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Volltext: 56, 1936

Hubert Tüllmann: Die Niederschlagsverhältnisse der Südsee-Inseln 
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Sporaden Washington und Palmyra mit Fanning in den nassen Gürtel und Christmas, Howland und Baker mit 
Maiden in den trockenen Gürtel (vgl. Abb. 13). In der kühleren Wasserzunge um den mathematischen Äquator 
tritt zu der Wasserdampfarmut das Strahlungsmaximum der Sonne. Beide 'Vorbedingungen des Niederschlages 
— Wasserdampf und Abkühlung — sind also denkbar ungünstig. Auf Jaluit, im nassen Gürtel, fallen im 
Jahresmittel (1892—1913; 18 Jahre) 4009 mm Regen innerhalb der absoluten Grenzen von 4745 mm (1905) und 
3205 mm (1904), auf Maiden, im trockenen Gürtel, fallen im Jahresmittel (1890—1919 ; 28 Jahre) nur 724 mm 
mit den absoluten Grenzen von 2424 mm (1919, ohne November und Dezember) und 100 mm (1908). Dabei 
liegt Maiden (3° 59' S, 155° W) dem mathemathischen Äquator um 2° näher als Jaluit (5°56'N, 169° 41'0). 
Für Maiden wird die solare Lagegunst meteorologisch zur Wüste, für Jaluit die weniger günstige zum Tropen 
paradies. Keine Koralleninsel hat bisher das trockene Maiden unterboten oder das nasse Jaluit übertroffen. 
Die scharfe Trennung des nassen und trockenen Gürtels gilt nur für normale Zeiten. Es können in ein 
zelnen Jahren unperiodische Abweichungen eintreten, die dem. Trockengürtel vorübergehend starke 
Regenperioden bringen. Diese Anomalien finden in der Literatur 04 stärkste Beachtung und sollen hier kurz ge 
streift werden. Auf Abb. 12 sind für die Inseln Maiden, Fanning und Ocean die Schwankungen der Regen 
mengen gleicher Monate in der Periode 1910—1920 dargestellt. Zunächst stellen wir fest, daß die Mehrzahl 
der unperiodischen Schwankungen in der Äquatorregion von Maiden bis Ocean (165° 0 bis 
155° W) gleichzeitig und gleichsinnig erfolgen. Die Schwankungsursache wird also ebenfalls in 
breiter O—W-Erstreckung gleichzeitig und gleichsinnig süd- und nordwärts rücken und kann nur in außergewöhn 
lichen Verlagerungen des äquatorialen Luftdruckminimums bestehen. Von der „Verlagerung des äquatorialen 
Luftdruckminimums von N-Br. nach S-Br.“ sagt Schott 95 : „... sie ist die Regel in dem indisch-australischen Be 
reich, eine große Ausnahme vor der Westküste von Ecuador—Nordperu.“ Beim genaueren Zusehen zeigt sich, 
daß die regionale Angleichung der unperiodischen Schwankungen vorwiegend im Südsommer 
halbjahr November bis April auftritt, während im Süd Winterhalbjahr Mai bis Oktober die lo 
kale Differenzierung vorherrscht. Die extremen Monate Januar bzw. Juni, Juli zeigen das besonders 
gut. Es ist nicht ganz leicht, für diese wertvolle Erkenntnis eine sichere Erklärung zu finden. Vielleicht trifft fol 
gende Annahme zu. Der Luftdruck in der nord- und südpazifischen Antizyklone fällt im Südsommer und steigt 
im Südwinter 06 . Das australische Monsuntief wird bei schwachen pazifischen Antizyklonen im Südsommer seine 
Aktivität freier und ungestörter entfalten können als das asiatische Monsuntief bei starken pazifischen Anti 
zyklonen im Südwinter. 
Damit verlassen wir das Zenitalregengebiet. Wir haben erkannt, daß die Abhängigkeit der zeitlichen 
Niederschlagsverteilung von der Sonnenhöhe namentlich durch die Wechselwirkung der beiden Monsunkontinente 
Asien und Australien maßgebend beeinflußt wird, während die Einwirkung der Inseln selbst für den Jahresgang 
des Niederschlages im allgemeinen keine wesentliche Bedeutung hat. Im subtropischen NO-Passatsaum führt im 
Nordwinter die Einmischung der kontinentalen Luft zur Schwächung und Verdrängung der nordpazifischen Anti 
zyklone und bedingt dadurch die Winterregenzeit, die an Größe und Umfang die Zenitalregenzeit weit übertrifft. 
2. Das Monsunregengebiet 
Die zeitliche Verteilung des Niederschlages im Monsunregengebiet steht zu der im Zenitalregengebiet in 
schroffem Gegensatz. Das zeigt Abb. 10. An die Stelle der breitenparallelen Ordnung der Jahresgangformeln im 
Zenitalregengebiet tritt ein scheinbar planloser Wechsel der Jahresgänge im Monsunregengebiet. 
Auf der großen Insel Neuguinea fällt auf den geschlossenen N- und S-Flanken des breiten Mittelrumpfes 
Sommerregen, an den abgemagerten, bucht- und zipfelreichen O- und W-Enden Sommer-, Winter- und Übergangs 
regen. Auf den mittelgroßen Bismarck- und Salomo-Inseln ist auf den NW-, N-, NO-Hängen vorwiegend Sommer 
regen, auf der S-Seite der Salomo-Insel Guadalcanal Winterregen beobachtet worden. Die kleinen und niedrigen 
Koralleninseln der Ellice- und Gilbertgruppe und die S- und W-Flanken der kleinen und hohen Vulkaninseln der 
Marianen und Palau-Gruppe haben überwiegend Sommerregen. Der Wechsel ist also um so mannigfaltiger, je 
größer, höher und gliederreicher die Insel ist. Daraus folgt, daß hier die Insel selbst, im Gegensatz zum Zenital 
regengebiet, bei der zeitlichen Verteilung des Niederschlages eine entscheidende Rolle spielt. 
Der gewaltige orographische Einfluß der Inseln auf den räumlichen Wechsel der Regenzeiten ist nur bei 
überwiegend horizontaler Luftbewegung mit zeitlich wechselnder Richtung möglich. Jeder Regengangwechsel auf 
einer Monsuninsel setzt somit einen Flanken- und Windwechsel voraus. Der Flankenwechsel ist mit den Inseln 
gegeben. Wie kommt nun der Windwechsel zustande? Die Monsuninseln der Südsee liegen am Ostrand der 
austral-asiatischen Inselbrücke, über die das äquatoriale Luftdruckminimum mit der Sonne am weitesten nördlich 
und südlich hinüber und herüber wechselt und sich in den kontinentalen Brückenköpfen Asien und Australien in 
den Nordsommer- bzw. Südsommermonaten zum Monsuntief weitet. Im Südsommer werden die in den mitt- * 93 
94 Vgl. K. Knoch, Anomalien; a. a. O., S. 361. — G. Schott, Niederschlagsmengen; a. a. O., S. 10. — G. Schott, Bewölkung; 
a. a. O., S. 288, sowie die dort angegebene Lit. 
93 G. Schott, Niederschlagsmengen; a. a. O., S. 11. 
86 Sydow-Wagners Methodischer Schul-Atlas; a. a. O., Karte 7e, f.
	        
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