gestattet, sollte man auf das Zusammenziehen 
der Wolkenbänke achten, die anfänglich die Gipfel der Berge krönen, dann 
regelmäfsig an den westlichen Abhängen der Berge herabsinken und über den 
nach der Pacific-Seite offenen Schluchten und Thälern sich rasch nach Osten 
bewegen. 
5 Mit Böen, die vom westlichen und südwestlichen Horizont kommen, 
brechen die Stürme los, während das Barometer meistens mit dem ersten Beginn 
der Briese aus WNW oder WSW wieder ziemlich rasch zu steigen beginnt, 
Das anhaltende Steigen und die regelmäfsige Bewegung des Barometers deutet 
normale Verhältnisse des stürmischen Wetters an, d. h. eine oder zwei Stunden 
nach dem Eintritt des Steigens des Barometers geht der WNW- oder W-Wind 
nach WSW oder SW herum und nimmt an Stärke zu. Dann treten unter rasch 
aufeinander folgenden Regen-, Hagel- und Schneeschauern schwere Windböen 
sin, in denen der Wind noch weiter nach SSW und S dreht, der Himmel klart 
auf, und die Temperatur nimmt ab, worauf die Böen seltener und schwächer 
werden. 
Im Winter geht die Drehung des Windes ziemlich rasch durch Süd nach 
dem Nordost-Quadranten vor sich; manchmal folgen mehrere Tage schönen 
Wetters, wenn nicht während neuen Steigens des Barometers starke Böen aus 
NNE bis NNW bei verhältnifsmäfsig hoher Temperatur, aber sehr niedrigem 
Stande des feuchten Thermometers eintreten. In letzterem Falle drehen die
	        
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