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Volltext : 56, 1936

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Hans  Neuberger,  Beiträge  zur  Untersuchung  des  atmosphärischen  Reinheitsgrades

c)  Seegang  und  mittlere  Kernzahl.
Schon  aus  obigem  Vergleich  zwischen  der  See-  und  der  Landwindkurve  ließ  sich  der  Einfluß  des  Seeganges ­
  herausschälen.  Doch  sei  er  hier  noch  einmal  speziell  untersucht,  da  Seegang  und  vor  allem  Brandung
nicht  immer  der  am  Beobachtungsplatz  z.  Zt.  der  Messung  herrschenden  Windstärke  zu  entsprechen  brauchen.
Der  Seegang  war  jeweils  nach  einer  dreistufigen  Skala  geschätzt  worden:
I  ruhig  bis  leicht  bewegt  (etwa  0,  1,  2  der  üblichen  Seegang-Skala),
II  mäßig  (etwa  3,  4,  5  der  üblichen  Seegang-Skala),
III  grob  bis  schwer  (etwa  6,  7,  8  der  üblichen  Skala).
Die  Mittelbildung  der  Kernzahlen  wurde  nur  für  Beobachtungen  mit  reinem  Seewind  durchgeführt;  für
Pseudoseewind  war  eine  entsprechende  Untersuchung  wegen  zu  schlechter  Verteilung  der  Beobachtungen  auf  die
einzelnen  Stufen  nicht  möglich.  Wiederum  wurde  auch  das  von  V.  F.  Hess  (21)  auf  Helgoland  gewonnene
Material  unter  Verwendung  obiger  Zuordnungen  gemittelt.
Tabelle  5.
Stufen  d.  Mittlere  Kernzahl  bei  Seewind  auf
Seegangs  Sylt  Helgoland)  Hess)
I  1100  (65)  2800  (4)
II  1150  (25)  3200  (8)
III  1350  (17)  —
Die  Tabelle  5  zeigt  einen  nur  geringen  Anstieg  der  mittleren  Kernzahl  mit  zunehmendem  Seegang,  der
jedoch  deshalb  nicht  ganz  ohne  Bedeutung  ist,  da  ja  der  gleichzeitig,  aber  entgegengesetzt  wirkende  Einfluß  der
Windstärke  mit  darinsteckt.  Die  aus  dem  Hessschen  Material  gewonnenen  Werte  zeigen  ebenfalls  bei  dieser
groben  Einteilung  einen  Anstieg  der  Kemzahl.  Jedoch  beträgt  diese  für  Seegang  3  der  üblichen  Skala  im
Mittel  3700  (5),  für  Seegang  4  im  Mittel  2500  (3);  die  höheren  Seegang-Grade  5  und  6  sind  dort  nur  bei  Landwind ­
  mit  den  beiden  Kernzahlen  6300  und  4300  vertreten.  Der  Einfluß  des  Seegangs  auf  die  Kemzahl  läßt
sich  also  kaum  mehr  feststellen.
Zusammenfassend  kann  man  jedenfalls  sagen,  daß  schon  in  einer  Höhe  von  25  m  über  dem  Meeresspiegel
die  entgegengesetzten  Wirkungen  von  Windstärke  (Turbulenz)  und  Seegang  (Spritzwasser)  sich  merklich  kompensieren. ­
  Demnach  empfiehlt  es  sich  bei  Kernzählungen  auf  See  und  an  der  Küste  den  Standort  möglichst  hoch
zu  legen,  wenn  nicht  der  Seegang-Einfluß  speziell,  sondern  nur  eine  Übersicht  über  ungestörten  Kerngehalt  gewonnen ­
  werden  soll.
d)  Luftfeuchtigkeit  und  mittlere  Kernzahl.
A.  Wigand  (68)  fand  oberhalb  der  untersten  Luftschicht  eine  Gegenläufigkeit  von  Kernzahl  und  rel.
Feuchtigkeit,  die  von  ihm  damit  erklärt  wurde,  daß  in  feuchter  Luftschicht  die  Kerne  anwachsen  und  dadurch
zum  Absinken  gebracht  werden.  G.  R.  Wait  (64)  gelangte  teilweise  zu  einer  ähnlichen  Beziehung,  aber  mit
wesentlichen  Ausnahmen.  —  Das  Sylter  Beobachtungsmaterial  wurde  auf  eine  Beziehung  zwischen  mittlerer
Kernzahl  und  sowohl  relativer  als  auch  absoluter  Feuchtigkeit  hin  untersucht.  Wegen  des  seltenen  Vorkommens
relativ  niedriger  Feuchtigkeit  mußten  in  der  ersten  Stufe  alle  Werte  zwischen  50%  und  70%  zusammengefaßt
werden.  Wie  aus  Tabelle  6  hervorgeht,  besteht  für  See-  und  Pseudoseewind  kein  eindeutiger  Zusammenhang
zwischen  den  genannten  Faktoren,  wohl  aber  scheint  für  Landwind  eine  Tendenz  im  obigen  Sinne  vorzuliegen,
wenn  man  diesen  Mittelwerten  wegen  der  geringen  Anzahl  bzw.  schlechten  Verteilung  der  Einzelbeobachtungen
überhaupt  Bedeutung  beimessen  will.  Dazu  kommt,  daß  die  hohen  Feuchtigkeitswerte  in  Landwind  hauptsächlich ­
  mit  größeren  Windstärken  verbunden  sind,  so  daß  anzunehmen  ist,  daß  die  angedeutete  Abnahme  der
mittleren  Kernzahl  mit  zunehmender  Feuchtigkeit  nur  durch  den  darin  enthaltenen  Windeinfluß  verursacht
ist,  also  auch  für  Landwind  ein  direkter  Zusammenhang  nicht  besteht,  was  im  Einklang  mit  dem  von  V.  F.  Hess
in  Lans  (Tirol)  gefundenen  Ergebnis  (22,  S.  145  f.)  steht 1 *.

Tabelle  6.

relative

Mittlerer  Kerngehalt  in

absolute

Feuchtigkeit
%

Seewind

Pseudoseewind

Landwind

Feuchtigkeit
g/cbm

Seewind

Pseudoseewind

Landwind

<70
70—  79
80—  89
90—100

620  (13)
1100  (25)
1300  (34)
1200  (35)

2200  (2)
3000  (7)
2800  (9)
3500  (4)

3300  (6)
5300  (4)
1900  (7)
1800  (2)

3,0—5,9
6,0—8,9
>9,0

1100  (31)
1100  (39)
1200  (37)

2100  (6)
3600  (3)
3200  (13)

4000  (3)
3000  (16)

11  Vgl.

auch  (6,  S.  12).
            
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