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Annalen der Hydrographie und Maıritimen Meteorologie, Dezember 1897.
grad. Das Barometer stieg weiter bei leichten Südwestwinden und erreichte
in 42° S-Br am 6. sein Maximum mit 772 mm, um darauf ziemlich schuell zu
fallen, während der Wind über NW auf Nord drehte und allmählich zur steifen
Briese auswuchs.
Am 7. mittags standen „Selene“ und „Thalia“ ziemlich dicht bei einander,
erstere in 40,6° S-Br und 35,9° W-Lg, letztere in 40,7° S-Br und 35,8° W-Lg.
Auf „Selene“ nahm der nördliche Wind schnell auf Stärke 10 zu, so dafs das
Schiff auf B. B.-Halsen beigedreht wurde. Am 8. 4"p erreichte das Barometer
mit 741,5 mm seinen niedrigsten Stand, der Wind raumte bis NW und flaute auf
Stärke 5 ab; der Regen, der seit 2 Uhr sehr stark gewesen war, nahm ab, bei
hoher Dünung aus NNO, so dafs es nicht möglich war, sofort Segel zu setzen.
Das Schiff nahm schwere Seen über. Gegen 5"p klarte es in NW auf, der
Wind holte westlicher und ging gegen 8" p in eine stetige steife Briese über
bei gleichmäfsig steigendem Barometer, so dafs wieder Segel beigesetzt und Kurs
gehalten werden konnte.
Auf „Thalia“ nahmen nach Mittag am 7. der Nordwind und die See stark
zu, gegen 3 Uhr begann es zu regnen, während das Barometer stark fiel. Am
8. mittags hatte der in Richtung unveränderte Wind die Stärke 10 mit orkan-
artigen Böen erreicht, so dafs das Schiff ebenfalls auf B. B.- Halsen beigedreht
wurde. Um 6'p ist Windstärke 12 verzeichnet mit gewaltig hoher kurzer See,
um $*p erreicht das Barometer seinen tiefsten Stand, 742,4 mm, Wind Nord 11.
Während der Wind auf NNW geht, flaut er auf Stärke 5 ab, frischt jedoch auf
WSW weiter raumend, wieder bis Stärke 9 auf. Das Barometer steigt gleich-
mäfsig ziemlich schnell, am 9. 4*a wird Kurs bei Südwestwind, Stärke 8, auf-
genommen, der allmählich auf frische Briese abflaut.
„Esmeralda“, welche sich am 7. mittags erst in 41,8° S-Br und 39,3° W-Lg
befand, hatte nur für einige Stunden NNW 8 bei fallendem Barometer, am 8,
mittags in 40,8° S-Br und 36,6° W-Lg hatte das Barometer mit 743,1 mm seinen
niedrigsten Stand erreicht, der Wind war auf WzN 1 gegangen. Bei steigendem
Barometer raumte er nun weiter bis SW und wehte am 9. bis Mittag mit Stärke 8,
flaute dann bis 5 ab, gleichzeitig auf West zurückdrehend.
Durch Verlust der Segel und das längere Beidrehen in dem ersten Sturm
hat „Selene“ gegen „Thalia“ von 50° bis 40° S-Br einen Tag verloren, während
„Esmeralda“ etwa die gleiche Zeit brauchte, um den 40, Breitenparallel zu er-
reichen, 5,5 Tage gegen 5,6 der „Thalia“. Sowohl „Selene“ wie „Esmeralda“
sind dabei weit westlich von dem gröfsten Kreisbogen abgewichen, „Esmeralda“
überschritt den 45. Breitengrad sogar in 46,5° W-Lg, hatte allerdings dadurch
den Vortheil, dafs sie die stürmischen Winde der Depression, welche die beiden
Mitsegler zum Beidrehen zwangen, voll ausnutzen konnte und beim Ueberschreiten
des 40. Grades S-Br wieder auf dem gröfsten Kreisbogen stand, während die
beiden Mitsegler 3° östlich von demselben sich befanden. „Selene“ wich vom
4. zum 5. 80 weit westlich vom gröfsten Kreis ab, dafs sie am letzteren Tage
bis 43° W-Lg kam; der am Abend des 5. einsetzende Nordwestwind zwang sie
dann zu einem östlicheren Kurse.
„Esmeralda“ folgte auch weiter dem Verlauf des gröfsten Kreises. Von
ihren Mitseglern überschritt den 30. Breitenparallel „Selene“ auf 27,5° W-Lg
nach 3,5 Tagen, „Thalia“ auf 27,9° W-Lg nach 4,4 "Vagen, „Esmeralda“ nach
45 Tagen auf 29,4° W-Lg. Der Vortheil, den „Selene“ auf dieser Strecke gegen
„Thalia“ gewann, ist lediglich auf die oben dargelegten besseren Segeleigenschaften
der ersteren zurückzuführen; der geringe Unterschied zwischen „Esmeralda“ und
„Thalia“ erklärt sich aus dem besseren Segeln der ersteren und dem kürzeren
zurückgelegten Weg, trotzdem „Esmeralda“ leichtere Südwestwinde fand als
„Thalia“ und „Selene“, Stärke 3 gegen 5.
Am 16. erreichen alle drei Schiffe, die bis dahin Winde aus dem Südwest-
quadranten gehabt hatten, die polare Grenze des Südostpassates in etwa 22,5° S-Br,
„Selene“ in 26,6°, „Thalia“ in 27° und „Esmeralda“ in 27,5° W-Lg und über-
schreiten mit ihm die Linie in bezw. 28,7°, 28,6° und 27,8° W-Lg nach bezw.
27,7, 27,7 und 28,6 Tagen vom Kap Horn. „Esmeralda“, welche auch beim
Eintritt in den Passat westlicher stand als ihre beiden Gefährten, fand zunächst
den Passat -so schral — bis NO —, dafs sie bis 125° S-Br auf 31,2° W-Lg
gedrängt wurde, und nur dem Umstande, dafs der Passat etwas stärker war, als