Hubert Tüllmann: Die Niederschlagsverhältnisse der Südsee-Inseln
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stigt die Ausbildung des kleineren Sommermaximums im Luv und unterdrückt sie im Lee. Der schwächere Winter
passat mildert diesen Luy- und Lee-Einfluß bei der Ausbildung des größeren 'Wintermaximums. Die unterschied
liche Luv- und Leewirkung im Sommer und Winter führt also im Luv zur Schrumpfung, im Lee zur Streckung der
absoluten Regenamplituden, deren relative Größen, ausgedrückt in Prozenten der extrem hohen Luv- und niedrigen
Leejahresmengen, die Weitung des Amplitudenintervalles verursachen.
Aus dieser Erklärung folgt, daß die kleinen relativen Amplituden der Jahresgänge mit großen Jahres
mengen auf den Luvseiten und die großen relativen Amplituden der Jahresgänge mit kleinen Jahresmengen auf
den Leeseiten der Hawaii-Inseln auftreten müssen.
Bei Überprüfung der Zuordnung großer und kleiner Jahresmengen zu kleinen und großen Amplituden der
Jahresgänge in Tabelle 3, stoßen wir in der unteren Amplitudenklasse in Stufe 6—8% (Nr. la, 8a, 8b, 9a, 10b)
und 8—10% (Nr. 7a, 8c) auf ganz beachtliche Abweichungen; die mittleren jährlichen Regenhöhen dieser Sta
tionsgruppen betragen nur 500—1500 mm. Mit Ausnahme von Nr. la liegen diese Stationsgruppen im Lee der
über 4000 m aufragenden Vulkankegel Mauna Loa und Mauna Kea auf der Insel Hawaii (vgl. Ähb. 6). Sie sind
im Schutze der Vulkanriesen dem Passateinfluß ganz entrückt. In ihren Gruppenbildern auf Abb. 8 erkennt man
den relativ hohen Wärmeregen der sommerlichen Seebrisen (s. S. 30), der breitflächig neben dem geringen
Wintermaximum die Amplitudenspanne mildert (vgl. Nr. 7a, 9a, 10b) oder den Winterregen sogar übertrifft (vgl.
Nr. 8a, 8b, 8c). Die Jahresmenge der Stationsgruppe Nr. la (1500 mm) könnte man noch als untere Grenzmenge
der großen Jahresmengen ansehen. Das entspricht auch der Grenzlage dieser Stationen zwischen der Luv- und
Leeseite (vgl. Abb. 6). Die Jahresmengen der oberen Amplitudenklasse bleiben sämtlich unter 2000 mm. Von
den passatfreien Stationen abgesehen, trennen sich also die beiden Amplitudenklassen auf den Hawaii-Inseln bei
den mittleren Jahresmengen von 1500—2000 mm. Die durchschnittliche jährliche Regenhöhe beträgt in der unteren
Amplitudenklasse über 3000 mm, in der oberen knapp 1000 mm.
Mit der Zuordnung großer und kleiner Jahresmengen zu kleinen und großen Amplituden der Jahresgänge
ist die räumliche Verteilung der mittleren relativen Amplituden in den Niederschlagskarten auf Abb. 6 festgelegt.
