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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 58. Band, Nr. 3
Durchschnitt abweichend spät. Dabei wies der Winter im ganzen nicht weniger als 12 Einzelperioden auf von
sehr ungleicher Länge, teils nur einen Tag umfassend, teils aber von rund 20tägiger Dauer. Es ist bei einer Be
trachtung der einzelnen Perioden nicht möglich, diejenige ausfindig zu machen, die unzweifelhaft als Hauptver
eisung anzusprechen wäre. Die längsten Perioden, die zudem nur aus Treibeis bestanden, liegen zeitlich peripher,
die Festeisperioden zwischen Januar und März sind kürzer und die beiden längsten von ihnen mit je 6- bzw. 7tägiger
Dauer des Eises bis zum Horizont liegen ebenfalls symmetrisch von der normalen Kulminationszeit entfernt. Da
in diesem Winter Stärkeangaben nicht gemacht sind, ist auch die letzte Entscheidungsmöglichkeit genommen.
Die Zeit, innerhalb der sich das Festeis bis zum Horizont ausdehnen kann, liegt zwischen Anfang Januar
und Ende März. Es sei bemerkt, daß der sonst streng verlaufende Spätwinter 1928/29 mit seiner langen Festver
eisung (im Verhältnis zu anderen Wintern) wesentlich früher schloß als dies im Durchschnitt der Fall war. Da
gegen war, ebenfalls abweichend von den übrigen Stationen, der erste Berichtswinter (1923/24) der strengste in
jeder Hinsicht: Er begann zu normaler Zeit (31. Dezember) und reichte von diesem Zeitpunkt zunächst ohne
Unterbrechung bis zum 17. April. Ende April und Anfang Mai schlossen sich noch zwei kleinere Treibeisperioden
an. Die endgültige Eisfreiheit war am 5. Mai eingetreten. Auch hinsichtlich der Intensität übertrifft dieser Winter
die anderen, denn seine Summe an Tagen, an denen das Festeis bis zum Horizont reichte, übertrifft die der
anderen Winter wesentlich (53 Tage). Die Festvereisung war nur innerhalb der Gesamtvereisung vielfach durch
Treibeisaufbruch rückverlegt, so daß die Tage mit ausgedehntem Festeis sich auf insgesamt 7 Perioden verteilten,
während 1928/29 die absolut längste derartige Festeisperiode festzustellen war (49 Tage). Das Festeis scheint,
soweit man aus den spärlichen Beobachtungen Schlüsse ziehen darf, nicht besonders tragfähig zu werden. Dies
stimmt natürlich überein mit der Neigung zu Aufbruch und Abdrift.
Die Enteisung zeigt eine lange Zeit mit dem Vorkommen von Treibeis. Die Treibeisperioden sind aber un
gleich lang, mitunter nur einen Tag. In dem ausgeprägten Vorherrschen des Treibeises gegen Schluß der Ver
eisung gegenüber dem eingeschränkten Auftreten von Treibeis zu Beginn der Vereisung liegt meines Erachtens
auch ein Hinweis auf die maßgebliche Beeinflussung durch Strömungsverhältnisse. Es ist nicht gut möglich, daß
allein die relativ geringe und dauernd durch vollständige Eisabdrift unterbrochene Vereisung des Winters aus
reicht, um zum Schluß bei Zerel so viel Treibeis hervorzurufen; dies kann sich nur aus der Herandrift von
Treibeis aus den Nachbargebieten rekrutieren. Das Extrem der Enteisung fällt auf den 11. Mai 1931. — Als
durchschnittlicher Termin für das erste Auftreten von Eis kann Ende Dezember genannt werden, für die Enteisung
der Zeitraum vom 20. bis 30. April, wobei bei letzterer Spanne die Unsicherheit wegen des ausschließlich herr
schenden Treibeises wesentlich größer ist als bei der Beeisung.
Abb. 47
ZEREL-MB I Dezember
1923/24'
>924/25\
1925/261
1926/27^
I
19277/28 \
1928/29|
1929/30 x
193o/3H
1931/32|
1932/33|
1933/34\
1934/35'