accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 56, 1936

Hubert Tüllmann: Die Niederschlagsverhältnisse der Siidsee-Inseln 
33 
regenzeit in die Erscheinung. Die Zweiteilung des Zenitalregens ist durch eingelagerte Sommer- und Winterregen 
verdeckt. Es ist auch bezeichnend, daß sich die solaren Hauptregenzeiten symmetrisch zum meteorologischen Äqua 
tor ordnen, der um rund 5 Breitengrade nordwärts vom solaren Äquator abrückt. 
Die Lage der Äquatorialinseln zum meteorologischen Äquator ist für die Erklärung ihrer Jahresgänge von 
entscheidender Bedeutung. Das zeigt sich ganz eindeutig und klar in der Abhängigkeit der Regen 
höhe von der Häufigkeit einer der drei Hauptpassat winde (NO, 0, SO), die auf jeder 
Äquatorialinsel durchaus vorherrschen (s. Tabelle 1, Nr. VI, und Tabelle 2, Nr. VII, VIII, IX). Diese Abhängig 
keit ist für die niedrigen Koralleninseln Ujelang, Jaluit, Fanning und Maiden auf Abb. 11, Figur e, f, g, h, dar 
gestellt 81 . Der Hauptregen fällt auf Ujelang beim SO, auf Jaluit beim 0, auf Fanning beim NO und auf Mai 
den beim NO. Das ist nur möglich, wenn Ujelang nördlich des meteorologischen Äquators, Jaluit auf dem 
meteorologischen Äquator, Fanning unmittelbar am Südrand des meteorologischen Äquators und Maiden südlich 
desselben liegt; denn auf einer niedrigen Koralleninsel kann es beim Passat aus NO oder SO nur dann regnen, 
wenn er vom meteorologischen Äquator fortweht und beim Passat aus 0 nur dann, wenn er gegen einen Oststrom, 
also auf dem meteorologischen Äquator über dem Äquatorial-Gegenstrom weht. Die näher bezeiehnete Lage Fan- 
nings, unmittelbar am Südrand des meteorologischen Äquators, folgt aus der Tatsache, daß der Ostpassat auf 
Fanning und Jaluit ungefähr gleichartig verläuft, aber auf Fanning schon über der SO-Passat-Trift wehen muß; 
denn hier entspricht dem Niederschlag nach Höhe und Verteilung die Häufigkeit des NO-Passates. 
Im einzelnen zeigen die Wind-Regenbeziehungen noch Unterschiede und Besonderheiten. Wir fassen zu 
nächst das Größenverhältnis von Regen windhäufig keit und Regenmenge ins Auge. 
Von den Koralleninseln Ujelang, Fanning und Maiden hat Maiden bei größter Regenwindhäufigkeit 
(22%) die kleinste Regenmenge (1065 mm 81 ). Es besteht also ein grundlegender Feuchtigkeitsunterschied zwischen 
dem NO auf Maiden und dem NO auf Fanning, das in gleicher Länge 8° nördlich von Maiden liegt. Der NO von 
Fanning ist als normaler NO-Passat von der meteorologischen Nordhalbkugel übergetreten. Er hat den warmen 
Äquatorial-Gegenstrom passiert 82 und ist warmfeucht. Der N0 von Maiden kann nicht der übergetretene NO- 
Passat von Fanning sein; denn nach den auf Fanning und Maiden gleichzeitig angestellten Beobachtungen (9 a. m.) 
