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Full text : 57, 1937

Edgar  Heilgermann  :  Beiträge  zur  Klimatologie  von  Togo

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E.  Äquivalenttemperaturen.
1.  Erklärung  des  Begriffs.
Immer  mehr  findet  auch  in  der  Klimatologie  der  Begriff  der  Äquivalenttemperatur  zur  Charakterisierung
des  Klimas  eines  Ortes  oder  einer  Landschaft  Anklang  und  Beachtung,  v.  Bezold  (5)  hat  als  erster  dieses
neue  klimatische  Element  als  Verbindung  zweier  anderer,  nämlich  der  Lufttemperatur  und  des  Feuchtegehaltes
der  Luft,  in  der  meteorologischen  Literatur  eingeführt.  Knoche  (6)  brachte  dann  den  Nachweis,  daß
interessante  Ergebnisse  gezeitigt  werden  können,  wenn  bei  der  Beurteilung  von  Klimawirkungen  auf  den  Menschen ­
  die  Äquivalenttemperatur  mit  herangezogen  wird.  In  neuerer  Zeit  ist  es  R  o  b  i  t  z  s  c  h  (7,  S.  73  ff.),  der
neuartige  Gedankengänge  entwickelte,  um  klimato-physiologische  Probleme  mit  Hilfe  dieses  Begriffes  zu  behandeln ­
  und  der  Lösung  näher  zu  bringen.
Die  Äquivalenttemperatur  einer  Luftmasse  ist  diejenige  Temperatur,  die  diese  annehmen  würde,  wenn  sämtliche ­
  an  den  in  ihr  enthaltenen  Wasserdampf  gebundene  Wärme  frei  werden  würde,  ohne  Änderung  des
Wärmeinhalts  und  des  Druckes  von  außen  her.  Sie  ist  somit  proportional  dem  Gesamtwärmeinhalt  W t  der
feuchten  Luftmasseneinheit.  Dieser  ist:
W f  =  c p T  +  606  .  s  cal,  wo
c p  =  Wärmekapazität  der  trockenen  Luft  =  241  cal  für  1  kg,
T  =  Absoluttemperatur  der  betrachteten  feuchten  Luftmasseneinheit,
s  =  spezifische  Feuchte  in  g/kg
(Etwa  606  cal  sind  nötig,  um  1  kg  Wasser  bei  einer  normalen  Lufttemperatur  zu  verdampfen.  Genauer ­
  ist  hier  die  Verdampfungswärme  r  in  ihrer  Abhängigkeit  von  der  Lufttemperatur  t  nach
R  e  g  n  a  u  11  (6)  zu  setzen:  r  =  606,5  —  0,695  t)
Die  spezifische  Feuchte  s  steht  mit  dem  Dampfdruck  e  und  dem  Luftdruck  B  im  folgenden  Zusammenhang:
s  =  622.  e
B
Das  in  die  Gleichung  für  den  Gesamtwärmeinhalt  der  Luftmasseneinheit  eingesetzt,  ergibt:
W f  =  m  .  c„(T+  1570-5-),  wo  Gl.  1.
B
m  =  Proportionalitätsfaktor  für  eine  etwa  neu  zu  wählende  Masseneinheit;  m  =  1  für  die  Masseneinheit
lkg.
Der  Faktor  (T  +  1570  —)  ist  der  gesuchte  mathematisch-physikalische  Ausdruck  für  die  Äquivalenttemperatur ­
  T a6 .  B

2.  Berechnung  der  Werte.
Die  in  Tabelle  11a,  b,  c,  d  zusamengefaßten  Monats-  und  Jahresmittel  an  den  drei  Terminen  morgens,
mittags,  abends  und  im  Tagesmittel  für  die  11  Togostationen  wurden  mit  Hilfe  eines  Rechenschiebers  gefunden.
Um  jedes  Monatsmittel  ein  und  derselben  Station  mit  gleichem  Gewicht  zu  erhalten,  wurden  nur  ganze  Jahrgänge ­
  verwandt,  am  Schluß  der  Tabelle  lld  ist  die  Anzahl  Z  derselben  für  jede  Station  angegeben.  Für  den
Jahrgang  1912  der  Station  Sansane  Mangu  sind  die  Äquivalenttemperaturen  für  jeden  Termin  jedes  einzelnen
Tages  und  daraus  die  Monatsmittel  M  berechnet  worden.  Andererseits  wurde  dasselbe  Mittel  festgestellt  unter
Zugrundelegung  der  Monatsmittel  der  Lufttemperatur  und  Feuchte,  es  möge  M'  genannt  werden.  Tabelle ­
  12  enthält  die  Mittel  M  und  M'  für  jeden  Monat  und  das  Jahr  zu  den  Terminen  7,  14,  21  Uhr  und  im
Tagesmittel  sowie  die  Differenz  M—M'.
M  und  M'  unterscheiden  sich  im  Maximum  3mal  um  0,6°  (III  21  Uhr,  IV  14  und  21  Uhr);  man  geht  wohl
nicht  fehl,  wenn  man  für  die  Genauigkeit  der  Monatsmittel  M'  ±1,0°  annimmt.  Daher  sind  die  Monatsmittel  der
Äquivalenttemperatur  nicht  aus  den  Einzelbeobachtungen  der  Lufttemperatur  und  Feuchte,  sondern  der  Einfachheit ­
  halber  aus  ihren  Monatsmitteln  berechnet  worden,  was  vom  physikalischen  Standpunkt  aus  keine  einwandfreie ­
  Methode  ist,  da  der  Dampfdruck  nicht  in  linearer  Funktion  zur  Temperatur  steht.  Eine  weitere  Vereinfachung ­
  wurde  vorgenommen,  indem  ein  der  Stationshöhe  zukommender  mittlerer  Luftdruck  allen  berechneten
Werten  der  Äquivalenttemperatur  zugrunde  gelegt  wurde.  Knoche  (6)  findet,  daß  bei  ±20mm  Abweichung
vom  Normaldruck  760  mm  der  maximale  Fehler  für  T ae  3%  beträgt.  Berücksichtigt  man,  daß  die  Luftdruckschwankungen ­
  in  den  Tropen  weit  geringer  sind,  so  wird  es  klar,  daß  hei  dieser  Vereinfachung  ein  nennenswerter ­
  Fehler  nicht  in  Rechnung  zu  setzen  ist.
            
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