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42. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1987
französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague können auch noch die künst
lichen Nuklide Ru 106, Sb 125 und Co 60 bestimmt werden. Als besonders interes
sant erweist sich das natürliche Nuklid Th 234 (Halbwertszeit 24,1 Tage), das in
den Schwebstoffproben mit einer spezifischen Aktivität bis zu 64000 Bq/kg gefun
den wurde. Die spezifische Aktivität dieses Nuklids übersteigt im allgemeinen die
spezifischen Aktivitäten aller künstlichen Nuklide.
In den Sedimenten der deutschen Ostseeküste finden sich höhere spezifische
Aktivitäten als in den Sedimenten der Nordsee. Dies liegt einerseits an der kleine
ren Korngrößenverteilung der Sedimente, andererseits auch an der höheren Depo
sition radioaktiver Teilchen durch „Tschernobyl“ in diesem Bereich. Im Aprü lagen
die typischen spezifischen Aktivitäten der Oberflächensedimente in schlickigen
Bereichen der Ostsee zwischen 100 und 200 Bq/kg (Trockenmasse) für Cs 137. In
den schlickigen Sedimenten der Nordsee ergab sich ein entsprechender Wert um
20 Bq/kg.
Für die Fragen des Verbleibs der eingetragenen Schadstoffe in das Sediment sind
die Messungen an Schwebstoff und Sediment in der Zukunft gerade auch im
Hinblick auf andere Schadstoffe im Meer von besonderer Bedeutung, zumal das
Sediment im Meer ein wichtiges Glied in der Nahrungskette ist.
Radioaktivitätsmeßnetz:
Das Radioaktivitätsmeßnetz wird für das neuzuschaffende „Integrierte Meß- und
Informationssystem“ des Bundes automatisiert und den Bedingungen des Informa
tionssystems DV-mäßig angepaßt. Das bisher auf der Hohen See betriebene Meß
netz mit den fünf ortsfesten und drei fahrenden Stationen auf Schilfen des DHI
wird entsprechend dem Strahlenschutzvorsorgegesetz um vier Küstenstationen
erweitert.
Verschiedenes:
Die Mitarbeit in nationalen und internationalen Gremien wurde fortgesetzt. In
Ausschüssen der OECD/NEA wurden Sicherheitsfragen zur Versenkung verpack
ter radioaktiver Abfälle durch andere Nationen in der Tiefsee und Fragen einer
ständigen Überwachung dieser Seegebiete behandelt. Ferner beteiligte sich das
DHI für die Bundesrepublik Deutschland federführend an der „HELGOM Group of
Experts on Monitoring of Radioactive Substances in the Baltic Sea“ (MORS).
2.2.3.3 Chemie der Sedimente
Die Untersuchungen über das Vorkommen anorganischer Schadstoffe in den Sedi
menten der Nordsee und der westlichen Ostsee wurden fortgesetzt. Für den größ
ten Teil der Nordsee liegen Daten über den Gehalt der Feinkornfraktion der
Sedimente an Quecksilber, Cadmium, Kupfer, Blei, Zink, Chrom, Nickel, Vana
dium, Arsen und Phosphor, Mangan, Eisen, Titan, Aluminium, organischem Koh
lenstoff, Stickstoff und Karbonat-Kohlenstoff vor. Dieselben Größen wurden an
Sedimentkernen aus der Nordsee und westlichen Ostsee bestimmt. Hierbei wurde
in der Lübecker Bucht nun auch außerhalb der Neustädter Bucht eine Schwerme-
tall-Altlast festgestellt.
Die 1986 wieder aufgenommenen mineralogischen Untersuchungen wurden im
Hinblick auf die regionale Verteilung von Aragonit und Dolomit in der Nordsee
fortgesetzt.