weht der NO auf Maiden in allen Monaten, mit Ausnahme des April, häufiger als auf dem nördlicher gelegenen 
Fanning. Dem höheren Aprilwert auf Fanning entspricht ein ausgeprägtes relatives NO-Windminimum auf Mai 
den. Es bestätigt sich hier für Maiden die schon 1906 von R. Westermann 83 aufgestellte Hypothese: „Die aus 
dem östlichen Quadranten notierten Windrichtungen sind kein Nordost-Passat. Vielmehr dreht der hier fast rein 
östlich wehende S.E.-Passat zu Zeiten an seinem nördlichen Rande unter der Wirkung der australischen De 
pression durch E. nach N. zu.“ Der ohne Übertritt über den Äquator in die NO-Richtung umkurvende SO-Passat 
erklärt die geringere Regenmenge in Maiden. „Maiden liegt demnach“ nicht, wie Knoch 84 noch 1927 mitteilt, 
„auf der Grenze zwischen Südost- und Nordostpassat“, sondern immer im Gebiet des SO-Passates. Auch Schott 85 
definiert die Breiten 2° N — 5° S als „den nördlichsten Teil des pazifischen SO-Passates.“ — Ujelang hat von 
den drei genannten Koralleninseln (Ujelang, Fanning und Maiden) die geringste Regenwindhäufigkeit (7%), 
aber eine verhältnismäßig hohe Regenmenge (2081 mm 81 ). Der SO auf Ujelang ist der über den Äquator gezogene 
SO-Passat der meteorologischen Südhemisphäre. Er hat schon weite Flächen des pazifischen Ozeans überweht 
und ist darum wasserdampfreicher als der entsprechende NO-Passat in Fanning. 
Im N0- und SO-Passat, südlich bzw. nördlich des meteorologischen Äquators, sind also, neben der Häufig 
keit, der Luftursprung und die Länge des Wasserweges vor Übertritt auf die andere meteorologische Halbkugel 
für die Regenhöhe von maßgebender Bedeutung. Ob daneben zur Erklärung des Niederschlages noch großzügige 
Übereinanderlagerungen der vorherrschenden Passatwinde angenommen werden müssen, worin Brooks und Braby 86 
die Hauptursache des Regenfalles auf Fanning und Maiden sehen, soll hier nicht entschieden werden. (Über 
Passatstörungen auf Maiden durch W- und NW-Winde und ihre Beziehungen zu stärkeren Regengüssen siehe 
K. Knoch 87 .) 
Im O-Passat, über dem Äquatorial-Gegenstrom, wirkt sich die unterschiedliche Weglänge der Luft bis zur 
Einmündung in die O-Richtung, bei dauerndem Regenreichtum nicht aus. Auf Jaluit läßt nämlich die Abhängig 
keit der Regenmenge von der O-Windhäufigkeit einen jahreszeitlichen Unterschied nicht erkennen. 
Eine auffallende Abweichung der Regenmenge von der Regenwindhäufigkeit 
zeigt sich auf Maiden in den Frühlingsmonaten Oktober, November und Dezember (1. Zenitstand). Der Novem 
81 Für Ujelang, Jaluit und Maiden sind die Mittelwerte der jeweils gleichzeitigen Wind- und Regenbeobachtungen dargestellt, 
für Fanning die Mittelwerte aus der Beobachtungsperiode 1903—1918, in der die Beobachtungsdauer des Niederschlages 15 Jahre, 
die des Windes nur 6—8 Jahre (undatiert) beträgt! 
82 Sydow-Wagners Meth. Schul-Atlas; a. a. 0., Karte 9. 
83 R. Westermann, Der meteorologische Äquator; a. a. 0., S. 19. 
84 K. Knoch, Große Anomalien des Niederschlags in der Äquatorregion des Pazifischen Ozeans; Ann. d. Hydr., Heft 12, 
Berlin 1927, S. 364. 
85 G. Schott, Die Bewölkung über dem Indischen und Stillen Ozean; Ann. d. Hydr., Heft X, Berlin 1933, S. 287f. 
83 C. E. P. Brooks u. H. W. Braby, The Clash of the Trades in the Pacific; Quarterly Journal of the Royal Meteorological 
Society, Band 47, London 1921, S. 5. 
87 K, Knoch, Anomalien; a. a. O., S. 364.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.