Das Gebiet mit relativ kleinen Jahresgangamplituden umfaßt im wesentlichen die Luvhänge der Inseln [Nr. 1, 2,
(3), (4), 5, 11, 12, (17), (18), 23, 24, 25], greift aber bei Höhen unterhalb der Zone maximaler Niederschläge
(um 1500 m) über die Gebirgskämme und Gipfel hinaus auf die oberen Leehänge (Nr. 13b, 14c, 16c, 16b, 19c,
19b, 20b, 22c, 22b, 26c, 26b) und folgt den größeren Luvhöhen nur bis in das günstige Wolkenniveau (Nr. 3e,
3f, 3g, 3h und 4f liegen schon oberhalb). Das Gebiet mit relativ großen Jahresgangamplituden umfaßt die mitt
leren und unteren Leehänge mit anschließenden Küstenniederungen, die schon erwähnten oberen Luvhänge über
dem günstigen Kondensationsniveau (Nr. 3e, 3f, 3g, 3a, 4f), die niedrige Isthmusbrücke auf Maui (Nr. 15a) und
greift auf Oahu um die wenig hohe (950 m) und schmale O-Kette herum in die Küstenniederung der Luvflanke
(Nr. 17a, 18a). Die Übertretungen der Luv- und Leegrenzen sind vornehmlich in Besonderheiten der Sommer
regen begründet. So erklärt sich auf der einen Seite die Einbeziehung der oberen Leehänge, die erheblich höhere
Sommerregenmengen haben als die mittleren und unteren Leehänge (s. S. 30), in das Luvgebiet mit kleinen
Regenamplituden und auf der anderen Seite das übergreifen großer Regenamplituden auf die Küstenniederungen
vor den Luvhängen, wo nur ganz geringer Sommerregen fällt. Die Regenmenge des trockensten Monates, der ja
auf den Hawaii-Inseln bei vorwiegendem Winterregen in der Regel im Sommerhalbjahr auftritt, liegt in dem Ge
biet mit kleinen Jahresgangamplituden zwischen 74 mm (Nr. 14c, Juni) und 556 mm (Nr. 11c, Mai) und in dem
Gebiet mit großen Jahresgangamplituden zwischen 0 mm (Nr. 13a, Juni) und 86 mm (Nr. 21b, August) 118 .
Im SO-Passatgebiet fehlen die extrem kleinen und großen Amplitudenwerte der Hawaii-Inseln, und
das Häufigkeitsmaximum verschiebt sich aus den unteren in die mittleren Amplitudenstufen von 8 bis 12%. Die
Häufung der mittelgroßen Amplituden folgt ohne weiteres aus der einfachen Regenzeit, die die Aus
bildung einer Trockenperiode ermöglicht. In der Schrumpfung des Amplitudenintervalles zeigt sich die Eigen
art des SO-Passates. Er folgt der Luftdruckbewegung in der sommerschwachen und winterstarken süd
pazifischen Antizyklone und dreht im Sommer unter der Einwirkung des australischen Monsuntiefs über O nach
NO und N und zurück. Wir fragen zunächst: Welchen Einfluß hat das auf die absoluten Jahresgangamplituden
der normalen Luv- und Leeseiten? Auf den normalen Luvflanken hat der schwache Sommerpassat eine geringe
Häufigkeit und senkt das Sommerregenmaximum, der starke Winterpassat eine große Häufigkeit und hebt das
Winterregenminimum. Auf den normalen Leeflanken setzt der auf NO/N drehende Sommerpassat neben die ge
ringen Winterleemengen die hohen Sommerluvmengen. Die absolute Amplitude der Jahresgänge auf den SO-
Passatinseln ist also im Luv klein und im Lee groß. Auf den Hawaii-Inseln war das gerade umgekehrt [vgl. z. B.
auf Abb. 8 die Luv- und Leebildung der Fidschi-Inseln (Nr. 35, 36 bzw. Nr. 33, 34, 37) mit denen von Maui
(Nr. 11, 12 bzw. Nr. 13, 14, 15, 16)]. Wie steht es nun mit dem Einfluß des SO-Passates auf die Jahresmengen
der normalen Luv- und Leeseiten? Der in der Regenmaximalzeit von den Luvseiten auf die Leeseiten drehende SO-
Passat nimmt den Luvflanken die höchsten Sommerregenmengen und gibt sie den Leeflanken. Dadurch werden
die Luvjahresmengen verringert, die Leejahresmengen erhöht. Die absolut kleinen Luv-Jahresgangamplituden
werden in Prozenten der kleinen Luvjahresmengen relativ größer und die absolut großen Lee-Jahresgangamplituden
118 86mm in der Station Nr. 21b könnte man noch als Ausnahme werten; denn ohne sie läge die obere Grenze nur bei
52 mm (vgl. Nr. 6b, 22a; Juni).