Heinz Exter u brink : Kaltlufteinbrüche in die Tropen
13
1. Die Mächtigkeit der KM.
Brauchbare Aussagen über die Mächtigkeit des Kaltluftembruches lassen sieh am 6. machen. Es stehen
die Pilotaufstiege von Brownsville und Key West, ferner der Flugzeugaufstieg von Pensacola zur Verfügung. Aus
der Wetterkarte ersieht man, daß die F ganz in der Nähe von Key West liegt, daher verdient der Pilot be
sonderes Interesse.
Die Höhenwinde in Key West zeigen bis in 250 m WNW. Bei 500 m dreht der Wind auf W und schließ
lich bei 750 m auf SW, welche Richtung bis in größere Höhen eingehalten wird. Die obere Grenze liegt dem
nach zwischen 500 und 750 m. Brownsville hat bis in 2000 m NNE bzw. N, dann dreht der Wind auf NNW und
NW. Die Geschwindigkeiten halten sich an beiden Stationen unter 10 m/sec. Bei Brownsville dürfte die Grenze
nahe 2000 m liegen. Alle Aufstiege sind um 12.00 MGZ. angestellt worden. Der Flugzeugaufstieg von Pensacola
um 11.55 MGZ. zeigt eine Inversion zwischen 1191 und 1884 m. In 1884 in Höhe beträgt die Temperatur 8,3° C
(das ist 1,1° höher als am Boden). Innerhalb dieser Schicht steigt die äquipotentielle Temperatur von 21,5 bis
40,3°. Bis nach 40,3° hin haben wir KM vor uns. Daher kann hier die obere Grenze angenommen werden. Für
die Höhenlage ergibt sich am 6. Oktober:
Brownsville zu 2000 m
Pensacola rd. 1900 m
Jacksonville 1500 m
Key West 500—750 m
Benutzt man die Formel von Koppen zur Berechnung der KM-Grenze, so erhält man für Pensacola eine
Mächtigkeit von 2000 m.
Es soll noch gezeigt werden, daß sich der Druck oberhalb der KM-Grenze nicht geändert hat. Die Be
stimmung mag aus den Aufstiegen vom 5. und 6. gezeigt werden, zumal Pensacola am 6. im Kerngebiet des
Druckanstiegs liegt. Für die Höhenlage der 800-mb-Fläche ergibt sich am 5. 1948 dyn. (gdm) und am 6. 1942 gdm.
Das ist eine Differenz von 6 gdm, die, weil gering, praktisch als wirkungslos angesehen werden darf. Dann aber
geht die Druckerhöhung am Boden lediglich auf die KM zurück, denn oberhalb von 1900 m heben sich alle
existierenden Drucktendenzen auf. Wir sind daher berechtigt, alle Druckanstiege, die im Bereiche der KM
liegen, durch diese zu erklären, sofern nicht ein neuer Einbruch mit anderen Bedingungen erfolgt.
2. Ausbreitung und Alterung der KM.
Es konnte gezeigt werden, daß die KM eine bestimmte Mächtigkeit besitzt, und daß der in Pensacola
erzeugte Druckanstieg auf die KM zurückzuführen ist.
Bergeron (1) betont, daß einer M, die (über dem Meere) „äquatorwärts“ fließt, von allen Seiten und in
allen Schichten Entropie zugeführt wird. Diese Zufuhr trifft am stärksten die untersten Schichten, woraus eine
Zunahme der potentiellen Temperatur und auch des vertikalen Temperaturgradienten, d. h. eine verminderte
Stabilität bzw. tibergang zur bedingten Instabilität entsteht. Allerdings besorgt die thermische Konvektion nicht
allein die Alterung, obwohl dieser bei den gegebenen Verhältnissen wahrscheinlich die Hauptleistung zukommt,
sondern bei der zusammenfassenden Bemerkung über die Drucksteiggebiete wurde betont, daß Absinken und
Ausbreiten an der Alterung beteiligt sind, und schließlicii müssen die auftretenden Turbulenz- und Mischungs
vorgänge erwähnt werden, da auch diese, besonders an Schleifzonen, ihrerseits eine Alterung beschleunigen.
Die Ausbreitung der KM wird durch die Wetterkarte am 5. Oktober 1932 gezeigt. — Über dem Kontinent
und der Golfküste lagert ausgesprochene P c . Südwärts über Mexiko hat die Luftmasse in den bodennahen
Schichten Abänderungen erfahren und wird daher mit Np c bezeichnet. Das ergibt sich auch aus dem besproche
nen Druck- und Temperaturfeld. — Der Einfachheit halber möge die Bezeichnung KM für alle Schattierungen
der Kaltluft und WM für die gesamte Tropikluft beibehallen bleiben.
Im südlichen Teile Mexikos ist die KM schnell gealtert. Ihre Auswirkungen sind nur mäßig. Etwas süd
lich von Salina Cruz (wo schwache Einbruchserscheinungen zu sehen sind) in Tapachula deutet nur noch die
Winddrehung auf N und die niedrige Bewölkung an, daß ein Einbruch erfolgt ist. Selbst diese Aussage kann
nur durch die Kartenanalyse gemacht werden. Die Beobachtungen von Tapachula allein lassen kaum eine
solche zu.
Für die übrigen Gebiete, die von der KM berührt werden, zeigt sich diese als frisch und äußert sich in
kräftigem Temperatur-, Druck- und Windsprung. Über dem Golf setzt rege thermische Konvektion ein, die sich
aus der Wärmezufuhr des warmen Wassers an die KM ergibt (Schauer und cuni-Bildung).
Am 6. zeigen sich an der ganzen Vorderseite der KM Gewitter. Das war freilich zu erwarten, denn vor