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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 57. Bd., Nr. 5
Der Bogen wird also nach der Berußung auf die Trommel gespannt. Meistens wird
allerdings die Berußung auf der Trommel direkt vorgenommen; daß dieses der Trommel
nicht gerade zuträglich ist, soll nur nebenher erwähnt werden. Die scharfen Stahlspitjen
hinterlassen dann durch Fortkratjen des Rußes eine proportionale Spur jener Bewegungen,
die die Fahnen oder der Schwimmerkessel als Folge der auf sie einwirkenden Luftkräfte
auszuführen gezwungen werden. Unter der Annahme, daß die Achse der Uhrtrommel genau
lotrecht steht, hinterläßt die sog. Basisfeder einen geraden Strich; der Abstand von diesem
bis zu den Null-Linien der beiden Richtungskurven und der Geschwindigkeitskurve ist genau
festgelegt und muß des öfteren kontrolliert werden. Nach Ablauf des Uhrwerks wird der
Bogen wieder abgenommen und in einer Schellacklösung fixiert. Nach erfolgter Trocknung
wird er in einem passenden, von unten beleuchtbaren Rahmen auf eine Glasplatte gebracht.
Über ihn wird ein Diagrammnet} auf Ölpapier mit geeichten Koordinaten gelegt, darüber
kommt nochmals, um ein Verschieben zu vermeiden, eine Glasplatte. Die Schwierigkeit des
Verfahrens ist einleuchtend. Es ist nur bei größter Geschicklichkeit und längerer Übung
möglich, wirklich die Null-Linien bzw. die Basislinien des Rußbogens und des Diagramms
übereinanderzulegen.
Sehr häufig ließ sich feststellen, daß der Strich der Basisfeder nicht genau gerade ver
läuft, sondern einen sinusähnlichen Verlauf nimmt. Die Ursache hierfür ist entweder, wie
bereits erwähnt, eine nicht lotrechte Trommelachse; bei Präzisionsarbeit der Herstellerfirma
jedoch kann man dies darauf zurückführen, daß der Papierbogen hygroskopisch ist und bei
wechselnder Luftfeuchtigkeit Wellen schlägt.
Die Aufzählung und Schilderung dieser Fehlerquellen führt dazu, den idealen Zustand
dieser hier beschriebenen räumlichen Windfahne aufzuzeigen, damit klar hervortritt, unter
welchen Bedingungen ein einwandfreies Arbeiten der Fahne zum Zwecke der Erfassung
vertikaler und horizontaler Luftbewegung nach Richtung und Geschwindigkeit möglich ist.
Unbedingt nötig ist hierzu die Prüfung ihres Verhaltens bei bekannten Verhältnissen im
Windkanal. Reibungs- und Trägheitsfaktoren sind bisher völlig unbekannt. Ihre Kenntnis
ist aber vor allen weiteren Betrachtungen und Versuchen wichtig. Da eine derartige Unter
suchung hier zunächst wohl geplant, aber im Augenblick nicht möglich war, wird sie in
Bälde nachfolgen.
Wenn mit dieser Fahne rein atmosphärische Vorgänge, frei von lokalbedingten Strö
mungen, soweit das am Erdboden überhaupt möglich ist, untersucht werden sollen — um nur
ein Beispiel zu nennen: etwa die Vertikalströmungen von Antizyklonen —, so muß sie auf
einem stabilen, nicht schwankenden, möglichst hohen und spitjen Eisengerüst aufgestellt
werden. Je höher sie über dem Erdboden steht, desto genauer wird man wirklich atmo
sphärische Vorgänge erfassen. Eine Ebene im Umkreis mehrerer 100 Meter um die Fahne wird
einem auch nur schwach hügeligen Gelände für diese Zwecke vorzuziehen sein. Die oben
beschriebenen Registrierungen zeigen, daß selbst die geringe Erhebung der Baumkronen über
dem Erdboden rein lokale Vorgänge aufzeichnen lassen. Bei hügeligem oder gar bergigem
Gelände wird der durch diese Abweichungen von der Ebene bedingte Einfluß größer als der
lediglich atmosphärischer Vorgänge. Ein gewisser Einfluß der Erdoberfläche wird, wie bei