Adolf Friedrich Fabricius: Untersuchung einer räumlichen Windfahne.
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Süden des Turmes erstreckt sich ein Wald mit etwa 10 bis 15 m hohen Kiefern, während das
Gelände annähernd eben zu nennen ist. Nach Norden und Osten fällt das Gelände um
10 m ab. Im Norden befindet sich ein etwa 1150 m langer und 670 m breiter See. Nach Osten
erstredet sich im Radius von etwa 700 m eine Wiese, die sich nur einige Zentimeter über die
Fläche des Sees erhebt. Im Norden und Osten der Fahne kann man also von einer annähernd
ebenen Fläche sprechen, welche die aus diesen Richtungen kommenden parallelen Strom
bahnen des Windes bis dicht an die Fahne herankommen lassen. Kurz vorher aber werden
die Strombahnen zum Aufsteigen veranlaßt, einmal wegen des Geländeanstiegs um 10 m,
darüber aber noch wegen des hier beginnenden 10 bis 15 m hohen Waldes. Aus Westen und
Süden hingegen erreichen die Fahne sicher ungestörte, parallele Strombahnen.
Aus diesem Grunde wurde am 3. Mai 1935 — wie in der vorher zuerst beschriebenen
Registrierung gezeigt wurde — gegen Mittag, als der Wind von westlichen auf nordöstliche
Richtungen umsprang, die vorher angezeigte Absinkbewegung jäh unterbrochen und eine Auf
stiegsbewegung angezeigt. Das ist durchaus natürlich und keineswegs verwunderlich, denn
die am Boden immer besonders schwachen, absteigenden Strombahnen müssen durch derartige
mechanische Einflüsse mindestens kompensiert werden, wenn nicht sogar eine Überkompen
sation eintritt, wie in unserem hier besprochenen Fall. Wenn hier also ein Mangel vorzu
liegen scheint, indem Erscheinungen angezeigt werden, die nicht mit dem Wettergeschehen
in Einklang zu bringen sind, so ist dies lediglich durch die ungünstige Aufstellung bedingt
und damit lebten Endes ein Beweis für ein empfindliches Reagieren auf selbst nur geringe
Anregungen. Es ist hier in unserem Falle ganz klar der Zusammenhang zwischen einer
westlichen absteigenden Komponente und einer nordöstlich aufsteigenden zu erkennen, bei
einer insgesamt in der Atmosphäre herrschenden Tendenz zum Absteigen. Leider können
quantitativ diese Beobachtungen bisher nicht ausgewertet werden, weil die Größe der Reibung
des Apparates, die ohne jeden Zweifel bei den relativ großen Gewichtsmaßen der Fahne und
den zahlreichen Übertragungen durch Zahnräder nicht vernachlässigt werden darf, noch nicht
ermittelt werden konnte"'.
In der ersten Zeit der Aufstellung der Fahne erhob sie sich nur wenig über das obere
Podest des Gerüstes, so daß dieses einen erheblichen Einfluß auf die Fahne hatte, indem
ausschließlich aufsteigende Ströme angezeigt wurden. Diese waren teils mechanischer Art,
indem parallele Strombahnen sich an dem Gerüst stießen und hierdurch zum Ausweichen nach
aufwärts gezwungen wurden. Da die Fahne auf der Ostecke des Gerüstes steht, war dieses
bei westlichen Winden zu beobachten. Bei östlichen Richtungen hingegen war, wie oben
nachgewiesen wurde, aus anderen Ursachen mechanisches Aufsteigen vorhanden. Dazu werden
bei starker Einstrahlung noch thermische Einflüsse vorhanden gewesen sein, da die Plattform
des Gerüstes sich schnell und stark erwärmte — sie besteht aus Eisen — und daher die
darüber befindliche Luft instabil aufstieg und hierbei auf den hinteren Teil der Vertikalfahne
traf. Als dies erkannt wurde, se^te man die Fahne insgesamt 3 m höher, so daß die Vertikal
fahne sich nun 4,50 m über dem höchsten Teil des Gerüstes befindet. Ein Gerüsteinfluß kann
nach obigen Darlegungen nicht mehr angenommen werden, da nach dieser Abänderung eben
falls absteigende Luftströme angezeigt werden.
* Diese Ermittlung der Reibungskonstanten soll noch in einer besonderen Untersuchung erfolgen.