Dr. Joachim Blüthgen: Die Eisverhältnisse des Finnischen und Rigaischen Meerbusens
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nur seltener nach SW gelangt, ferner daß hier die Neigung zu nachträglicher lokaler Eisbildung nicht mehr groß
ist, wie eingangs erwähnt. Bezeichnend für den Südwesten ist ferner, daß hier erstmalig 1928/29 der längste
und strengste Winter des ganzen Arbeitsgebietes auftrat, der in der südlichen Ostsee der Extremwinter der zehn
Berichtsjahre war. In den anderen Sektoren ist dies nicht der Fall.
Die Erscheinung der Küstenrinne ist in den Sektoren NW, NO und SO am häufigsten. Dies stimmt über
ein mit dem Vorwalten von Winden mit südlicher bis südwestlicher Komponente. Zu erwarten ist theoretisch,
daß sich die Gewässer im NW und SO gegensätzlich verhalten: der Wind, der im SO zu Eispackungen führt, wird
im Nordwesten die Eisflächen von der Küste wegtreiben und umgekehrt. Tatsächlich trifft diese Erwägung in der
Praxis zu. Ein Beispiel dafür gibt der Winter 1931/32: im NW tritt im Hochwinter öfters Eisfreiheit auf durch
Abtrift, vom 20. bis 23. März wird diese Eislage unterbrochen durch Packeis, das an die Küste anschließt.
Genau zur gleichen Zeit herrscht im SO offenes Küstenwasser und zu den anderen Zeiten Packeis bzw. starkes
Festeis. Zwischenfälle sind möglich bei südlichen Winden oder beim Herantreiben von Eisflächen, die zufällig
eine „Pseudorinne“ längs einer Küste entstehen lassen, die genetisch nichts mit der oben skizzierten Erscheinung
zu tun hat.
Domesnäs - SW
Jahr Pooember Dezember
Januar
Februar
MC2
-A&ri.l
Mai
Juni
1922/23
1923/24
1924/25
1925/2Ì
1926/2?
1927/28
1928/2$
1929/3C
1930/31
1931/32
Abb. 50
Domesnäs - NW
Jahr November
1922/23
1923/24
1924/25
1925/26
1926/27
1927/28
1928/29
1929/30
1930/3 T
1931/32
Abb.51
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nach: Tägl. Eisbericht der Dt. Seewarte.
Dezember Januar Februar März
Apri,
nach: Tägl. Eisbericht der Dt. Seewarte.