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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 57. Bd., Nr. 5
berg in etwa 1950 m. Die Zustandskurven von Köln und Frankfurt a. M. geben mehrere
kleine Inversionen, zeigen aber größere Werte der spezifischen und relativen Feuchtigkeit;
hingegen lassen die Temperaturkurven von Hamburg, Berlin, Lindenberg und Breslau vom
Boden bis zur Inversion und auch über dieser eine Einheitlichkeit der Luftmassen erkennen.
Es läßt sich also wohl folgendes Bild entwerfen: Uber Deutschland ruht eine Kaltluft
schicht, die ganz langsam auseinanderfließt. Die Morgenaufstiege lassen den höchsten Punkt
etwa über Lindenberg erkennen, mit einem Abfall nach Berlin—Hamburg nordwestwärts
und nach Breslau südostwärts. Zur Divergenzlinie Herford—Fichtelberg—Breslau wird diese
Kaltluftkalotte weiter ansteigen, wo sie vermutlidi ihren Höhepunkt erreicht. Von dieser
Linie an fließt die Kaltluft nach Nordosten und Südwesten auseinander. Daraus ist mit
Sicherheit auf allgemein absteigende Luftbewegung innerhalb dieser Luftmasse zu schließen.
Dieser Zustand ist in der Nacht vom 5. auf 6. April eingetreten und dauert bis zur folgenden
Nacht unentwegt an. Am 7. April, 8 Uhr, liegt ein Divergenzgebiet über Nordfrankreich,
während über Deutschland auf der Rückseite des norwegischen Tiefs eine neue Staffel polarer
Kaltluft hereinbricht und Schnee- und Regenfälle im Gefolge hat.
Das Diagramm der räumlichen Windfahne (Abbildung 15 und 16 auf Tafel 4 sowie
Abbildung 17 auf Tafel 5) zeigt uns etwa ab 0.30 Uhr des 6. April durchweg ein Schwanken
der Vertikalfahne im Mittel um +1° bis + 10°, meist um + 5° Neigung gegen die
Horizontale, bei südöstlichen, südlichen und südwestlichen Horizontalrichtungen mit einer
mittleren Geschwindigkeit von 1 bis 5 m/sec. Es ist dabei deutlich erkennbar, daß offenbar
am 6. April, morgens gegen 1 Uhr, zunächst ein heftigeres Absinken stattfindet bei etwa
4 m/sec. Windgeschwindigkeit. Dieser verhältnismäßig kräftige Abwind (+7° Neigung, 4 m/sec.
Gesamtgeschwindigkeit = 0,49 m/sec. Vertikalgeschwindigkeit) beruhigt sich im Laufe der
Nacht wieder. Gegen 8 Uhr zeigt sich eine Veränderlichkeit der Horizontalrichtung, der Ge
schwindigkeit und der Vertikalrichtung: Ein heftiges Ausschlagen bis zum positiven und nega
tiven Endpunkt, wobei die mittlere Schwankung aber noch oberhalb der Null-Linie liegt, also
weiterhin ein Absinken andeutet. Die Horizontalrichtung schwankt einheitlich um Süden, mit
Ausschlägen nach Westen und Osten. Die Geschwindigkeitskurve zeigt ebenfalls eine gewisse
Böigkeit. Es ist dies offenbar die Wirkung der Einstrahlung und das Anzeichen für die
beginnende Konvektion des Tages. Diese dauert nach dem Diagramm bis etwa 17.45 Uhr.
Zu dieser Zeit klingen Horizontal- und Vertikalschwankungen ab, während die Geschwindig
keit schon etwa eine halbe Stunde früher geringer wurde. Die Einstrahlung hat aufgehört,
das wechselnde Spiel auf- und absteigender Luftfäden geht zu Ende, und bis etwa 24 Uhr
liegt das Mittel der Vertikalschwankungen zwischen ±0° und + 5°.
Nach diesen zwei Beispielen erscheint es angebracht, einmal sämtliche Mängel dieser
räumlichen Windfahne, die sich aus der Untersuchung zweijähriger Registriertätigkeit der
Fahne ergeben haben, zusammenzustellen:
Die hier beschriebene räumliche Windfahne steht im Gelände des Schießpla^es Kummers
dorf auf einem 25 m hohen Eisengerüst, von dem aus sonst Pilotvisierungen vorgenommen
werden. Dieses Gerüst befindet sich auf einer Höhe von 55 m über NN. Im Westen und