30
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 56. Band, Nr. 5
Der Zenitalregen.
Die Lage und Form des Zenitalregenmaximums entsprechen der Breitenlage der Hawaii-
Inseln. Das bestätigt der Vergleich mit dem Zenitalregeh auf dem in gleicher Breite der Südhalbkugel gelegenen
Neukaledonien (Nr. 46a—48a auf Abb. 8). Die Übereinstimmung ist sogar auffallend gut und viel besser als
zwischen Neukaledonien und den Cook-Inseln (Nr. 50a auf Abb. 8) in der gleichen Breite derselben Halbkugel.
Die unterschiedliche Gestaltung der Zenitalregenzeit zwischen Neukaledonien und den Cook-Inseln erklärten wir
auf Seite 29 mit der Windverschiedenheit: auf Neukaledonien weht der Sommer-Passat aus 0, auf den Cook-
Inseln aus NO und N. Die gleiche Gestaltung des Zenitalregenmaximums auf Neukaledonien und den Hawaii-
Inseln ergibt sich aus der Windgleichheit beider Inselgebiete: auf Neukaledonien und auf den Hawaii-Inseln
weht der Sommerpassat aus 0 (s. Tabelle 1, Nr. II u. V).
Die Höhe des Zenitalregenmaximums wechselt auf den vulkanischen Hawaii-Inseln viel stärker
als auf der Kontinentalinsel Neukaledonien. Aus dem bunten Wechsel der Maximumhöhen auf den Hawaii-Inseln
sollen nur die wichtigsten regionalen Verschiedenheiten und lokalen Besonderheiten herausgehoben werden.
Auf den Luvhängen der großen und hohen Inseln Hawaii (Bezirke 1—4 auf Abb. 6) und Maui (Be
zirke 11 und 12 auf Abb. 6) ist das Zenitalregenmaximum stets gut ausgebildet und erreicht oder übersteigt im
wärmsten Landmonat August die mittlere Monatsmenge, verkümmert dagegen mit schwankendem Gipfelmonat im
Luv der geringeren und wechselnden Höhen der kleineren Inseln Oahu (Bezirke 17 und 18 auf Abb. 6) und Kauai
(Bezirke 23, 24 und 25 auf Abb. 6).
An den Flachküsten und in den Niederungen der Leeseiten ist ein Zenitalregenmaximum entweder
nicht vorhanden oder nur angedeutet (vgl. die Gruppenbilder mit dem Zusatz a in den Bezirken 5—7, 10,
13—16, 19—22, 26), wächst aber dann in der Regel mit der Reliefhöhe relativ stärker als auf den Luvseiten
(vgl. die übrigen Gruppenbilder mit den Zusätzen b, c, . . . in denselben Bezirken) und überflügelt auf dem SW-
Hang der Insel Hawaii und im Passatlee der Ostkette Oahus sogar den Winterregen, und zwar in ganz verschiedener
Weise und mit ganz verschiedenen Mengen (vgl. Nr. 8a—c auf Hawaii und Nr. 22c, Station Wahiawa Water, auf
Oahu).
Auf dem unteren SW-Hang der Hawaii-Insel verteilt sich der relativ überwiegende, aber absolut geringe
Sommerregen (< 1000 mm, Mai—Okt.), gleichmäßig und fast gleichmengig auf alle Monate des Sommerhalb
jahres. Dieser SW-Hang liegt im Passatschatten der Vulkanriesen Mauna Kea (4208 m) und Mauna Loa (4168 m)
und ist im Sommer dem ungestörten täglichen Wechsel von Land- und Seewinden unterworfen 70 .
In der Station Wahiawa Water auf Oahu (Nr. 22c), im Lee der niedrigen Ostkette (bis 950 m hoch), hebt
sich der Sommerregen in den Monaten Juli—Oktober über die ebenfalls hohen Wintermengen hinaus und über
steigt ausnahmslos den Sommerregen der Luvseite (Abschnitte 17 und 18). Der normale Winterregen beherrscht noch
die Niederungen der Leekammem (Nr. 20, Bild 20a und Nr. 22, Bild 22a und 22b ), überwiegt auch noch an der 300
bis 400 m hohen Brücke zwischen Ostkette und Westplateau (Bild 20b) und wird erst in den östlichen Gebirgswin-
keln von Brücke und Kette vom Sommerregen übertroffen (Bild 22c). Die von Ostkette, Westplateau und Quer
riegel eingeschlossenen Senken wirken im Sommer wie Saugnäpfe auf die kühlenden Seewinde. Der schwerere
und kühlere Passat in der Höhe der nördlichen Ostkette (700 bis 800 m) kann gegen die hangauftreibende, leich
tere Heißluft nicht absacken, weil sie eingeklemmt ist, und die nachdrängende Seeluft den einzigen Ausweg ver
stopft (Schornsteinwirkung). Der Passat muß über das heiße Luftkissen hinweggleiten, um nach Übersteigung
des höher gelegenen Westplateaus (700 bis 1200 m) sein gewohntes Niveau wieder einzunehmen. Die untere
Passatfläche ist am mittleren Leehang des Ostgebirges der Kondensator des Wasserdampfes.
Die Schornsteinwirkung ist mehr oder weniger in allen Einschnitten und Einbuchtungen der Berge und
Gebirge auf den Luv- und Leeseiten vorhanden. Sie zeigt sich — innerhalb eines Regenbezirkes ge
sehen — in den Bildern 2b, 4d und 6b auf Hawaii, 11c, 13b, 14c und 16c auf Maui, 19c und den schon genann
ten Bildern 20b und 22c auf Oahu und 25c und 26c auf Kauai. Bekannt ist die rasche Zunahme der Regenmenge
vom Meeresstrand gegen das Gebirge im Nuuanutal, oberhalb Honolulus 71 . Das gilt für die ganze tief zertalte
südwestliche Abdachung der Koolauberge, die nur 300 bis 400 m hoch und 8 bis 10 ¡km, also etwa zwei Weg
stunden, von der Küste Honolulus entfernt sind. Die dem unteren, mittleren und oberen Gruppenbild (Nr. 19a,
19b, 19c) entsprechenden Jahresmengen (709, 2105, 3802 mm) verhalten sich ungefähr wie 1 : 3 : 5, die Winter
regenmengen (November—April: 525, 1211, 2079 mm) wie 1:2:4, aber die Sommerr egen mengen (Mai—Okto
ber: 184, 894, 1723 mm) wie 1 : 5 : 9). Darum ist wie Hann 72 schreibt, „die Aussage ... nicht so ganz grundlos,
daß fast jede Straße in Honolulu eine andere Regenmenge hat“.
Die Zone maximaler Sommerregen wird mit Größe und Höbe der Inseln schwanken und liegt
im Luv auf Hawaii (vgl. Nr. 2b) und im Luv auf Maui (vgl. Nr. 11c, 12d) zwischen 1000 und 1500 m Höhe.
Im allgemeinen sind die Zenitalregenmengen mit dem vorherrschenden Passat im Luv der hohen Inseln in
der Regel größer als im Lee gegen ihn und auf beiden Seiten noch abhängig von der Geländeumgebung, der
Relief- und Wolkenhöhe.
70 A. J. Henry, Hawaiian Rainfall; a. a. O., S. 13.
71 J. Hann, Der Regenfall auf den Hawaii insein; Met. Z. Band 12, Wien 1895, S. 9.
72 J. Hann, Der Regenfall auf den Hawaii Inseln; a. a. O., S. 9.