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Full text: 56, 1936

Hubert Tüllmann: Die Niederschlagsverhältnisse der Südsee-Inseln 
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Der subtropische Winterregen. 
Die größeren Winterregenmaxima in der rechten Kurvenhälfte der Hawaii-Gruppenbilder auf Abb. 8 zeigen 
zwei wesentliche Merkmale: die allseitige Existenz und die allseitig gleichzeitige Unter 
brechung im Februar. 
Die allseitige Existenz kann ein normaler, einseitig nässender Winterpassat nicht erklären. Als 
Ursache der gewaltigen Winterregenmengen kommt nur eine allseitige, freie oder erzwungene, aufsteigende Luft 
bewegung in Frage, die von viel größerem Ausmaße sein muß als der Aufstieg der sommerlichen Seebrisen über 
den erhitzten Inseln. Wir richten darum unser Augenmerk auf die jahreszeitlichen Änderungen der Luftzirkula 
tion im ganzen nordpazifischen Becken 73 . Im Nordsommer beherscht die subtropische Antizyklone den nord 
pazifischen Raum. In langen, beharrlichen Wirbelfäden widersteht sie der zersetzenden Tätigkeit der Sonne. Die 
Folge ist ein relativ mäßiges Zenitalregenmaximum, bei dem der Luv- und Leegegensatz noch stark hervortritt. 
Im Nordwinter beherrschen die kontinentalen und polaren Kaltluftmassen erhebliche Teile des nordpazifi 
schen Feldes. Der eingeengte und bedrängte Wirbel der subtropischen Antizyklone liegt etwas südlicher und östlicher 
als im Nordsommer. Der Luftdruck sinkt unter den Sommerstand 74 75 und wirkt wie eine Temperaturzunahme auf 
die Verdampfung. Der geschwächte Passatgradient begünstigt den Luftaufstieg und damit die Kondensation. Die 
zerstückelten und veränderlichen Stromfäden krümmen sich teilweise über Süd und West in die Wegrichtung der 
den Nordpazifik von West nach Ost durchstürmenden Zyklonen und treffen auf die Passatleeseiten der Inseln. Die 
Winterregenmengen wachsen so allseitig im gleichen Rhythmus über die des Sommerhalbjahres hinaus. 
Ein gleichmäßiges Auf und Ab der Luftdruckbewegung in der wandernden Antizyklone müßte in ihren Um 
kehrpunkten in der Mitte des Sommer- (Mai—Oktober) und Winterhalbjahres (Nov.—April) Extremwerte des 
Niederschlages auslösen. Im Sommerhalbjahr wird das Regenminimum des höheren Luftdruckes durch das ein 
gelagerte Zenitalregenmaximum verdeckt. Im Winterhalbjahr tritt jedoch an die Stelle des nach dem Tiefstand 
des Luftdruckes zu erwartenden Regenmaximums ein tiefer F ebruarein schnitt, der durch sämtliche 
Kurvenbilder geht, also jeden anderen Einfluß, sei es Luv oder Lee, hohe oder niedere Breite, überwältigt, 
und auf Kauai in den oberen Bildern (24b, 25b, 25c) neben die höchste Monatsmenge die geringste setzt, die auch 
dann noch absolutes Minimum bleibt, wenn 11% für die kürzere Monatslänge hinzugerechnet werden. 
Der ungleichmäßige Luftdruckwandel setzt ein ebenso unregelmäßig schwankendes Kräfteverhältnis der 
maritimen und kontinentalen Antizyklonen voraus, das im einzelnen zur Begründung der entsprechend schwanken 
den Regenmengen auf den Monatskarten des „Air Transport over the North Pacific Ocean“ von W. Werenskiold 73 
verfolgt werden soll. 
Im November und Dezember überflutet die kontinentale Kaltluft Asiens weite Flächen des nord- 
pazifischen Beckens. Sie stößt in den 30iger Breiten im November um 29 Längengrade, im Dezember um 20 Län 
gengrade ostwärts und verdrängt die pazifische Antizyklone von 145° W, 35° N auf 134° W, 33° N. Die Häufig 
keit der Passatleewinde (s. Tabelle 1, Nr. V) steigt, während die der Passatwinde (NO, 0) abnimmt. Der jetzt 
allseitig einsetzende Winterregen übersteigt gleich die maximalen Zenitalregenmengen. Ganz besonders schroff 
ist der Anstieg zum November. Im November muß die verdrängte Warmluft der nordpazifischen Antizyklone rest 
los aufsteigen, weil die noch geschlossene SO-Passatfront den horizontalen Abfluß behindert. Zum Dezember ver 
flacht sich der Anstieg der Regenmenge, weil sich mit dem erneuten Kaltluftvorstoß um weitere 20 Längengrade 
gleichzeitig das Ventil zum australischen Monsuntief öffnet. 
Im Januar ist der Ausweg zum australischen Monsuntief völlig geebnet. Die örtlichen Wirbelbildun 
gen verschwinden. Das Warm- und Kaltluftgefälle steigern sich in südwestlicher Richtung. Antizyklone und hyper 
bolischer Punkt (zwischen maritimer und kontinentaler Luft) rutschen dabei in ihre südlichste und für den Winter 
westlichste Lage (Antizyklone: 145° W, 30° N, hyperbolischer Punkt: 165° O, 25° N). Die Nordgrenze des N0- 
Passates zerlegt die Inselgruppe. Die südlichen Inseln Hawaii und Maui haben verstärkten Passat und geringere 
Regenmengen als im Vormonat. Die nördlichen Inseln Oahu und Kauai liegen in den nach N und NO umkurven 
den Stromfäden und erhalten jetzt ihre größten Regenmengen. 
Im Februar ist der australische Monsun voll entwickelt. Die Konvergenzlinie zwischen dem N0- und 
SO-Passat taucht erst jetzt am weitesten östlich unter den mathematischen Äquator und vergrößert den Querschnitt 
der Monsunströmung im Äquator um 17 Längengrade (von 175° 0 bis 168° W). Die Kaltlufteinbrüche aus dem 
Beringmeer häufen sich und verursachen mit dem Nordast der asiatischen Kaltluft ausgedehnte zyklonale Störun 
gen, die mit dem südlichen Wintermonsunkeil ostwärts rücken und die pazifische Antizyklone aus ihrer weit nach 
SW vorgeschobenen Januar-Lage, 145° W, 30° N, nach 137° W, 35° N zurückdrängen. Bei der Rückwanderung 
der pazifischen Antizyklone zur amerikanischen Küste, mit gleichzeitig vermehrter Luftabgabe zum australischen 
Monsuntief, muß Luftknappheit eintreten. Zum Ersatz sacken höhere und kältere Luftschichten tiefer, erdrosseln 
73 Vgl. „Die Strömungsglieder der pazifischen Luftzirkulation“ in T. Bergeron, Richtlinien; a. a. O., S. 255 (Fig. 6a), S. 256 
(Fig. 6b). — Über die Bedeutung der Luftdruckverteilung für den Niederschlag auf den Hawaii-Inseln vgl. A. J. Henry, Hawaiian 
Rainfall; a. a. O., S. 11—13. 
74 Sydow-Wagners Methodischer Schul-Atlas, 19. Aufl., Gotha 1931, Karte 7. 
75 W. Werenskiold, Mean Monthly Air Transport over the North Pacific Ocean; Geofysiske Publikationer, Vol. II, Nr. 9, 
Kristiania 1922.
	        
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